KRITIK

Carol

Bild (c) DCM Film.

Bild (c) DCM Film.

Erst wenige Jahre vor ihrem Tod bekannte sich die große Krimiautorin Patricia Highsmith zu „Salz und sein Preis“, ihrem lesbischen Liebesroman, den sie sich 1952, mit Anfang dreißig, nur unter Pseudonym zu veröffentlichen getraut hatte: Zu repressiv war in der amerikanischen Nachkriegszeit das gesellschaftliche Klima. Über 60 Jahre später Jahre hat Todd Haynes das Buch kongenial verfilmt – als Pas de Deux zweier fantastischer Schauspielerinnen und als Hommage an die großen Melodramen von Douglas Sirk aus eben jenen 50er Jahren.

In „Carol“ verfällt die junge Kaufhausverkäuferin Therese (Rooney „Lisbeth Salander“ Mara) der Titelfigur, einer mondänen Society-Dame (Cate Blanchett): Ihr Erstkontakt im Adventstrubel einer Spielzeugabteilung, eine Stimm-, Augen- und Gesten-Choreographie des uneindeutig Eindeutigen, gerät zur unvergesslich schönen Kennenlernszene. Über Silvester verreisen sie gemeinsam, das Road Movie wird zur Romanze, doch Carols Noch-Ehemann will die „unsittliche“ Beziehung ausnutzen, um der Abtrünnigen das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter zu entziehen. Es kommt zur Trennung.

Szene_CarolHaynes („Velvet Goldmine“) inszeniert das ebenso stil- wie geschmackssicher, als Spiel der Gesten, Blicke und Zeichen, mit Gespür für die perfekte Balance aus Überhöhung und Distanz. Sandy Powells Kostüme sind makellos, Carter Burwells musikalische Themen nie zu gepflegt. Doch all das wäre nichts ohne die beiden grandiosen Schauspielerinnen: Cate Blanchett, die in Haynes´ letztem Film „I´m Not There“ Bob Dylan spielte, lässt es unter Carols souverän-minimalistischer Kontrolliertheit staunenswert beben und brodeln – besser war sie noch nie. Und Rooney Mara, die in Cannes als beste Darstellerin prämiert wurde, spielt auf Augenhöhe. Eigentlich erzählt „Carol“ die Geschichte ihrer Emanzipation – vom unsicheren Ladenmädchen zur Künstlerin mit Haltung. Eins ist dies auf jeden Fall: das Melodram des Jahres. Herausragend.

 

 

Kritikerspiegel Carol



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
10/10 ★★★★★★★★★★ 


Lida Bach
filmfutter, titel-magazin.de, etc.
10/10 ★★★★★★★★★★ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Durchschnitt
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


 

Weitere Noten zu aktuellen Filmen im Kino findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 



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Eure Kritiken zu Carol

  1. Tine

    Ein unfassbar „schöner“ Film, in Ausstattung, Kamera, Schauspielkunst und als Zeitdokument.
    Trotzdem lies er mich recht kalt. Trotzdem fand ich ihn herausragend. Verwirrend.

  2. Danke für deine Kritik, Tine!

    Wirklich verwirrend, dass dich dieser Film kalt ließ. Man denke nur an das „Verbotene“ in dieser gleichgeschlechtlichen Bezeihung zu der Zeit. Ein „Aufeinandertreffen“, das sehr oft durch und hinter einem Fenster (Raum, „Gefängnis“?) beobachtet wird. Ich fand ihn auch deshalb herausragend.

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