KRITIK

Blaue vom Himmel, Das

Filmplakat Das blaue vom HimmelWenn im Kino jemand leicht exaltiert agiert oder so tut und dann beispielsweise losen Kaffee in die Nudelpfanne haut, beschleicht es selbst den stumpfsinnigsten Betrachter: Ah, klar, Alzheimer! So geschieht´s jetzt in „Das Blaue vom Himmel“, dem neuen Film von Hans Steinbichler, einem Regisseur, der sich mit dem brütenden Heimatdrama „Hierankl“ sowie der „Winterreise“ mit Sepp Bierbichler eigentlich zum Hoffnungsträger des deutschen Kinos entwickelt hatte. Nun aber ist er ins gnadenlos mittelmäßige Gehege fernsehfinanzierter Dramen-Schonkost geraten: Liebesschuld, Familientragödie, Demenz, alles natürlich Jahrzehnte überspannend und behaglich bebildert.

Eine patente Berliner Fernsehjournalistin gerät hier erstmals seit langer Zeit wieder mit ihrer Mutter aneinander. Die ist wegen Alzheimer in die Psychiatrie eingeliefert worden. Weil sie Verdrängtes wittert, reist Sofia mit der verwirrten Marga von Wuppertal ins lettische Riga, dorthin, wo Margas Liaison mit ihrer großen Liebe Juris vor dem Zweiten Weltkrieg einen verhängnisvollen Lauf nahm: Es geht, erweist sich, um Schuld und Lebenslüge. Leider berührt Steinbichlers durchaus bildstarker Film weder als Demenz-Drama noch als (psycho-)analytischer Trip in die Vergangenheit: Zur Krankheit hatten US-Filme wie „An ihrer Seite“ oder „Geschwister Savage“ weitaus Differenzierteres zu sagen, und der in jeder Geste, in jedem Mundwinkelzucken ausgestellte Virtuositätsdrang von Juliane Köhler (Sofia) und Hannelore Elsner (Marga) ist bisweilen schwer erträglich.

Szene aus dem Film Das Blaue vom HimmelEin Gegengewicht zu diesem Kunstgewerbe bietet nur Karoline Herfurth („Vincent will Meer“), die als junge Marga etwas Leichtigkeit ins bleierne Geschehen fegt. Ein allzu schwerfälliges Familiendrama. Denn der Film krankt vor allem deutlich am manierierten Spiel der Hauptdarstellerin und einer aufdringlich emotionalisierenden Inszenierung.



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INHALT

Zeitlebens hat Marga wenige Gefühle für ihre Tochter Sofia gezeigt. Nun aber offenbart sie Ängste und eine tiefe Sehnsucht nach ihrem seit Jahren verstorbenen Mann Juris. Immer mehr verliert sie sich in ihrer Vergesslichkeit. Eine ungewohnte Situation für Sofia, die sich nun, nachdem sie lange kaum Kontakt zu ihr hatte, um ihre Mutter kümmern muss. Die erzählt ihr von Dingen, von denen Sofia noch nie gehört hat. Eine leise Ahnung, dass Margas Vergangenheit auch ihre eigene betrifft, veranlasst Sofia, kurzerhand mit ihrer Mutter nach Riga zu reisen. Doch je mehr Sofia über ihre Mutter erfährt, desto unklarer wird ihr, wer sie selbst ist. Und desto mehr offenbart sich, dass es das Blaue vom Himmel war, das Marga ihr ein Leben lang über ihre gemeinsame Vergangenheit erzählt hat …
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