KRITIK

Cheyenne – This must be the Place

Plakat zum Film CheyenneDie Verwandlung überzeugt, fast erkennt man ihn nicht: Mit dunkel umschminkten Augen, weiß gepudertem Gesicht, Lippenstift und schwarzer Zauselfrisur schleppt sich Sean Penn durch Dublin. Er spielt Cheyenne, einen unschön gealterten Goth-Rocker, der depressiv in wohlhabender Frührente lebt, seit sich ein Fan einst wegen der Musik seiner Ex-Band das Leben nahm. Dann stirbt Cheyennes Vater in New York, und die runtergedimmte Rock-Ruine mit der Fistelstimme begibt sich auf eine anekdotenreiche Odyssee durch Amerika, um jenen SS-Schergen zu finden, den sein Vater, ein KZ-Überlebender, sein Leben lang suchte.

Goth-Rock-Schrullen und Holocaust-Trauma? Es klingt schon krude, was sich der bildgewaltige italienische Regisseur Paolo Sorrentino (mehrfach ausgezeichnet für „Il Divo – der Göttliche“, 2008) da ausgedacht hat. Aber es will auch krude sein: Denn Cheyennes Weg durchs Hinterland der USA ist gesäumt von skurrilen Typen, merkwürdigen Begebenheiten und absonderlichen Dialogen, schön surreal in Szene gesetzt und sichtlich geschult an David Lynch, Jim Jarmusch oder auch Wenders.

Szene aus dem Film Cheyenne

(Foto: Delphi Filmverleih)

Das Überraschende: Cheyenne, anfangs eher eine Karikatur, nur schwer von Sean Penn zu lösen, wächst einem klammheimlich doch ans Herz. Regisseur Sorrentino mag seine Figuren. Und seien sie auch noch so schrullig. Das spürt man auch hier. Sehenswert.

 

 

  



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Eure Kritiken zu Cheyenne – This must be the Place

  1. Udo

    Ich hatte diesen tollen Film schon in einer Preview sehen dürfen. Wenn man sich auf die Fistel-Stimme und das Outfit von Sean Penn einlässt und seine spannende Reise miterlebt, ist das ein durchweg unterhaltsamer Film mit einer tollen Filmmusik, der/die einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, sehenswert!

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