KRITIK

Buddenbrooks

Buddenbrooks „Ich glaube, wir müssen zur Extraktion schreiten“, sagt der Zahnarzt. Und Thomas Buddenbrook sagt: „Schreiten wir.“ Keine gute Idee, wie sich zeigen wird. Die wesentlich bessere Idee war es, dass Heinrich Breloer nach umfassender filmisch-dokumentarischer Beschäftigung mit dem Mann-Klan nun auch noch die „Buddenbrooks“ verfilmt hat.

Denn das sind 150 Minuten detailverliebte Ausstattungsorgie, ungezählte Zylinder und unentwegtes Treppensteigen im nachgebauten Buddenbrooks-Haus, besetzt mit tollen Darstellern (im deutschen Kinofilm muss man heutzutage ja schon froh sein, wenn man es mal mit richtigen Schauspielern zu tun hat). Der Überlänge-Film ist kein Stück langweilig, Breloer hat mit sicherem Gespür die richtigen Szenen aus Thomas Manns Mammutwerk herausgelöst.

EIn bisschen schade ist nur, dass so viele Szenen mit Musik (Hans-Peter Ströer) geradezu zugeklebt werden. Das ist zwar Trend, muss aber gar nicht sein und kann sogar, wie hier, mehr stören als helfen.



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INHALT

Lübeck in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die alteingesessene Kaufmannsfamilie von Konsul Jean und Konsulin Bethsy Buddenbrook hat im Getreidehandel über Generationen ihr Glück gemacht und genießt mit ihren drei Kindern Thomas, Christian und Tony das Leben in einer aufstrebenden Wirtschaftsmetropole. Das Private ist untrennbar mit dem Geschäftlichen verbunden, Familie und Firma sind eins. Als Konsul Jean stirbt, beginnt der Stern der Buddenbrooks langsam zu sinken, und ein bewegendes Familienschicksal nimmt seinen Lauf.
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Eure Kritiken zu Buddenbrooks

  1. Udo

    Leider in der Tat eine nur mäßige Umsetzung des Mann Romans. das liegt nicht an den Darstellern, sondern der Film hat schlichtweg keine Aura, kein Zentrum. Vielleicht hätte sich Breloer ein-zweimal die viel besseren Romanverfilmungen „Wiedersehen in Howards End“ oder „Gosford Park“ ansehen sollen.

  2. Stoerer

    Auch Breloers Buddenbrooks ist als Zweiteiler für eine spätere TV-Ausstrahlung angelegt. Und dementsprechend rieselt aus den aufwendig nachgebauten Decors, den bis in die letzte Faser historisierten Kostümen, dem namhaft zusammengestellten Schauspielerensemble der Staub der Biederkeit, der die meisten Eventmovies der Fernsehverantwortlichen seit geraumer Zeit bedeckt.

    Eine auf ihre Wendepunkte filetierte Geschichte, ein bisschen Gefühlsdrama, ein bisschen Wirtschaftskrimi, alles auf den größten gemeinsamen Nenner des idealen Durchschnittszuschauers nivelliert. So wird die Fernsehcouch zum Kinosessel und der Kinosessel zur Fernsehcouch. Mit einer selbstbewussten, mit ihren genuin filmischen Möglichkeiten wuchernden Literaturadaption hat das wenig zu tun.

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