KRITIK

Black Gold

Plakat zum Film Black GoldWas „Name der Rose“-Regisseur Jean-Jacques Annaud mit diesem Abenteuer-Epos versucht hat, ist ein Update von „Lawrence von Arabien“: weite Wüstenpanoramen und glutäugige Helden plus Gründungsmythen der modernen arabischen Halbinsel. Allerdings – das wird schnell klar – kann er es mit David Leans ewigem Klassiker nicht aufnehmen: Zu verliebt in klischeehafte Exotismen ist der Film, zu sehr täuscht er Tiefe dort vor, wo es nur um die alten Mechanismen des Heldenfilms geht.

Zentral geht es um den brüchig werden Frieden zweier arabischer Herrscher in den dreißiger Jahren. Emir Nesib (Antonio Banderas, herzlicher als im letzten Almodóvar „Die Haut, in der…„) ist der modernere von beiden, Sultan Amar (Mark Strong, „Dame König As Spion„) ein muslimischer Traditionalist. Vor Jahren richteten sie eine neutrale Zone zwischen ihren Ländern ein, und ausgerechnet dort entdeckt ein Texaner schwarzes Gold: Öl.

Szene aus dem Film Black GoldNesib möchte damit den Wohlstand seiner Untertanen mehren (und auch den eigenen), Amar verbittet sich die Diktatur des Geldes. Im folgenden Konflikt muss vor allem einer sich entscheiden: Prinz Auda (Tahar Rahim aus „Ein Prophet„), Nesibs intellektueller Ziehsohn, der eigentlich Amars Spross ist. Bleibt er bei Nesibs Tochter („Slumdog Millionär“-Schönheit Freida Pinto), seiner großen Liebe? Oder wechselt er zurück auf die Seite seines leiblichen Vaters?

Mit Pomp, Pathos und ordentlich Kitsch und vor allem relativ hopplahopp werden auch diese Fragen beantwortet, wobei das Finale in seinem Bemühen, den Öl- und Fundamentalisten-Zwist auf heutige Verhältnisse anzulegen, so politisch korrekt daherkommt, dass selbst Lessings Ringparabel daneben unversöhnlich wirkt. Aber es sei zugestanden: Unterhaltsam ist Annaud´s mit Ross, Reiter, Sheherazade-Sex und Doppeldeckern dekorierte Wüsten-Schinken durchaus. Zumindest für zwei Stunden.

  

 



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