KRITIK

Chocolat

Chocolat Nach „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ kreiert Regisseur Lasse Hallström in seinem neuen Oscar-nominierten Film die märchenhafte Geschichte von der himmlischen Versuchung der Schokolade. Die sehr dichte Atmosphäre in einem faszinierenden Szenario – ein Dorfidyll voller schrulliger Charaktere, die alle auf die eine oder andere Weise etwas miteinander zu tun haben – liefert problemlos eine Fülle von interessanten und liebevollen Figuren. Zudem schaffen die tolle Kameraführung von Roger Pratt und Hallströms Regie eine märchenhafte Stimmung, die die Kurzweiligkeit des Films noch erhöht.
Bisher war ein solch romantisierendes Landleben zumeist bei britischen bzw. irischen Drehbuchautoren zu sehen („Lang lebe Ned Devine“, „Grasgeflüster“), wobei die Riege der Schauspieler in der Regel aus völlig unbekannten Gesichtern bestand. „Chocolat“ geht einen anderen, weiteren Weg, denn der als Liebeskomödie ausgelegte Film kann viel mehr. Er vereint mehrere Stilmittel aus verschiedenen Filmgenres in einem, da Hallström gekonnt zwischen ernsten, amüsanten und traurigen Themen springt und diese durch die kulinarischen Verführungen „verklebt“. Auf der einen Seite wird ein bissiger Blick auf das von den lokalen Kirchenautoritäten geprägte Leben in einer französischen Kleinstadt geworfen, auf der anderen Seite werden die Probleme der Menschen – Liebe, Trauer, Emanzipation, etc. – beschrieben.
Die Leistungen der Darsteller sind ausnahmslos hervorragend. Die Hauptdarstellerin Juliette Binoche als geheimnisvolle Vianne, vor allem durch ihre oscarprämierte Rolle in „Der englische Patient“ bekannt, wurde dieses Jahr erneut für ihre Leistung in „Chocolat“ für einen Schauspieloscar nominiert. Die eigentliche Stärke des Films liegt aber vor allem in den vielen kleinen Nebenhandlungen mit einem Sammelsurium an Nebencharakteren, die durchweg liebevoll besetzt und dadurch sehr überzeugend gezeichnet sind. Die zweite für „Chocolat“ und für sie selbst die dritte Schauspieloscarnominierung (1998 „Mrs. Brown“ und 1999 „Shakespeare in Love“) erhielt Judi Dench, die im Film die Rolle von Viannes Vermieterin Armande spielt. Weitere Nominierungen gingen an den talentierten Drehbuchautor Jacobs und an Rachel Portman („Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Emma“), eine erfolgreiche Score-Komponistin.
„Chocolat“ ist ein wunderschöner, zärtlich erzählter Film, der das Leben von einer sinnlich süßen Seite zeigt und zur Toleranz mahnen will. Sowohl die Geschichte als auch die Charaktere gehen ans Herz, bringen zum Lachen und zum Nachdenken. Von Anfang an ist klar, dass der Regisseur ein Märchen erzählen möchte und genau als solches kann man diesen Film genießen und lieben. Julia Berding



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INHALT

Frankreich 1959. In einer stürmischen Winternacht weht der Nordwind die geheimnisvolle Vianne mit ihrer kleinen Tochter Anouk in das französische Städtchen Lansquenet-sous-Tannes. Einen Ort, an dem die Zeit seit Jahrhunderten stehen geblieben zu sein scheint und in dem dank des selbsternannten Sittenwächters und Bürgermeisters Comte de Reynaud noch Anstand und Sitte herrschen.
Ausgerechnet zur Fastenzeit eröffnet Vianne genau gegenüber der Kirche eine Chocolaterie, um die süßen Lebensfreuden der Bewohner zu wecken. Auf geheimnisvolle Weise und mit Hilfe der rätselhaften Kakaorezepte der Mayas scheint sie sämtliche Vorlieben der Menschen zu erahnen und hat für jeden immer die passende Praline parat.
Aus Sorge um seinen guten Einfluss und den Sündenfall stetig vor Augen, versucht der Bürgermeister die Mitbürger fortan gegen diese Versuchung aufzulehnen. Als schließlich der Zigeuner Roux in der Kleinstadt auftaucht und sich mit Vianne und ihrer Tochter anfreundet, scheint es endlich einen Grund zu geben, die süße Verführung zu boykottieren. Doch der Comte de Reynaud rechnet nicht mit der Macht der Versuchung ...
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Eure Kritiken zu Chocolat

  1. Julia

    ZuckersüßWunderschöner Film über das „süße Leben“. Es stimmt einfach alles: Story, Hauptdarsteller, Landschaft und Musik. Absolut sehenswert!!

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