KRITIK

Brut, Die

Brut, Die Nur allzu leicht als Epigone anderer unterbudgetierter Vertreter des „inner terror“-Films der Spätsiebziger verurteilt, funktioniert „The Brood“ sowohl im Kontext seiner Zeit, als auch heutzutage weniger als typischer Horrorstreifen, denn als durchaus subtile Studie über die psychologischen Auswirkungen einer zerrütteten Ehe auf alle Beteiligten, und die Macht des Bewusstseins.

Vor dem Hintergrund einer real ausformulierten Rache- und Eifersuchtsfantasie des psychologisch Unbewussten, diskutiert David Cronenberg in seiner dritten Langfilm-Regiearbeit nicht nur die ethischen Fragen einer zunehmend visionäreren, aber eben auch tiefgreifenden Medizin-Technologie, sondern umspielt durchaus auch die misogyne Furcht anderer Werke jener Dekade vor den paranormalen Effekten der weiblichen Niederkunft; eine Tatsache, die des Öfteren auch „The Brood“ vorgeworfen wurde, und dementsprechend negativen Widerhall in der amerikanischen Filmkritik gefunden hat.

Dreh- und Angelpunkt bleibt jedoch die Entfremdung zweier Partner und den damit einhergehenden Auswirkungen auf ihren Mikrokosmos, vor allem jedoch auf ihr Kind; Cronenberg entkoppelt dabei die Psyche nicht vom Körper, sondern lässt die Frage offen, ob hier das Unterbewusstsein den Körper und alle Handlungen seiner „Brut“ dominiert, oder ob es sich den exogenen Auswirkungen, die die Therapie evoziert, schlussendlich doch nur unterordnet, und sich mit dem status quo zu arrangieren beginnt.

Trotz seiner mitunter etwas banalen Metaphorik gegen Ende: Gleichermaßen intelligent und substantiell ging es in der weit gefassten Sparte „Body-Horror“ selten zu; von einigen Ausnahmen abgesehen, gewann nur Cronenberg selbst, jenem Themenkomplex in seinen späteren Arbeiten noch weitere und andere Aspekte ab.

Typisch für Cronenbergs Œuvre ist dabei, dass auch „The Brood“ trotz seiner fast ausnahmslos ruhigen Erzählweise und seiner psychologischen Komponente, nach wie vor ebenso als stringent-konventionell inszeniertes Genrewerk funktioniert, und gerade wegen seines Verzichts auf größere Special-Effects-Orgien, auch nach über dreißig Jahren noch erstaunlich zeitlos ist, und seine inhaltliche Aktualität deshalb auch weniger unter der gealterten Visualisierung zu leiden hat, als bei etwaigen filmischen Weggefährten.

Die seltenen Schocksequenzen, haben wenig von ihrer Wirkung eingebüßt; trotz alledem sollte man es vermeiden, „The Brood“ auf jene Mechanismen herunterzubrechen, um nicht eine Enttäuschung zu erleben – denn wie so oft, sucht auch dieser Cronenberg, die Verknüpfung von Erzähl-, und Effektkino; tendiert bei einer Katalogisierung aber stets zu Ersterem.



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INHALT

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