KRITIK

Captain Phillips

Captain_P_HauptplakatUm die Außenwirkung der USA ist es derzeit mal wieder nicht zum Besten bestellt. Doch während die Umfragewerte und die Reputation für Obama, seine Administration und mutmaßlich vogelwild handelnde assoziierte Organisationen rapide schrumpfen, bleibt ein Mann aufrecht stehen. Und damit ist keiner der üblichen Actionhelden gemeint, sondern everybody´s darling Tom Hanks, der unlängst nicht nur zum liebenswertesten Kerl Hollywoods gewählt wurde, sondern auch zur vertrauenswürdigsten Person Amerikas, weit vor Michelle und Barack Obama und allen anderen Repräsentanten der politischen Klasse.

Dieses Image spiegelt sich auch in Hanks´ überzeugendster Rolle seit Jahren maßgeblich wider. Sein „Captain Phillips“ ist kompetent, pflichtbewusst, souverän, auch ein „nice guy“, wie ihn Hanks all die Jahre immer wieder verkörpert hat, aber diesmal mehr noch ein „leader“, ein Mann, der sich vor seine Crew stellt und mit kühlem Kopf Entscheidungen unter größtem Druck trifft. Diese Geradlinigkeit und Bestimmtheit hat man bei Hanks so noch nicht gesehen und sie ist gemeinsam mit einer überaus berührenden Schlusssequenz genügend Anlass dafür, dass er erstmals seit „Cast Away“ vor dreizehn Jahren für den engeren Kreis der Oscar-Anwärter in Betracht kommt.

Ebenso straight, wie Hanks seine Rolle interpretiert, ist der gesamte Film, der den Angriff somalischer Piraten auf ein US-Handelsschiff minutiös und mit größter Präzision abspult und dabei konsequent die Spannungsschraube anzieht. Regisseur Paul Greengrass verzichtet dankenswerterweise auf das Schnitt-Stakkato seiner „Bourne“-Verfilmungen, sondern variiert das Tempo dank eines klugen Montagekonzepts und einer Dramaturgie, die sich nicht in Nebenschauplätzen verliert, sondern immer hautnah bei den Hauptfiguren bleibt und weder für Pathos noch für Sentimentalitäten Raum lässt. Die zweite Hälfte des Films, wenn der Schauplatz des Tankers gegen ein Rettungsboot getauscht wird und die Atmosphäre zunehmend klaustrophobischer und hysterischer wird, fällt zwar leicht gegen den überaus zwingenden ersten Teil ab, dennoch bleibt „Captain Phillips“ durchweg ein ungemein packender Hijacking-Thriller, in dem die politische Brisanz anklingt, jedoch nie instrumentalisiert wird. Ein reifes Werk von – überwiegend – Männern, die wissen, was sie tun und was sie können.

  



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