KRITIK

Blue Valentine

Filmplakat Blue ValentineAnfang und Ende einer Beziehung – auf diesen simplen Nenner ließe sich „Blue Valentine“ bringen. Doch Derek Cianfrances zweiter Spielfilm, an dem er zwölf Jahre gearbeitet hat, ist so viel mehr als das. Kunstvoll miteinander verwoben werden die Zeitebenen, zwischen denen sechs Jahre liegen: ein letzter Versuch, mit einer bedeutungsvoll aufgeladenen Liebesnacht in einem Motel die gemeinsame Ehe zu retten, wird gegen die ersten Begegnungen und Annäherungsversuche geschnitten. Dean und Cindy sind ein Working-Class-Pärchen. Ihre Liebesgeschichte lässt jeglichen Glamour vermissen. Aber ihr Kennenlernen und sein Werben um ihre Gunst sind ebenso bezaubernd wie ihre gemeinsame Tochter. Doch irgendwo auf dem Weg scheinen sie falsch abgebogen zu sein, die Liebe erkaltet. Stattdessen stehen elefantengroße Vorwürfe im Raum, die sich an den kleinsten Funken entladen. Träume sind geplatzt, einzig Narben sind zurückgeblieben.

Die ungewöhnliche Form der Montage sorgt anfänglich für kurze Irritationen. Doch sie ist letztlich der Schlüssel zu einem der wahrhaftigsten und berührendsten Beziehungsdramen, die das amerikanische Independent-Kino hervorgebracht hat. Die Hauptdarsteller Michelle Williams und Ryan Gosling, die beide ebenfalls schon seit Jahren an der Entwicklung des Films mitgearbeitet haben, behaupten ihre Rollen nicht nur, wie es sie als versierte Schauspieler ohne Weiteres abrufen könnten, sondern sie leben ihre Figuren mit einer Intensität, die schlichtweg atemberaubend ist. Schonungslos und völlig uneitel legen sie die Schwächen und Unzulänglichkeiten ihrer Charaktere bloß und finden auf der anderen Seite in den Rückblenden zu einer Leichtigkeit und Zärtlichkeit, die nicht minder überrascht.

Dass dem US-Start dieser nur 1 Million Dollar „teuren“ Produktion am 29. Dezember 2010 ein monatelanger Streit um die Jugendfreigabe des Films vorausging, der sich lächerlicherweise an einer kurzzeitig entblößten Brust aufhing, ist letztlich der weitaus kleinere Skandal, als dass lediglich Michelle Williams für den Oscar nominiert und alle weiteren Leistungen dieses rohen und ungeschönten Meisterwerks übergangen wurden. Unbedingt sehenswert!

Kritikerspiegel: Blue Valentine



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Bernhard Trecksel
Die Wochenschau
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, Die Welt, FR
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 





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