KRITIK

Chéri – Eine Komödie der Eitelkeiten

Chéri - Eine Komödie der Eitelkeiten Diese Geschichte aus der Belle Époque hat zeitlosen Boulevard-Appeal, keine Frage. Eine gealterte Kurtisane, die einen jungen Dandy in die Kunst der Liebe einführt, worüber die beiden sich unglücklich ineinander verlieben – das bietet schönsten Klatsch in noblen Interieurs. Zumal er dazu noch der Sohn ihrer ehemals schärfsten Konkurrentin ist.

Allein der Umstand, dass eine Frau von 50 Jahren sich einen wesentlichen jüngeren Liebhaber nimmt, besitzt ja nach wie vor den Odeur des Unkonventionellen. Mit dergleichen erzielen die bunten Blätter auch heute noch beste Auflage. Als Stephen Frears` „Chéri“ auf der Berlinale lief, stürzten sich alle auf die fabelhafte Michelle Pfeiffer, die im gleichen Alter ist wie ihre Figur der Léa de Lonval und stellten ihr Fragen nach Jugendwahn und Altersfurcht. „Was wäre die Alternative zum Altern?“, gab sie bloß wunderbar gelassen zurück.

„Chéri“ funktioniert als Gossip auf hohem Niveau, als Satire über eine lasterhafte und lästerselige Parallelgesellschaft von Damen, die es mit ihrem moralfernen Beruf zwar nicht zu Ansehen, doch aber zu Wohlstand gebracht haben. In opulenten Dekors, die Kameramann Darius Khondji mit schwelgerischem Blick für Porzellan-Zier und Seidenlaken ins Bild setzt, trifft man sich zu Tee und Tratsch.

Kathy Bates hat große Auftritte als spitzzüngige Madame Peloux, die nie um einen verbalen Nadelstich verlegen ist und sich auf Ränke aller Art versteht. Sie ist es auch, die eine Liaison zwischen ihrem verwöhnten Filius, der nur Chéri gerufen wird (Rupert Friend), und der erfahrenen Léa de Lonval erst einfädelt, zu gegebener Zeit aber auch wieder zerstört, indem sie Chéri eine standesgemäße, reiche Braut vorsetzt.

Das hat, bei allem funkelnden Sarkasmus, tatsächlich auch eine herzzerreißende Dimension: Zwei lieben sich, finden aber nicht zueinander. Regisseur Stephen Frears, in dessen Werk gegenwärtiger Sozialrealismus mit historischen Ausflügen wechselt, hat für seine Verfilmung der Chéri-Romane von Colette hier einige Kräfte wieder zusammengeführt, mit denen er seinerzeit schon Laclos` „Gefährliche Liebschaften“ adaptiert hat – den vorzüglichen Drehbuchautor Christopher Hampton etwa, auch Michelle Pfeiffer war damals dabei.

Gemeinsam entwerfen sie ein faszinierendes Sittenbild, das von großen Gefühlen erzählt. Aber auch, gar nicht so entfernt von uns, von der untergehenden Dekadenz am Vorabend einer Katastrophe.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schickt die einst berühmte Kurtisane Madame Peloux ihren 24-jährigen Sohn Cheri zu einer Kollegin: Léa soll aus dem attraktiven, aber verwöhnten und selbstgefälligen Jungen einen echten Mann machen, Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die Cheri abbricht, um sich durch die Hochzeit mit einer reichen Frau seine Zukunft zu sichern. Glück findet er dadurch nicht, und schon bald zieht es Cheri zurück zu Léa.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*