KRITIK

Black Hawk Down

Black Hawk Down Schon wieder ein Kriegsfilm? Im Gefolge von Filmen wie „Apocalypse Now“, „Platoon“ und natürlich „Der Soldat James Ryan“ ist es für jeden Regisseur schwierig, in diesem Genre noch ein persönliches Profil zu finden – selbst für Ridley Scott, verantwortlich für Werke wie „Blade Runner“ oder „Thelma und Luise“. Scotts „Black Hawk Down“, lange vom deutschen Verleih zurückgehalten, weil das „Diskussionsklima“ in Deutschland ungeeignet schien, bestätigt als Fortsetzung der aktuellen Kriegsfilmwelle jenes Kinobild, das seit Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ zur unverrückbaren „Wahrheit“ geworden ist: Krieg ist ein von anderen Mächten ausgelöster Zustand, in den wir unschuldig hineingeraten. Eine Art Naturphänomen, das über seine Protagonisten hereinbricht wie der sprichwörtliche „Kugelhagel“ in der Eröffnungsszene von „Saving Private Ryan“.
Oder sollte es sich hier anders abspielen als in anderen Filmen des Genres, wenn Kamera und Ton eine authentische Körpererfahrung simulieren und das Publikum zur Identifikation auffordern? Vielleicht ein wenig. Aber auch nur soviel anders wie nötig, um auf sich aufmerksam zu machen und aus der Masse herauszutreten.
Erzählt wird die Geschichte einer US-Militäraktion im Jahre 1993. Aus der Aktion, die eine Stunde dauern sollte, wird ein 15-stündiges Gefecht. Mit Verlusten auf beiden Seiten.
Das gleiche Motiv – die Verbündeten zaudern, die Amerikaner handeln – dominiert leider auch „Black Hawk Down“. Hier nur mit dem Unterschied, dass eine Aufbereitung eines der dunkelsten Kapitel amerikanischer Kriegsführung selten so realistisch inszeniert wurde.
Gewehrsalven donnern durch die Luft, Raketen schlagen in Häuserwände ein. Und inmitten dieses Chaos versuchen einige Soldaten dem langsam verblutenden Kameraden das Leben zu retten. Nichts ist in solchen Momenten pathetischer als der Ausdruck der vollkommenen Trauer in den Gesichtern der jungen, namenlosen Rekruten. Das darf in keinem Kriegsfilm fehlen, zumindest nicht in denen, die kein mobilisierendes Rekrutierungsvideo sein wollen.
„Black Hawk Down“ schert sich nicht um Motivation oder Erklärungen. Es ist kein Film für oder gegen den Krieg, kein Film mit dem erhobenen Zeigefinger. Ridley Scotts Momentaufnahme eines verlustreichen Einsatzes ist ein ergreifender Film über den Krieg. Ohne moralische Geschichte. Das sollte man ihm positiv anrechnen. Christian Gertz



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INHALT

1993 entsendet die UNO internationale Friedenstruppen nach Somalia, um dafür zu sorgen, dass die Zufuhr von Hilfsgütern nicht von lokalen Warlords unterbrochen wird. Weil der brutale Mohamed Farrah Aidid sich auch von den UN-Truppen nicht abschrecken lässt, sollen amerikanische Elitesoldaten hochrangige Offiziere Aidids in einem Gebäude in der Innenstadt von Mogadischu festnehmen und zur US-Basis außerhalb der Stadt bringen.
Zunächst läuft alles nach Plan, doch dann stürzt ein junger Ranger beim Abseilen aus einem Hubschrauber 20 Meter in die Tiefe. Eine tragische Kettenreaktion wird ausgelöst: Zwei Black-Hawk-Hubschrauber werden abgeschossen, ein Konvoi aus zwölf Fahrzeugen verfährt sich im unübersichtlichen Straßenlabyrinth, 100 Ranger und Delta-Force-Soldaten werden eingekesselt und von der Außenwelt abgeschnitten.
Ein verzweifelter Kampf ums Überleben beginnt, denn die Feinde greifen von allen Seiten an und die Munitionsvorräte werden langsam knapp. Die Lage eskaliert ...
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Eure Kritiken zu Black Hawk Down

  1. nico

    zweckerfüllung?nach einem gemetzel, welches etwa 90% des films ausmacht, fragt man sich: wo ist nun der zeigefinger hier, der ja gerade dann im vordergrund stehen müsste, wenn es ausschliesslich um kriegerische auseinandersetzungen geht und diese nicht eingebettet wurden in eine story, welche die beziehungen der protagonisten untereinander erzählt? die soldaten (also die hauptdarsteller) sind hier klar die ausführenden von befehlen und kommandos. charakter werden nur flach gezeichnet, es geht darum „seinen job“ zu tun. das dieser job nach vietnam das zweite trauma des U.S.-Militärs darstellt, kommt nicht wirklich klar rüber. dieser stoff, der ja hier zum ersten mal ins kino gebracht wurde, schreit eigentlich nach einem riesigen zeigefinger. ridley scott lässt ihn aber nur unterschwellig nebenher wabern. und das kann man ihm meiner meinung nach durchaus anrechnen. man muss dem zuschauer nicht immer mit dem holzhammer den sinn und unsinn eines krieges verklickern. hochkarätige schauspieler zu wählen, diese aber im film fast charakterlos agieren zu lassen, unterstreicht doch die aussage, daß jeder soldat nicht mehr ist als eine nummer, die ein job zu tun hat. fazit: ridley scott bringt einen (für mich reinen)anti-kriegsfilm, der uns darüber nachdenken lässt, warum uns eigentlich filme wie „saving private ryan“ oder platoon länger in erinnerung bleiben als dieser hier.

  2. Manni

    Was soll das?Die einen loben den schonungslosen Realismus, die anderen wittern Voyeurismus oder US Propaganda. Meine Nachbarn haben jedenfalls hörbar Freude an der Action, andere halten sich die Augen zu. Immerhin wird einem noch schnell erklärt, wie man zum Helden wird und was Kamaradschaft ist. Der Abspann hält es für nötig, die 19 an diesem Tag gefallenen US Soldaten namentlich und mit Nennung des Dienstgrades aufzuführen. Die erwähnten über 1000 Opfer auf somalischer Seite bleiben selbstverständlich anonym. Noch Fragen? Und Tschüss Ridley…

  3. Lars

    Toller FilmKugeln, Explosíonen, Zischen, so real habe ich Krieg nioch nicht gesehen. Ein ergreifender Film. Ich fand ihn klasse und muss ihn an dieser Stelle weiterempfehlen.

  4. Warrior

    Bedrückend realistsichein absolut bedrueckend realistisch, sehr egreifender film ohne falsche charme. klasse!

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