KRITIK

Che – Guerilla

Che - Guerilla Steven Soderbergh hat die Erfahrung gemacht, so erzählte er unlängst in einem Interview, dass sein zweiteiliges, über vierstündiges Che-Guevara-Epos nur dort ein Erfolg wurde, wo die lange Fassung gezeigt wurde, also beide Teile hintereinander zu sehen waren.

Das leuchtet ein, denn die Dramen „Revolucion“ und „Guerilla“ fügen sich erst im Zusammenspiel zu einem Revoluzzer-Porträt voller Tragik und Widersprüchlichkeit. Einzeln betrachtet sind es gegen jede Konvention verstoßende Biopics, die einen leicht ratlos zurücklassen. Was will Soderbergh erzählen? Befeuert er den Mythos Che, stößt er die Ikone vom Sockel oder zeigt er als Unparteiischer den Weg eines Unbeirrbaren?

Das sind Zweifel, die auch zu Beginn von „Che – Guerilla“ noch im Raum stehen, nachdem der erste Teil uns 300 Kilometer vor Havanna bloß in dem vagen Gefühl entlassen hatte, die gerechte Sache könne siegen. Nun aber, nach einem Zeitsprung ins Jahr 1967, folgt der Regisseur seinem Helden wiederum mit irritierender emotionaler Distanz auf den dornigen Pfad der Weltverbesserung, diesmal nach Bolivien. Was will er dort? Je länger der Leinwand-Kampf des Ernesto Guevara andauert, desto klarer wird, dass Soderbergh uns auf die Frage nach der Motivation seines Protagonisten – und auch nach seiner eigenen – keine Antwort geben wird, geben will.

Sein akribisch recherchiertes, von dokumentarischer Detailwut getriebenes Projekt verhandelt im Gegenteil die Unmöglichkeit, Geschichte dramaturgiegerecht aufzuarbeiten. Aber die Aussichtslosigkeit, ja Sinnlosigkeit, die Ches Bolivien-Exkurs zu überschatten beginnt, die beginnt einen ganz existenziell zu packen. Der große Argentinier, den der fantastische Benicio Del Toro als zunehmend gezeichneten Idealisten mit pfeifendem Atem spielt, wirkt bald wie eine Figur aus einer griechischen Tragödie oder auch aus Heiner Müllers Drama „Der Auftrag“, das ja ebenfalls von der Vergeblichkeit erzählt, die Revolution zu exportieren.

Guevara, von dessen erfolgreichem Wirken als Industrieminister auf Kuba wir nichts erfahren, scheint von allen guten Geistern verlassen worden zu sein auf seinem Weg durch den bolivianischen Dschungel – weder die Bauern noch die Kommunistische Partei ziehen mit bei seinem Versuch, einen Flächenbrand des Sozialismus in ganz Lateinamerika zu entfachen, das bolivianische Militär macht Jagd auf ihn, unterstützt von den USA. Ches Mitstreiter und Getreue degradiert Soderbergh dabei zu Statisten, auch Franka Potente hat bloß kurze Auftritte als Tamara Bunke, die berühmte Liebschaft des bärtigen Guerilleros. Der Regisseur konzentriert sich auf Ches einsamen Weg in den Tod und auf das Sterben einer Idee, von der niemand weiß, wie gut sie wirklich war.



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INHALT

Die Reibungen zwischen Fidel Castro und Ernesto "Che" Guevara werden nach Bewältigung der Kubakrise so groß, dass Guevara zur Durchsetzung seines Traums von "zwei, drei, vielen Vietnams" loszieht, um in weiteren Ländern seine Vorstellung von Guerillakrieg durchzusetzen. Nach ignorierten Reden vor der UNO in New York landet er im April 1965 im Kongo, um dort den Befreiungskampf zu steuern, stellt aber schnell fest, dass er in Afrika zum Scheitern verdammt ist. 1966 geht Guevara mit der in Kuba verehrten Tamara Bunke und anderen Gleichgesinnten nach Bolivien, um gegen die vom CIA unterstützten Regierungstruppen vorzugehen.
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