KRITIK

Burn after Reading

Burn after Reading Es beginnt, wie es sich für eine Geschichte über Spionage gehört, mit einem Gespräch hinter verschlossenen Türen. Der CIA-Experte Ozzie Cox (John Malkovich) wird zum Krisengipfel geladen, bei dem es allerdings nicht um internationale Verwicklungen geht, sondern um ihn selbst. Ob er ein Alkoholproblem habe, wird Cox gefragt. Und zwischen seinem empörten Leugnen und jener Szene, in der er sich als frisch gefeuerter Privatier einen großen Drink genehmigt, liegt kaum mehr als ein lakonischer Schnitt. Willkommen zurück in der wunderbaren Welt von Joel und Ethan Coen.

Zum ersten Mal haben die Brüder, unlängst Oscar-Abräumer mit „No Country for Old Men“, in Washington gedreht, wo im Schatten des Kapitols die Paranoia blüht. Als ihre Version eines Jason-Bourne-Films bezeichnen die Coens „Burn After Reading“ – was man als weitere satirische Finte ihrer schwarzhumorigen Hobby-Agenten-Story verstehen darf, die reich ist an falschen Fährten und an Erzählsträngen, die fröhlich ins Leere laufen.

Der Clou der Geschichte ist, dass eigentlich nichts passiert, was die Aufregung wert wäre. Nicht allmächtige Geheimdienste ziehen hier die Fäden in hintergründigen politischen Machenschaften, sondern eine Gruppe von Losern – allesamt namhafte Schauspieler – verstrickt sich selbstverschuldet in Affären und Erpressungsversuche.

Tilda Swinton spielt Ozzies scheidungswillige Frau, die eine Liebschaft mit dem Finanzverwaltungsbeamten Harry (George Clooney als hypochondrischer Erotomane) unterhält und durch deren Schuld eine CD mit vermeintlich brisanten Daten in die Hände zweier Fitness-Trainer gerät – verkörpert von der phänomenalen Frances McDormand, die als Angestellte in der Sinnkrise dringend Geld für verschiedene Schönheits-OPs benötigt, und von Brad Pitt, der als albern frisierter Dummkopf und iPod-Junkie eine selbstparodistische Extravaganza hinlegt.

Das aus dem Ruder laufende Rattenrennen dieser Dilettanten-Spione inszenieren die Coens mit gewohnter Freude am menschlichen Versagen. Als satirische Volte werden immer mal wieder die CIA-Oberen eingeschaltet, die wie ein griechischer Chor den Überblick zu behalten versuchen und am Ende ratlos die Moral von der Geschichte verkünden: „Wir lernen daraus, es nicht wieder zu tun. Wenn wir bloß wüssten, was wir eigentlich getan haben.“



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INHALT

Der suspendierte CIA-Agent Ozzie verliert die Disk mit seinen Memoiren in der Umkleidekabine seines Fitnesstudios. Sie landet ausgerechnet in den Händen eines unbedarfter Club-Angestellten und seiner Chefin. Die glauben mit den Top-Secret-Informationen das große Geld erpressen zu können. Doch bald sind den Amateuren eine Menge Profis auf den Fersen.
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