KRITIK

Che – Revolución

Che - Revolución In Miami haben die Exilkubaner vor dem Kino demonstriert, bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes haben die Kritiker gegähnt. Annähernd viereinhalb Stunden lang folgt der amerikanische Regisseur und Kameramann (!) Steven Soderbergh in seinem zweiteiligen Revoluzzer-Epos „Che“ den dornigen Pfaden des Ernesto Guevara de la Serna – und herausgekommen ist nach Ansicht der einen das unkritische Pendant einer Ernst-Thälmann-Heldensaga, in den Augen der anderen eine überambitionierte Kopfgeburt des Independent-Kinos.

Soderbergh selbst, der nicht im Rufe eines sonderlich humorbegabten Regisseurs steht, sagte auf einer Pressekonferenz, die Zuschauer sollten mit seinem Che „abhängen können“. Das ankuschelnde Psychologisieren und Erklären genregängiger Biopics aber, das habe er sich bewusst gespart. So oder so beweist sein Film zunächst mal, dass dieser als T-Shirt-Ikone mit Bart und Barett millionenfach reproduzierte Arzt aus Argentinien bist heute vor allem eines ist: eine Projektionsfläche.

Es stimmt schon, Soderbergh zeigt seinen Che als Unbeirrbaren, dem nie Zweifel an seiner Mission kommen. Aber von Glanz und Glorie des Guerillakampfes gibt es keine Spur. Stattdessen rau-dokumentarisch wirkende, in der Chronologie springende Szenen eines Umsturz-Projektes. Im ersten Teil, „Revolución“, in den Soderbergh auch ein nachgestelltes Che-Interview und eine Rede des späteren kubanischen Wirtschaftsministers vor der UNO montiert hat, sieht man dem Pin-up-Boy der Linken vor allem bei der mühsamen Aufbauarbeit seiner Untergrundarmee in den Bergen der Sierra Maestra zu.

Der großartige Benicio Del Toro (Preis als „Bester Darsteller“, Cannes 2008) spielt diesen Che als rauchenden Asthmatiker mit pfeifendem Atem und dem eisernen Willen, die Batista-Diktatur auf Kuba zu stürzen. Zum höheren Zwecke werden Verräter erschossen, Kinder rekrutiert, taktische Fehler debattiert, Macht- und Macho-Posen geprobt. Die Truppe um Che und Comandante Fidel Castro mag sich ihrer Sache sicher sein, der Zuschauer aber verliert die Illusionen über das Heroische der Revolution. Auch wenn diese Etappe der Erzählung dreihundert Kilometer vor Havanna in der Gewissheit endet, einen großen Sieg errungen zu haben.

Einmal, zu Beginn, stehen Che und Fidel Castro auf einem Balkon in Mexiko, wie Partygäste, die kurz zum Rauchen verschwunden sind, und schütteln selbst den Kopf über den Wahnsinn ihrer bevorstehenden Unternehmung. Wie Soderbergh da die Weltpolitik ins Persönliche zurückführt, das ist große Kunst und erzählt viel darüber, wie Geschichte gemacht wird.



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INHALT

Am 26. November 1956 gelangt Fidel Castro zusammen mit achtzig Rebellen nach Kuba. Einer von ihnen ist Ernesto "Che" Guevara, ein argentinischer Arzt, der mit Castro das Ziel teilt, die korrupte Diktatur von Fulgencio Batista zu stürzen. Che erweist sich als ein unverzichtbarer Kämpfer, der die Kunst des Guerillakrieges rasch meistert. Wegen seines großen Einsatzes im Kampf wird er von seinen Kameraden und der kubanischen Bevölkerung schnell akzeptiert und verehrt. Der Film folgt Ernesto Guevaras Weg während der kubanischen Revolution und zeigt seinen Aufstieg vom Arzt zum Kommandeur und schließlich zum Helden der Revolution.
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