KRITIK

Black Sheep

Black Sheep Wenn man an Schafe und Kino denkt, kommt einem ein denkwürdiger Film von 1972 in den Sinn. Woody Allens` EVERYTHING YOU ALWAYS WANTED TO KNOW ABOUT SEX, BUT WERE AFRAID TO ASK erzählt in einer köstlichen Episode die tiefgehende Liebe eines Arztes, herrlich gespielt von Gene Wilder, zu einem Schaf. Nun schreiben wir das Jahr 2007 – Zeit für eine Wiedergeburt des „Schafkinos“. Diesmal allerdings im Horrorgenre angesiedelt.

Fällt das Stichwort „Neuseeland“ entstehen sofort Assoziationen zu Peter Jackson und den frühen Anfängen seiner Karriere in diesem Genre. Tatsächlich handelt es sich bei BLACK SHEEP um eine augenzwinkernde Horrorkomödie, ganz im Stile seiner offensichtlichen Vorbilder BAD TASTE oder BRAINDEAD. Seit sich 1972 in NIGHT OF THE LEPUS bösartige Kaninchen über die Leinwand gemetzelt haben, hatte man nicht mehr so viel Spaß an geschmacklosem Tierhorror mit XXL-Splatterfaktor.

Die Geschichte ist reine Nebensache und dient letzten Endes nur dazu, abgefahrene Zombieschafe auf die Leinwand zu bringen. Ein geldgieriger Schafzüchter versucht mittels Gentechnologie das perfekte Schaf zu kreieren, was einige Umweltaktivisten zu verhindern versuchen, indem sie die Öffentlichkeit auf diesen Skandal aufmerksam machen wollen. Sie stehlen das genetische Material eines misslungenen Experiments und lösen damit überhaupt erst die Katastrophe aus. Fortan sprüht ein Virus durch die Luft, der die kleinen Knuddelschäfchen zu bösartigen Zombiewollknäulen werden lässt. Zur Story wäre damit alles gesagt.

Was die Effekte angeht hatte tatsächlich WETA (LORD OF THE RINGS, KING KONG) die Finger im Spiel. Und die Gefolgsmänner von Peter Jackson schaffen es, ohne übermäßigen Einsatz von CGI auf ganz Traditionelle Art und Weise ihre Zombiekreationen über die Leinwand zu jagen. Das Ergebnis ist beachtlich, tatsächlich werden Erinnerungen an den Horrorfilm der 80er Jahre geweckt, was aber unter anderem auch an der hervorragenden Kameraführung liegt. Kameramann Richard Bluck war immerhin schon für die Second Unit bei KING KONG zuständig, da verwundert die hohe Qualität seiner Arbeit nicht. Jonathan King geht mit seinem Regiedebüt genau den richtigen Weg, er verzichtet auf übermäßigen Thrill und setzt den Fokus eher auf gelungene Späße, welche allerdings im Kontext des übermäßigen Splatteranteils eine wunderbare Kombination ergeben. Wenn zum Beispiel Schafe am Steuer eines Wagens sitzen, bleibt kein Auge trocken.

Ein Kritikpunkt am Film wäre seine etwas zu lange Laufzeit, denn eben durch den oben genannten Verzicht auf Ernsthaftigkeit, versinkt der Film zur Hälfte hin etwas in Belanglosigkeit und man beginnt sich zu langweilen, glücklicherweise bekommt man gerade im richtigen Moment die Kurve und bewahrt den Streifen vor dem Absturz. Hier hätte dem Film eine Kürzung von ca. 15 Minuten ganz gut getan. Aber nichts desto trotz ist BLACK SHEEP Tierhorror-Trash von allererster Güte. Die Schauspieler bewegen sich alle hart an der Grenze zum Overacting, was aber völlig in Ordnung geht, Peter Jacksons frühe Filmografie überzeugt nun auch nicht gerade durch besondere Schauspielleistungen. Fans des Genres werden voll und ganz auf ihre Kosten kommen und auch Freunde (sehr) abgefahrener Komödien können durchaus einen Blick riskieren, hier sei allerdings ein starker Magen geraten, denn der Schleim- und Ekelfaktor bewegt sich auf einem fast nicht steigerbarem Niveau. Die FSK wird an diesem Film sehr heftig zu kauen haben, wir können nur hoffen, das wir diesen Streifen hierzulande in seiner ursprünglichen Form bewundern können und nicht dasselbe Kreuz zu tragen haben wie seinerzeit mit dem gnadenlos verstümmelten BRAINDEAD.



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INHALT

Henry leidet an "Pecoraphopie". Trotz seiner panischen Angst vor Schafen begibt er sich auf Drängen seiner Therapeutin nach Jahren der Abwesenheit wieder auf das Landgut seiner Familie in der neuseeländischen Pampa. Sein quadratschädeliger Bruder Angus will Henrys Anteil am Land abkaufen, damit er zusammen mit ein paar irren Wissenschaftern die genmanipulierten Zuchtschafe der Zukunft entwickeln kann.

Angus` unethisches Treiben bleibt nicht unbemerkt. Er kommt deswegen ins Visier zweier Ökoaktivisten, welchen den Farmbetrieb stören möchten. Das Pärchen entwendet ein Reagenzglas mit Abfallprodukten und setzten so aus Versehen ein mutiertes Exemplar der vierbeinigen Wollknäuel frei. Statt Gras steht bei diesem Fleisch auf dem Speiseplan und die Bisswunden, die es hinterlässt, sind äusserst ansteckend. Bald schon ist die ganze Schafpopulation auf blutrünstiger Menschenjagd - und Harry hat für die nächsten Therapiesitzungen so einiges zu erzählen.
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