KRITIK

Cake

Bild (c) 2015 Warner Bros. Germany.

Bild (c) 2015 Warner Bros. Germany.

Wer jahrelang in einer der erfolgreichsten Sitcoms aller Zeiten sowie unzähligen romantischen Komödien mitspielte, hat es naturgemäß schwer, sich vom Ulknudel-Image zu lösen. Jennifer Aniston, die als Rachel in „Friends“ zu weltweitem Ruhm kam, kann ein Lied davon singen: Der Sprung ins vermeintlich ernste Fach ist ihr auch eine Dekade nach dem Ende der Serie nicht gelungen.

Womöglich hat sie mit „Cake“ genau deshalb diese Rolle angenommen. In einem Drama, in dem sie so ziemlich das genaue Gegenteil dessen verkörpern kann, was sie bislang in all den mehr oder weniger gelungenen romantischen Komödien abrufen durfte: eine Leidensfrau, ächzend, schreiend, um Luft ringend. Claire Bennett, die Aniston spielt, ist an Leib und Seele so versehrt, dass man kaum hinschauen mag.

Szene_CakeEin schrecklicher Unfall, dessen tragische Umstände in Rückblenden nur fragmentarisch enthüllt werden, hinterließ Claire vernarbt, gequält, schmerztablettenabhängig und sehr allein. Wer ihr helfen will, den verprellt sie mit bitterem Zynismus. Selbst von ihrer Selbsthilfegruppe wird sie rausgeschmissen. Nur die mexikanische Haushälterin (stark: Adriana Barraza) lässt sich nicht vertreiben. Und dann ist da noch der Witwer jener Mitpatientin (Anna Kendrick aus „Into the Woods“), die sich kurz zuvor das Leben nahm. In ihm scheint sie einen Bruder im Schmerz zu finden: Langsam bricht ihr Panzer auf.

Viel geschieht nicht in dieser spröden Seelenstudie. Regisseur Daniel Barnz, bekannt für den klebrigen Teen-Schmonz „Beastly“, inszeniert sie in fahlen, leider wenig aufregenden Bildern. Auch wenn er dabei die Klischees weitgehend umschifft, mit denen therapeutische Filme wie dieser sonst unausweichlich operieren, folgt er letztlich doch einem bekannten Muster.

So bleibt „Cake“ vor allem ein Präsentierteller für Aniston, die auch endlich mal als dramatische Tragödin wahrgenommen werden wollte. Für eine Golden-Globe-Nominierung hat das, immerhin, gereicht.

 

 

 



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INHALT

Claire Bennett (Jennifer Aniston) leidet. Ganz offensichtlich erträgt sie ständig physische Schmerzen – das wird deutlich durch ihren von Narben übersäten Körper und durch ihre Haltung – sie stöhnt bei jedem zögernden Schritt. Aber auch ihren emotionalen Schmerz kann sie schlecht verbergen: Ihre Direktheit grenzt an handfeste Beleidigungen, fast in jeder Äußerung bricht die Wut aus ihr hervor. Auf diese Weise hat sie ihren Ehemann und alle Freunde vertrieben – sogar von ihrer Schmerzsyndrom-Selbsthilfegruppe wird sie ausgeschlossen. In ihrem einsamen Leben hat Claire nur noch Kontakt zu ihrer Haushälterin/Betreuerin Silvana (Oscar-Kandidatin Adriana Barraza), die sich widerwillig mit Claires Alkohol- und Medikamentenkonsum abfindet. Doch dann begeht Nina (Oscar-Kandidatin Anna Kendrick) Selbstmord – sie gehörte zu Claires Selbsthilfegruppe. Daraufhin entwickelt Claire eine neue fixe Idee: Obwohl sie Nina kaum kannte, beginnt sie deren Todesfall zu untersuchen und gerät so in die Grauzone zwischen Leben und Tod, Isolation und Herzschmerz, Gefahr und Erlösung. Dass sie sich ins Leben von Ninas Mann (Sam Worthington) und Sohn drängt, könnte für Claire tatsächlich die Rettung bedeuten. (Text: Warner Bros. Germany 2015)
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