KRITIK

Chanson d´Amour

Chanson d´Amour Alain Moreau ist ein Sänger von der traurigen Gestalt. Er trägt geschmacklose Hemden und ein ledernes Herren-Handtäschchen; er steht Abend für Abend mit seiner Band auf der Bühne von Ballhäusern und Provinzdiskotheken, um die einsamen Herzen beim Paartanz in Stimmung zu bringen und den Sektumsatz mit Schnulzen wie „Aimer la vie“ oder „Pour un flirt“ anzukurbeln.

Moreau ist das, was man gemeinhin Interpret nennt, nicht Künstler. Es ist also kein Wunder, dass die junge Maklerin Marion (Cécile de France) sich am Morgen danach schämt, dem zweifelhaften Charme dieses in die Jahre gekommenen Möchtegern-Aznavour aus einer melancholischen Laune heraus erlegen zu sein. Marion ist die Freundin eines Freundes von Alain und will den „Chanteur de bal“ eigentlich nicht wiedersehen. Allerdings hat sie da die Beharrlichkeit des Mannes unterschätzt, der seine Lieder aus Überzeugung singt.

Gérard Depardieu ist eine Wucht als Moreau, zumal er die perfekte Stimme für die Chansons hat. Es behauptet sich so leicht, dass einer Figur Würde verliehen werde, aber wie der französische Star seinen berührend unmodernen Balladen-Amor die Sehnsucht nach Schwof und Schmusemusik verteidigen lässt und die eigene Unlust am Ruhm dazu, das funkelt vor Grandezza. Denn Xavier Giannolis „Quand j`étais Chanteur“ („Als ich Sänger war“), so der schönere Originaltitel, trotzt dem gesamten Tanztee-Milieu aus synthetischen Klängen und konservierten Gefühlen ungeahnte Größe ab.

Einmal unternehmen Alain und Marion einen Ausflug in die Hügellandschaft der Auvergne, wobei sie nicht etwa von Romantik überwältigt werden. Nein, Alain erzählt seiner amüsierten Geliebten, dass Claude Vorilhon, den es wirklich gibt und der Begründer einer obskuren Klon-Sekte ist, hier angeblich seine erste Begegnung mit einem Ufo hatte. Und dass auch Vorilhon mal Chansonnier war und auf seinen Schallplatten so schön sonor „Donne-toi“ raunte, „Gib dich hin!“ Es ist eine fremde Welt, in die Giannoli einen hier entführt. Und man muss sie einfach lieben.



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INHALT

Alain tritt in gewagten Sakkos und mit blonden Strähnchen als Schnulzensänger in der Provinz auf und sorgt auf Firmenfeiern für Stimmung. Er hat eine treue, ältere, weibliche Anhängerschaft , trotzdem fühlt er sich einsam. Bis er eine junge Immobilienmaklerin trifft und sich verliebt. So lässt er sich, obwohl ein Nomadenleben führend, eine Wohnung und ein Haus nach dem anderen zeigen...
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Eure Kritiken zu Chanson d´Amour

  1. faininger

    Kaum eine Rezension, die diesen Film nicht lobend erwähnt, umschmeichelt und anpreist. Entsprechend fassungslos denke ich an gestern abend zurück, als ich – eingekeilt inmitten einer vollbesetzten Sitzreihe – dieses Filmchen in nicht enden wollender Länge ertragen musste. Was ich da sah, kann ernsthaft nur als Versuch gewertet werden, Depardieu als Sänger aufzubauen und für ihn eine zweite Karriere als Chansonier vorzubereiten. Zu mehr taugt der Film nicht. Das liegt vor allem an der lebensfremd konstruierten, klischeüberladenen Geschichte und den belanglosen, teilweise schmerzend flachen Dialogen. Dieser Film hat schlichtweg nichts zu Sagen und zu Erzählen. Stattdessen wird sehr viel gesungen oder wortlos und bedeutungsschwer umhergeblickt. Wie anrührend. Manchen reicht so etwas aus, um einen Hauch von Melancholie und Tiefgründigkeit verspüren zu glauben. Allen anderen sei von diesem Film dringend abgeraten.

  2. Manu

    Ich kann meinem Vorredner/ -schreiber nicht beipflichten. Ich finde, Chanson.. ist ein handwerklich gut gemachter Film. Nicht das, was man „großes Kino“ nennt, aber wer sich in der Welt des konformen Zwangs-Entertainments sein autonomes Innenleben und seine ureigenen Phantasien bewahrt hat, findet hier genügend Anregungen zum Nachdenken, Erinnern und Träumen.

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