KRITIK

Bücherdiebin, Die

Bild (c) 2013 Twentieth Century Fox.

Bild (c) 2013 Twentieth Century Fox.

Der Tod trägt die Stimme des Berliner Schauspielers Ben Becker, melancholisch onkelt er aus dem Off. Sein Märchen sieht wie frisch gestrichen aus, wie in einem alten Weihnachtswerbespot für Coca Cola. Das finstre Land in finsteren Zeiten ist das Deutsche Reich, vor und während des Zweiten Weltkriegs. Ein Mädchen namens Liesel, verlassen von der Mutter, findet Zuflucht in der bayrischen Provinz. Die Hubermanns, ihre Pflegeeltern, verstecken unter ihrer rauen Schale ein humanistisches Herz – und im Keller einen Juden. Und das goldhaarige Mädchen mit den großen Augen liest ihm Weltliteratur vor. Hach!

Natürlich ist prinzipiell nichts dagegen zu sagen, von der Nazi-Zeit im Märchentonfall zu erzählen. Es ließen sich auf diese Weise die unterschiedlichsten Effekte erzielen, satirische, subversive, vielleicht nur pädagogische – schließlich gewann die Vorlage zu diesem schlichtmütigen Erbauungsdrama, Markus Zusaks „Die Bücherdiebin“, zurecht den Deutschen Jugendbuchpreis.

Doch der geschätzte „Down­ton Abbey“-Regisseur Brian Percival verwandelt den Roman lediglich in ein ungeniert kitschiges, emotional manipulatives Rührstück. Die Uniformen, Flaggen, Frisuren, selbst die Spuren der Zerstörung sehen dabei noch zurechtgemachter aus als in derlei Filmen ohnehin üblich. Die Kinder glänzen goldig wie in einer Margarine-Reklame, es schneit wie in der Schneekugel: Nichts darf diese in ihrer Korrektheit unanfechtbare Moralfabel bei der Entfaltung stören.

Szene_BuecherdiebinSo lernt also Liesel (Sophie Nélisse) bei ihren Pflegeeltern (Geoffrey Rush und Emily Watson) das Lesen. Bald stiehlt sie Literatur aus der Villa des Bürgermeisters oder bei Bücherverbrennungen. Die Bücher führen sie in die Dissidenz, sie überschreibt Hitlers „Mein Kampf“ mit Tagebucheinträgen. Drumherum liegt unter Zuckerguss eine Weichzeichner-Welt aus dumpfen Nazis und lauter heimlichen Widerständlern. Eine Welt, von der man sich wünschen darf, dass es sie gegeben hätte, mit Kindern wie Liesel, die auf dem Felde vor der Stadt „Ich hasse Hitler!“ in die Gegend schreien.

Liesels Erweckung durch Literatur bleibt dabei bloße Behauptung, wie sowieso alle Zwischentöne vom Bombast-Score des „Star Wars“-Komponisten John Williams überdröhnt werden. Selbst Ben Becker, der müde Tod, kommt kaum dagegen an. Wenig erbaulich.

 




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