KRITIK

Buddenbrooks

Buddenbrooks „Verstand und Gefühl, beides braucht die Kunst!“, heißt es einmal in dieser „Buddenbrooks“-Verfilmung, und das ist natürlich ein so schöner wie stimmiger Satz. Regisseur Heinrich Breloer, der sich mit dem Mehrteiler „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ einen Ruf als Kenner der Familie erworben hat, versucht ihn selbst zu beherzigen. Und die schon mehrfach adaptierte Vorlage bietet ihm da ja überreichlich Stoff.

Thomas Manns Schlüsselroman über den Untergang einer Lübecker Kaufmannsdynastie, deren Geschicke sich in den Umbrüchen der Zeit nach 1848 spiegeln, ist das Schulbeispiel für die viel beschworene Liaison zwischen Politischem und Privatem. Und an der Emotion mangelt es auch nicht bei Breloer. Kabale und Liebe, Vaterhass und Bruderzwist – alles drin. Bloß die gesellschaftliche Dimension dieser Lektion über die Folgen erstarrter Tradition und geschäftlicher Hybris, die wird bei ihm mehr behauptet als beglaubigt.
Der Preis für Kostüm-Glanz und Kulissen-Opulenz ist bei Breloer eine Schablonengeschichte, die aus der Familien-Saga die Seifenoper macht.

Die Buddenbrooks – verpilchert. Man fragt sich oft: Meint er das ernst? Wenn der letzte Geigenstrich eines Kammermusikkonzerts mit dem Höhepunkt in der Hochzeitsnacht gegengeschnitten wird. Wenn es bei jedem unheilvollen Ereignis gewittert, stürmt und hagelt. Es ist Weltliteratur – aber jede Szene wird auf simple Lesbarkeit getrimmt.
Aus dem Korsett dieser Trivialität befreien sich auch die Hauptdarsteller nicht. Ein Armin Müller-Stahl spielt seinen Jean Buddenbrook, wie er auch Thomas Mann in der Breloer-Doku gespielt hat – als in Würde erstarrten Patriarchen. Mark Waschke, als Tom Buddenbrook noch der Beste, ist oft eher Mann ohne Eigenschaften, wo er trauriger Wiedergänger des Vaters sein sollte. August Diehl als Christian mehr hypochondrischer Clown als verlorener Sohn. Jessica Schwarz als Tony flatterhafte Nymphe statt enttäuschte Liebende. Man verlässt sich hier auf große Namen, gibt ihnen aber keinen Raum. Egal ob „Der Untergang“, „Baader-Meinhof-Komplex“ oder „Buddenbrooks“ – woran liegt es bloß, dass der deutsche Film den deutschen Themen nicht gewachsen ist?



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INHALT

Lübeck in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die alteingesessene Kaufmannsfamilie von Konsul Jean und Konsulin Bethsy Buddenbrook hat im Getreidehandel über Generationen ihr Glück gemacht und genießt mit ihren drei Kindern Thomas, Christian und Tony das Leben in einer aufstrebenden Wirtschaftsmetropole. Das Private ist untrennbar mit dem Geschäftlichen verbunden, Familie und Firma sind eins. Als Konsul Jean stirbt, beginnt der Stern der Buddenbrooks langsam zu sinken, und ein bewegendes Familienschicksal nimmt seinen Lauf.
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Eure Kritiken zu Buddenbrooks

  1. Udo

    Leider in der Tat eine nur mäßige Umsetzung des Mann Romans. das liegt nicht an den Darstellern, sondern der Film hat schlichtweg keine Aura, kein Zentrum. Vielleicht hätte sich Breloer ein-zweimal die viel besseren Romanverfilmungen „Wiedersehen in Howards End“ oder „Gosford Park“ ansehen sollen.

  2. Stoerer

    Auch Breloers Buddenbrooks ist als Zweiteiler für eine spätere TV-Ausstrahlung angelegt. Und dementsprechend rieselt aus den aufwendig nachgebauten Decors, den bis in die letzte Faser historisierten Kostümen, dem namhaft zusammengestellten Schauspielerensemble der Staub der Biederkeit, der die meisten Eventmovies der Fernsehverantwortlichen seit geraumer Zeit bedeckt.

    Eine auf ihre Wendepunkte filetierte Geschichte, ein bisschen Gefühlsdrama, ein bisschen Wirtschaftskrimi, alles auf den größten gemeinsamen Nenner des idealen Durchschnittszuschauers nivelliert. So wird die Fernsehcouch zum Kinosessel und der Kinosessel zur Fernsehcouch. Mit einer selbstbewussten, mit ihren genuin filmischen Möglichkeiten wuchernden Literaturadaption hat das wenig zu tun.

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