KRITIK

Borat

Borat Einmal ist der kasachische Reporter Borat Sagdiyev bei einer US-Upper-Class-Familie zum Diner eingeladen. Der osteuropäische Mann mit dem buschigen Schnauzbart hat für dieses Essen unter Bürgern und Pfarrern gar Benimmunterricht genommen, und obschon seine Gastgeber etwas irritiert sind, weil er die Wörter „retired“ (im Ruhestand) und „retarded“ (zurückgeblieben) so hartnäckig verwechselt, sind sie doch überzeugt: Dieser Exot könnte binnen kurzer Zeit amerikanisiert werden. Dann allerdings kehrt Borat mit einem Beutel von der Toilette zurück, kurz darauf klingelt seine vorgebliche Freundin, eine schwarze Prostituierte, an der Tür. Und schon erstickt die Höflichkeits-Konversation am Ruf nach der Polizei.

Borat, der radebrechende Exzentriker auf Kulturmission in den Vereinigten Staaten, ist eine Figur des britischen Komikers Sacha Baron Cohen, der hier als Guerilla-Filmer mit versteckter Kamera eine Schneise der Bigotterie-Verwüstung durchs Land schlägt: Demaskierung durch Maskerade. In der Rolle eines Rassisten, Sexisten und Antisemiten konfrontiert Borat seine Gesprächspartner mit den gröbsten Ungeheuerlichkeiten – und erntet erstaunliche Gleichgültigkeit, ja Zustimmung. Vom Waffenverkäufer, der eine 45er zum Schutz vor Juden empfiehlt, vom Gebrauchtwagenhändler, mit dem sich trefflich über die Rammbock-Qualitäten von Geländeautos mit Kurs auf eine Zigeunergruppe fachsimpeln lässt.

Roma und Sinti haben gegen diese radikale Doku-Fiction des jüdischen Brachial-Humoristen Cohen bereits protestiert, auch die kasachische Regierung zeigte sich verstimmt: Stellt Borat sein geliebtes Heimatdorf in einer irrwitzigen Propaganda-Rahmenhandlung doch als friedliches Nest der Hühnerzucht und der Judenjagd vor, preist den Dorfvergewaltiger und seine Schwester, die viertbeste Hure Kasachstans.

In den noch aberwitzigeren Real-Interview-Sequenzen indes desavouieren sich Fundi-Christen und Rodeo-Manager bedenkenlos selbst. Wobei, auch das lässt einem manchmal das Lachen gefrieren, Borat in Deutschland nicht weniger dankbare Gesprächspartner finden würde.



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INHALT

Borat glaubt an sein Kasachstan, an sein Heimatdorf, an die Traditionen des Landes, zu denen Prostitution, Korruption und Waffenschieberei gehören. Vom Innenministerium wird Borat ausgesucht, in die USA zu reisen und dort über die Gebräuche und Gewohnheiten der Menschen zu lernen, auf das sein Kasachstan davon profitieren möge. Bei seiner Reise quer durchs Land erlebt Borat echte Menschen in echten Situationen.
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Eure Kritiken zu Borat

  1. Sneaker

    Viel Aufsehen um einen durchschnittlichen Film. Man muss schon auf die Satire stehen. Borat entlarvt die Hinterwäldler der USA. Manchmal komisch, manchmal eklig, nicht immer meisterlich. Eine durchschnittliche Satire.

  2. Moritz

    Ich fand den Film sehr gut und unglaublich entlarvend. Erschreckend, was Menschen sagen, wenn sie glauben, unter Gleichgesinnten zu sein. Aber auch beruhignd zu sehen, wie geduldig und höflich einige waren. Beim Lachen hatte ich aber trotzdem ein schlechtes Gewissen.

  3. Elli

    Jakshemasch! Film sollte man sich ansehen! Und zwar in OmU. Man verpasst sonst z. B. den Tonfall oder was auch immer. Ich schaue ihn mir wohl noch mal an. Das war ein Highlight! Ein Brüller!

  4. Kritiker

    Für mich wurde der Film viel zu sehr in den Himmel gelobt. Er hatte viel zu viele „Längen“ und war Stellenweise viel zu platt. Gut fand ich eigentlich nur die Szenen, die vorher auch schon im TV zu sehen waren. Hatte mir vom Film eigentlich mehr erhofft! Wenn man ansieht, sollte man ihn sich OmU anschauen, man versteht auch so alles!

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