KRITIK

C`est la vie – So sind wir so ist das Leben

C`est la vie - So sind wir so ist das Leben Fünf Familienmitglieder, fünf Tage der Entscheidung: Das ist das Strukturprinzip dieses Films. Der französische Regisseur Rémy Bezancon erzählt darin von all dem, was das Alltägliche so unerbittlich an Hochs und Tiefs hervorbringt, vom Erwachsenwerden und vom Loslassenmüssen, von Liebe und Enttäuschung, von Glück und Freiheit und auch vom Tod. Doch zur Seifenoper gerät ihm das dabei nie – dafür sorgen schon der clevere Aufbau und die durchweg hervorragenden Schauspieler.

Für jeweils knapp zwanzig Minuten fokussiert Bezancons Film auf eins der fünf Familienmitglieder und schildert dabei fünf Tage aus einer Zeitspanne von zwölf Jahren: Der ältere Sohn, der 1988 aus dem Elternhaus auszieht und später als Schönheitschirurg unglücklich wird. Der jüngere Sohn (Marc-André Grondin aus „C.R.A.Z.Y.“), der vom Slacker zum Weinkenner avanciert.Die Tochter (Déborah Francois aus „LEnfant“), die nach einer Liebeskatastrophe eine Rebellenphase durchmacht. Die Mutter, die sich zu kurz gekommen wähnt und einen zweiten Frühling durchlebt. Und der Vater, mit stiller Überforderung ausgestattet von Jacques Gamblin aus „Holy Lola“, der mit sehr finalen Fragen konfrontiert wird. Bezancons Episoden aus dem Familienleben sind gespickt mit starken Nebenfiguren, kombinieren die wiedererkennbaren Absurditäten des Lebens mit melancholischen Momenten des Innehaltens, schaffen mühelos den Bogen vom Aufbruchsglück zum Momento mori. Und sogar für einen Luftgitarrenwettbewerb findet sich in diesem Szenario noch Platz.

Nur die Frage danach, warum französische Filme von deutschen Verleihern in brutaler Regelmäßigkeit entweder ein „Paris“ oder eine Klischee-Wendung (wie eben „Cest La Vie“) in den Titel geschmuggelt bekommen, bleibt auch diesmal wieder offen. Der ebenso tiefgründige wie unterhaltsame Film, der in diesem Jahr übrigens drei Césars erhielt, heißt übersetzt nämlich: „Der erste Tag vom Rest deines Lebens.“ Und das triffts mal wieder viel besser.



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INHALT

An einem Tag im August 1988 zieht der älteste Sohn aus und in ein winziges Appartement über der Wohnung des Großvaters. Fünf Jahre später feiert die Tochter ihren 16. Geburtstag und zankt sich mit der Mutter. An einem Sommertag 1996 verlliert sich der jüngste Sohn in Fantasien. 1998 muss sich die Mutter klar werden, wie es um ihre Ehe steht, ob es sinnvoll ist die Tochter zu imitieren statt zum eigenen Alter zu stehen. An einem Tag im Jahr 2000 schließlich merkt der Vater, der sich als Versager fühlt, dass jeder Tag, "der erste Tag vom Rest deines Lebens" ist.
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Eure Kritiken zu C`est la vie – So sind wir so ist das Leben

  1. Ditta

    Wieder einmal so ein toller Film aus Frankreich. UNterhalten lassen, zuhören und sich anschließend wohlfühlen.

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