KRITIK

Bobby

Bobby Es ist eine Zeit der Hoffnung und der Gewalt. Die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen erstarkt, der Protest gegen den Vietnamkrieg schwillt an, die Frauen kämpfen für ihre Freiheit vom Patriarchat. Dazwischen aber gewittern die Nachrichten von den Schüssen auf Martin Luther King, von den Ausschreitungen am Rande der Democratic National Convention, vom Einmarsch der Russen in die Tschechoslowakei – und auch der Tod des Senators Robert Francis Kennedy fällt in dieses Jahr 1968.

Der Schauspieler Emilio Estevez setzt dieser demokratischen Lichtgestalt – die er durch alleinige Präsenz als Archivbild und Tonbandstimme noch messianischer überhöht – nun ein filmisches Denkmal, das Schlagschatten in die Gegenwart werfen soll. Wenn hier im Kostüm der 60er Freiheit und Frieden beschworen werden, ist doch nichts als ein Menetekel an die derzeit Regierenden gemeint. Wie ein Demoplakat aus dem Fundus der Protestkultur wirkt „Bobby“ da manchmal – fraglich, ob es diesen Rückgriff auf die US-Geschichte brauchte, um den Mangel an verantwortungsbewussten Staatsmännern zu beschwören.

Estevez inszeniert einen bis in die kleinste Rolle prominent besetzten Ensemblereigen, der ausschließlich im Ambassador Hotel in Los Angeles spielt, wo Kennedy in der Nacht zum 5. Juli vom Palästinenser Sirhan Sirhan erschossen wurde. All die privaten Sorgen seiner Figuren – von den Wahlkampfhelfern auf Acid-Trip bis zum jungen Mann, der heiratet, um dem Kriegsdienst zu entgehen – müssen da politische Implikationen haben, was dem Unternehmen auch nicht unbedingt gut tut, so schillernd einige der Miniaturen auch sind. Wie Anthony Hopkins als Hotelmanager da mit seinem von Harry Belafonte gespielten Schachkumpan die alten Zeiten beschwört, bis auch ihn die Nachricht von den Schüssen auf Kennedy erreicht und er so fassungslos ausatmet, als sei alles Leben auch aus ihm gewichen– das vergisst man nicht so schnell.



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INHALT

5. Juni 1968. In wenigen Stunden wird Senator Robert F. Kennedy im Ballsaal des Ambassador Hotels in Los Angeles in seiner Rede verkünden, dass er um das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika kandidieren will. Es ist seine letzte Rede, denn Kennedy wird vor den entsetzten Augen aller Anwesenden Opfer eines Attentats - wie sein Bruder fünf Jahre zuvor. Bobby rückt 22 Menschen in den Mittelpunkt, die sich zu diesem Zeitpunkt im Hotel aufhalten: ihre Hoffnungen, Träume und Sehnsüchte, ihre Probleme, Kämpfe und persönlichen Tragödien.
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Eure Kritiken zu Bobby

  1. Raspa

    Robert Altman lässt grüßen! Doch an die Klasse von Altmans “Shortcuts” kommt Estevez nicht ganz heran, aber sehenswert ist der Film allemal. Nicht zuletzt aufgrund der großartigen “LSD-Trip-Szene”.

  2. Manni

    Viele Stars, Demi Moore und ihr Ashton Kutcher waren unterirdisch schlecht. Ansonstebn gute Unterhaltung.

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