KRITIK

Black Swan

Black Swan Wer Mickey Rourke heruntergewirt­schaftet durch „The Wrestler“ schlurfen sah oder Ellen Burstyn als pillensüchtige Seniorin in „Requiem for a dream“ der weiß: Figur zu sein in einem Film von Darren Aronofsky, das ist kein Zuckerschlecken.

Diesmal muss Natalie Portman leiden. Bekannt wurde sie als kindlicher Killer-Azubi im 90er-Jahre-Klassiker „Léon – Der Profi“, zuletzt war sie Anne Boleyn in „Schwester der Königin“. Für Aronofsky hat sie jetzt ein Jahr lang Ballett trainiert. Und nach dem Golden Globe ist sie strikt auf Oscar-Kurs – für einen Film, in dem es eher um Psychosen geht als um klassischem Tanz.

Feinsinnige Spitzen­tanz-Aficionados seien daher gewarnt: Das New Yorker Ballett taucht hier vor allem als Hort grausamen Konkurrenzkampfes auf. Der diabolische Star-Choreograf Leroy (großartig: „Public Enemy No. 1“ Vincent Cassel) wechselt seine Prima­­­­ballerinen aus wie Zündkerzen, jüngst erst schmiss sich der gedemütigte Ex-Schwan Beth vors Auto (gruselige Rolle für Winona Ryder).

Und die zarte, vom Ehrgeiz geschüttelte Nina (Portman) bekommt wider eigenes Erwarten den Part ihres Lebens: Sie darf in einer aufwendigen Neuprodu­k­tion des „Schwanensee“ die Doppelrolle des weißen und des schwarzen Schwans tanzen. Was für die junge Frau der Beginn einer Leidenstour ist, in deren Verlauf sie sich immer tiefer im Wahn verliert.Die kontrollierte Artistik des weißen Schwans meistert sie fabelhaft, ganz im Gegensatz zur entfesselten, zerstörerischen Leidenschaft des schwarzen Gegenstücks. Gedemütigt von Leroy, der sie für zu brav hält, gegängelt von der eifersüchtigen Mutter (beängstigend: Barbara Hershey) und intrigant bezirzt von der härtesten Konkurrentin (wunderbar: Mila Kunis), trudelt Nina in den Irrsinn, kratzt sich imaginäre Schwanenflügel vom Rücken, halluziniert.

Bis zum furiosen Finale, in dem Tschaikowski dröhnt wie der Begleit-Sound einer Höllenfahrt, inszeniert Aronofsky unerbittlich hochtourig – mit donnern­der Tonspur, desorientieren­den Nahaufnahmen, Grusel- Effekten und lustvoll ausbeuterischen Sexszenen.

Portmans Passion erinnert ebenso an Lars von Triers Frauentorturen wie an Polanskis „Ekel“ oder De Palmas „Carrie“. Ein Tanzfilm ist das nicht. Dafür virtuos inszenierter Paranoia-Thrill, der gekonnt an der Grenze zum Horror-Trash balanciert. Sehenswert.



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INHALT

Balletttänzerin Nina will unbedingt die Doppelrolle als weißer und schwarzer Schwan in der neuen "Schwanensee"-Produktion. Die Konkurrenz mit der Mutter, die ihre Tänzerinnenkarriere wegen der Schwangerschaft mit Nina aufgeben musste, schürt noch Ninas eigenen Ehrgeiz. Doch Kolleginnen und Chef werfen Nina einen Mangel an Sex-Appeal vor. Nach einem Biss beim Kuss vom Chef bekommt sie die Traumrolle unverhofft doch. Ihre Freude ist nur kurz, glaubt sie ihre Position als Star der Truppe gefährdet - insbesondere durch das neu engagierte Talent Lilly, die viel lockerer als sie selbst ist und sie verführt.
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Eure Kritiken zu Black Swan

  1. RobbyTobby

    Ich durfte den Film schon in einer Preview sehen und bin wie der Filmkritker sehr begeistert. Es ist manchmal auch etwas gruselig, dass sollte man nicht vergessesn. Aber der Kinobesuch lohnt sich nicht nur für tanzfans in jedem Fall.

  2. KNull

    Was für ein toller Film und tolle Hauptdarstellerin. Möge es zahlreiche Oscars regnen für diesen beeindruckenden Film.

  3. snooge

    Wer bin ich und warum bin ich so, wie ich bin? Bin ich wirklich ich, wenn ich mich freue oder bin ich wirklich ich, wenn ich wütend bin?
    Ein packender Film über die Untiefen der Ballerina-Seele, der teils verwirrt aber das ???? recht schnell zu einem !!! wandelt. Sehenswert, auch für Balletmuffel 😉

  4. black_panther

    Absolute genialer Film. War sellten so von einem Film überrascht wie hier… Natalie Portmann auf höchstem Niveau. ausführliche Kritik auch theblackblog.ch

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