KRITIK

Black Mass

Bild (c) 2015 Warner Bros. Movies Germany.

Bild (c) 2015 Warner Bros. Movies Germany.

Sicher, Scott Coopers´ „Black Mass“ ist ein solider, nicht sonderlich origineller Mobster-Film, zielführend garniert mit heftigen Gewalteruptionen und erzählt „nach einer wahren Geschichte“. Das ist wichtig in Zeiten, die vermeintliche Authentizität zum Fetisch erhoben haben. Dennoch hat das Gangsterdrama ein Problem: Es wird rund um den Film eigentlich nur über Johnny Depps Rückkehr in die Riege der „ernstzunehmenden“ Schauspieler gesprochen – ganz so, als seien seine Auftritte etwa als Chaos-Pirat Jack Sparrow keine Kunst gewesen. Aber zugestanden, Depps jüngste Hauptrollen in Trash wie „Transcendence“ und „Mortdecai“ waren kein Ruhmesblatt. Und jetzt?

Jetzt spielt der dreifach oscarnominierte Star Whitey Bulger, jenen berüchtigten Gangsterboss aus Boston, nach dem schon Martin Scorsese Jack Nicholsons Figur in „The Departed“ modellierte. Depp spielt ihn mit blauen Kontaktlinsen, Latexfalten und grotesker Stirnglatze. Als maskenhafte, skrupellose Mob-Ikone komplett gegen das eigene Image – das beeindruckt natürlich. Wenn Bulger die Szene betritt, scheint die Leinwand zu gefrieren.

Szene_Black_MassNur hakt Regisseur Scott Cooper („Auge um Auge“) Bulgers Aufstieg zur Legende des organisierten Verbrechens sehr inspirationslos ab. Wir erleben, wie der in den Siebzigern noch relativ unbedeutende Ganove von einem eifrigen FBI-Agenten (stark: Joel Edgerton aus „Exodus“) als Informant gegen die italienische Mafia angeworben wird. Mit dem Ergebnis, dass sich Bulger selbst zum Paten der Stadt aufschwingt.

Eine interessante Lektion über die fatale Verwicklung von Ermittlungsbehörden und V-Leuten ist das. Doch „Black Mass“ blendet weg, wenn es spannend wird. Bulgers Verhältnis zu seiner Geliebten Lindsey („Fifty Shades of Grey“-Star Dakota Johnson) oder zum Politikerbruder (Benedict Cumberbatch) bleibt Skizze. Zahlreiche Qualitätsdarsteller, etwa Kevin Bacon als FBI-Chef, werden in Kurzauftritten verschenkt. So wird es am Ende nichts mit dem komplexen Verbrechenspanorama, das Cooper gewiss im Sinn hatte – und der Film bleibt tatsächlich als jenes Drama in Erinnerung, in dem Johnny Depp endlich nicht mehr den Kasper spielte.

 

 

 



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INHALT

South Boston in den 1970er-Jahren: FBI Agent John Connolly (Edgerton) überredet den irischstämmigen Gangster Jimmy Bulger (Johnny Depp), mit dem FBI zusammenzuarbeiten, um einen gemeinsamen Feind zu eliminieren: die italienische Mafia. Diese unselige Partnerschaft gerät schnell außer Kontrolle, sodass Whitey sich der Verurteilung entziehen und seine Macht sogar stärken kann, um sich als einer der skrupellosesten und einflussreichsten Gangster in der Geschichte von Boston zu behaupten. (Text: Warner Bros. 2015)
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