KRITIK

Bonjour Sagan

Bonjour Sagan Ein Leben wie ein Drehbuch: Françoise Sagan, die als Teenager über Nacht berühmt wurde und mit ihrem Roman „Bonjour Tristesse“ 1958 einer ganzen Generation unverstandener junger Menschen aus dem Herzen sprach, die dann in Saus und Braus lebte und am Ende krank und arm und einsam starb.

Die französische Regisseurin Diane Kurys („Nacht ohne Ende“) hat über diesen ersten „Popstar“ Frankreichs einen brav-biografischen Film gedreht, der das Leben der Autorin Episode für Episode nachvollzieht und sich auf eine herausragende Darstellerin verlassen kann: Sylvie Testud verkörpert Sagan von der Jungliteratin bis hin zur siechen 69-Jährigen erstaunlich zurückgenommen und wirkt gerade durch diese Effektlosigkeit glaubwürdig.

Dabei zerfällt „Bonjour Sagan“ grob in zwei Hälften: Die erste schwelgt in dem Rausch, in den sich die junge Star-Autorin verliert, zeigt die Ausschweifungen und den Künstler- und Jetset-Zirkel, den sie in St. Tropez um sich schart, und die Empörung, die ihr Roman und ihr freizügiger Lebensstil bei den prüden Zeitgenossen hervorruft. Doch schon der Autounfall, der sie mit 21 ins Koma wirft und zum Morphium greifen lässt, lässt Schlimmeres erahnen.In der deprimierenden zweiten Hälfte wird aus Morphium Kokain, aus Reichtum werden Schulden und aus vorgeblicher Freundesnähe tiefe Einsamkeit. Zwei Ehen, die Langzeitaffäre mit der Modedesignerin Peggy Roche (Jeanne Balibar): Zufrieden wurde sie nie.

In jeder Hinsicht konventionell erzählt Kurys das Sagansche Leben nach, als lange Rückblende angelegt und aus dem Off kommentiert durch Zeilen aus Sagans Autobiografie: Das ist redlich, aber nicht besonders spannend und bleibt deutlich hinter vergleichbaren Künstlerbiografien wie „La Vie en Rose“ zurück.



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INHALT

Der Erfolg kam über Nacht. Als Françoise Quoirez 1954, mit gerade mal 18 Jahren, unter dem Pseudonym Sagan ihren ersten Roman veröffentlichte, war er binnen kurzer Zeit vergriffen. Mehr noch: „Bonjour Tristesse“ wurde zum Skandal, der die Tochter aus reichem Haus berühmt machte. Die Beschreibung eines Mädchens, das aus Eifersucht die Geliebte seines Vaters in den Selbstmord trieb, war nicht das Aufsehenerregendste. Viel schlimmer war, dass dieses Mädchen mit einem Mann schlief – ohne Trauschein, ohne Reue, ohne Folgen. Françoise Sagan selbst schien den Lebenshunger ihrer Romanfigur zu teilen. Roulette, Luxusautos, Alkohol, Drogen, Schulden, Krankheit, zahlreiche Affären, immer umgeben von einer Entourage, weil sich nur so Einsamkeit und die Oberflächlichkeit erotischer Beziehungen ertragen ließen. Françoise Sagan wurde so zur Ikone von Unabhängigkeit und Glamour, gefangen zwischen Rebellion und Anpassung, zwischen Freiheitsdrang und Drogenabhängigkeit.
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