KRITIK

Children of Men

Children of Men In einer nicht allzu fernen Zukunft, die aussieht, als hätte jemand unserer Gegenwart eine schwarze Kapuze übergezogen, können die Frauen aus unbekannten Gründen keine Kinder mehr bekommen. Wir schreiben das Jahr 2027. Der jüngste Erdenmensch ist gerade im Alter von 18 gestorben, die Zivilisation versinkt über dem Demographie-Desaster in Anarchie und Bürgerkrieg, die Besitzlosen marodieren, die Privilegierten ergötzen sich an den letzten Picassos. In Großbritannien herrscht ein totalitäres Regime, das sich militärisch abschottet und illegale Flüchtlinge unter dem Banner der „Homeland Security“ in Käfige sperrt – die Katastrophe schrumpft die Welt zum Global Ghetto.

Inmitten dieses hoffnungslosen Chaos geht der zynische Säufer Theo (gut wie lange nicht: Clive Owen) einer nichtigen Verwaltungsarbeit nach, aus der er jedoch unerwartet von seiner Exfrau Julian (Julianne Moore) gerissen wird. Julian, die einer Gruppe von Untergrund-Dissidenten angehört, benötigt Theos Hilfe bei einer heiklen Mission: Es gilt, die junge Schwarze Kee (Claire-Hope Ashitey) zu den sagenumwobenen Rettern des „Human Project“ zu eskortieren, denn Kee ist im achten Monat schwanger. Ein Wunder, das der Apokalypse entgegenleuchtet.

Alfonso Cuarón, der zuvor so unterschiedliche Filme wie das Coming-of-Age-Drama „Y tu mamá también“ und die Fantasy-Episode „Harry Potter und der Gefangene von Azkaban“ gedreht hat, inszeniert hier eine nachtfinstere Dystopie, die von ihrem erkennbar heutigen, grundrealistischen Schrecken lebt – es ist keine „Blade Runner“-Sciencefiction, bloß die Fiktion einer Gesellschaft, die sich selbst kannibalisiert. In dieser Weltuntergangsvision blitzen die Folter-Bilder von Abu Graib ebenso auf wie die Guantanamo-Käfige. Überhaupt ist „Children of Men“ auch eine Geschichte über jenen Kriegszustand, von dem der Westen stets nur einen Terroranschlag entfernt zu sein scheint. Zwar vernachlässigt die Regie über derlei beklemmende Szenarien manchmal die Plausibilität des Plots, doch allein der fulminant pathetische Moment, in dem Kees Baby für einen kurzen Moment die Waffen verstummen lässt, brennt sich ins Gedächtnis.



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INHALT

Im Jahr 2027 sieht sich die Menschheit aufgrund eines Fruchtbarkeitsdefekts vom Aussterben bedroht: Gerade ist der jüngste Mensch auf dem Planeten im Alter von 18 Jahren gestorben, in London herrscht nackte Anarchie. Die Entdeckung einer einzelnen schwangeren Frau sorgt für Aufregung: Ein desillusionierter Regierungsagent erhält den Auftrag, die Frau sicher auf eine geschützte Insel im Meer zu bringen, damit Wissenschaftler die Menschheit retten können.
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Eure Kritiken zu Children of Men

  1. OwenFan

    Unbedingt ansehen! Lange nicht so einen guten Science-Fiction-Action-Thriller gesehen. Hervorragende Darsteller, Spannung pur! Lohnt sich!

  2. einkauf06

    Ein Spitzen Film, der auf jeden Fall gleich nach dem Erscheinen in meinen DVD Regal landen wird.

    Szenarien ähnlich wie im 2 Weltkrieg jedoch vermischt mit Zukunftsvisionen, welche gar nicht so unnormal sind.

    Ich denke zwar nicht, dass das Problem von Unfruchtbarkeit ein Thema sein wird, da es zu viele Probefasen mit Gentechnik ect bereits gibt, jedoch ist das Thema nicht verfehlt.

    Menschenhass, Armut und Egoismus, bereits jetzt schon in vielen Schlagzeilen erkennbar… eine solche Steigerung sollte jeden einmal Wachrütteln über sein Denken und Handeln nachzudenken!!!

    Mehr solcher Augenöffner für die Menschheit, könnte die Zukunft schöner machen!!

  3. tine

    grossartiger film mit grossartigen bildern und mit sehr guter musikuntermalung …. sehr stimmig .. und die langen takes sind atemberaubend, habe mir nach langer zeit mal wieder ein making of angeschaut um dem auf die schliche zu kommen, beeindruckend!

  4. Polemi

    Vielleicht gibt es an der Geschichte einiges auszusetzen, dass mag ich nicht bestreiten, die Umsetzung jedoch ist Weltklasse! Die extrem langen Takes, gepaart mit flüssigen Kamerafahrten und einem perfekt durchchoreographierten (aber dabei nie holprig wirkenden) Action- und Stuntfeuerwerk sind einfach gigantisch und trösten über jedwede kleine Unzuläglichkeit in der Erzählung und Charakterzeichnung hinweg.

    Ansehen, genießen, Bonusmaterial bewundern und dann nochmal die besten Szenen reinziehen!
    Sollte man gesehen haben!

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