KRITIK

Cairo Time

Filmplakat Cairo TimeAufruhr auf dem Tahrir-Platz, Mubarak im Krankenbett vor Gericht: Das sind die Bilder, die man derzeit mit Kairo verbindet. Wer sich jedoch die – bereits zwei Jahre alte – Liebesgeschichte „Cairo Time“ anschaut, wähnt sich in einem Land vor unserer Zeit: Von Revolutionen, Demonstrationen, Tumulten keine Spur. Auch gibt es keinerlei Seitenblicke in eben jene Umstände, die für den Regimesturz ursächlich waren – Korruption, Filz, Armut und dergleichen. Gepflegt wird ein dezidiert touristischer Blick. So gesehen ist „Cairo Time“ ein Film von vorgestern. Eigentlich.

Nimmt man ihn aber – gerechterweise – als Kulturprodukt von 2009, hat das Werk der kanadisch-arabischen Regisseurin Ruba Nadda („Sabah“) durchaus seine Meriten. Erzählt wird die scheue Romanze, die sich in Kairo zwischen der amerikanischen Diplomatengattin Juliette und dem Kaffeehausbesitzer Tareq, Freund ihres im Gazastreifen festsitzenden Ehemanns, entspinnt.

Szene aus dem Film Cairo Time

Szene aus Cairo Time (Bild: Alamode Filmverleih)

Das geschieht ohne grelle sentimentalisierende Effekte, mit vornehmer Zurückhaltung, als halbtragische Annäherung zweier älter werdender Menschen aus gegensätzlichen Kulturen. Die großartige Patricia Clarkson (die eine ähnliche Figur, in anderem Tonfall, schon in Woody Allens „Vicky Cristina Barcelona“ spielte) und Hollywoods derzeitiger Lieblings-Araber Alexander Siddig („Miral“, „Syriana“) spielen das mit Würde, Charme und auch Witz.

Allerdings: Kairo! Die Sehenswürdigkeiten der ägyptischen Hauptstadt werden der Reihe nach in von güldenem Licht umkränzten Reiseführerbildern abgelichtet, die Szenerie bleibt ungetrübt sowohl von Dreck als auch Touristen, dazu klimpert mal wieder reichlich überflüssige Kitschmusik (Musik: Niall Byrne) auf der Tonspur. Fast scheint es so, als sei der Film zur Förderung der seit der Revolution darbenden ägyptischen Tourismusbranche nachträglich ins Kino gehoben worden. Selbst wenn: Es wäre für einen guten Zweck. Und Schlimmeres gibt es auch, als Patricia Clarkson beim Urlauben zuzusehen.

 



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INHALT

Drei Wochen Urlaub hat sich die Modejournalisten Juliette (Patricia Clarkson) genommen, um ihren Mann Mark in Kairo zu besuchen. Doch unerwartet wird Mark, der für die UN in Gaza arbeitet, im Krisengebiet aufgehalten. Stattdessen empfängt sie sein ägyptischer Freund Tareq am Flughafen. In den folgenden Tagen wartet Juliette vergeblich auf ihren Mann. Sie beginnt, allein durch die Stadt zu spazieren. Doch auch für eine emanzipierte und elegante Frau wie sie, ist es nicht einfach, Kairo ohne Begleiter zu erkunden. Daher sucht sie Tareq im Kaffehaus auf. An seiner Seite lernt sie die antike Schönheit und den orientalischen Zauber Kairos kennen. Und bald sieht sie in dem charmanten Tareq mehr als nur einen freundlichen Begleiter.
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