KRITIK

Caché

Caché

Michael Haneke hat mal wieder einen Film gemacht. Und bevor der in Deutschland überhaupt anläuft, hat er bereits den europäischen Filmpreis in mehreren Kategorien gewonnen. Unter anderem als „bester europäischer Film des Jahres“. In Cannes wurde er ebenfalls gefeiert. Weil nun aber der Österreicher Haneke dem französischen Film verbundener ist als dem österreichischen und der Film, obwohl eh eine Koproduktion von vier Ländern, auf Französisch gedreht ist, wurde er als Auswahl für den Auslandsoscar, Abteilung Austria, kurzerhand wieder herausgekickt.

Zur Sondervorführung vor dem offiziellen Start in Deutschland war der frankophile Kölner Bildungsbürger vollzählig angetreten. Will sagen: Das Interesse war sehr groß und die Kinovorstellung lange im voraus ausverkauft. –
Der frankophile Kölner Bildungsbürger ist übrigens in der Mehrzahl weiblich, genießt vor dem Filmstart gerne noch etwas klassische Musik im Kino und hätte lieber ein Glas Rotwein statt das obligatorische Bier dazu.

Michael Haneke soll ein sehr lustiger Mensch sein. So erzählte es jedenfalls sein österreichischer Produzent, Dr. Veit Heiduschka, nach dem Film. Kaum zu glauben, wenn man die immer wieder irritierenden und verstörenden Filme des
Regisseurs sieht. Haneke verdanken wir unter anderem einen quälenden Streifen
wie „Die Klavierspielerin“. Dafür, dass er den Roman der Elfriede Jelinek seinerzeit eigentlich gar nicht verfilmen wollte und bis heute damit nicht glücklich ist (was man so hört), passt der Film über menschliche Seelenabgründe
aber sehr gut in das Gesamtwerk von Haneke.

„Caché“ ist wieder so ein sperriges Ding. Eines, das Kino als Kunstform und nicht als bloße Unterhaltung verstanden wissen will. Der viel Geduld erfordernde Vorspann ist symptomatisch für den Rest: Statische Kamera, keine Musik und minutenlange triste Einstellungen ohne Schnitt und Schwenk. Da muss man durch. Und wird belohnt mit einem sauspannenden Film, vordergründig als
Thriller getarnt, um lange verborgene („caché“) Lügen und Geheimnisse eines populären TV-Buchkritikers.

Die Angst kehrt ein im Haus des Ehepaares Laurent (sehr gut gespielt von Juliette Binoche und Daniel Auteuil) und schon bald bröckelt die Fassade. Denn
jeder hat so seine Leichen im Keller. Aber Haneke wäre nicht Haneke, wenn das klassische „Who dunnit“ letztlich nicht völlig unwichtig wäre. Stattdessen rückt gehörige Kritik an der Allmacht der Bilder in den Vordergrund. Um dem Zuschauer aber zumindest einen möglichen Ansatz zu des Rätsels Lösung zu geben, wird empfohlen, die Schlusseinstellung sehr, sehr sorgfältig zu
beobachten. Mit allen anderen Fragen bleibt der Zuschauer nach Filmende und Schließen des Vorhanges zurück. Die eigenen grauen Zellen sind gefragt. Ein herausragender Film. Zur Zeit inszeniert Haneke in Paris Don Giovanni. Mal ganz etwas Anderes.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Anonym werden dem Fernsehmoderator Georges Laurent Videoaufnahmen, in denen seine Wohnung zu sehen ist, und Bilder eines Jungen mit blutendem Mund zugespielt. Beflügelt von Erinnerungen aus seiner Kindheit, in der er den algerischen Jungen Majid mit falschen Anschuldigungen vom heimischen Hof trieb, reagiert Georges zunehmend aggressiv - zumal ihn eines der Bänder vor die Haustür von Majid führt, der allerdings seine Unschuld beteuert.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Caché

  1. Udo

    Sperriges Ding?Michael Haneke, dieser witzige Österreicher, der lieber ein Franzose wäre (oder liegt es doch nur an der „größeren“ fanz. Filmindustrie?), zerpflückt hier wieder einmal ein Konstrukt und blickt dann in die seelischen Abgründe? Sperrig? Ja, sperrig ist sein neuestes Werk, weil es keinen erkennbaren Lösungsansatz bietet, wenn er hier denn überhaupt vonnöten ist. Ich stimme der Autorin überein, dass der Film viele Fragen aufwirft.

    Aber das ist großes Kino – großes Kopfkino. Vor allem durch die schausp. Leistungen der Protagonisten, hat hier Haneke ein Meisterwerk geschaffen, dass seinen Platz in einer frei gewordenen Lücke der Filmgeschichte gefunden hat. Klasse. Ich werde diesen Film mit Sicherheit nicht das letzte Mal gesehen haben.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*