KRITIK

Biutiful

Biutiful Keine verschränkten Parallelhandlungen mehr, keine komplex verknüpfte Episodenstruktur: Nach dem Zerwürfnis mit Drehbuchautor Guillermo Arriaga hat der mexikanische Regisseur Alejandro González Inárritu („Babel“) erstmals einen strikt linear erzählten Film gedreht, der sich ganz auf eine einzige Hauptfigur konzentriert.

Dafür bürdet „Biutiful“ als sehr melodramatischer Zweieinhalbstünder all die Sorgen, Katastrophen und Nöte und all die Schuld-und-Sühne-Zwickmühlen, die sich in den bisherigen Filmen auf das ganze Ensemble verteilten, nun einem einzigen Mann auf: dem Kleinganoven Uxbal, gespielt von Javier Bardem, der hier glatt die Antithese zu seiner Figur aus Woody Allens „Vicky Cristina Barcelona“ verkörpert. Diesmal keinen Womanizer also, sondern einen Verlierer aus den Elendsvierteln der katalanischen Hauptstadt.

Inárritus Prinzip in „Biutiful“ ist es, für Uxbal alles immer noch schlimmer zu machen. Er hält sich über Wasser als Vermittler zwischen illegalen chinesischen und afrikanischen Arbeitssklaven, doch wo er Würde bewahren will, macht die korrupte Polizei alles zunichte.

Uxbal zieht seine Kinder alleine auf, weil die Mutter depressiv dahindämmert. Für Geld kommuniziert er als Medium mit den Toten und hat selbst unheilbaren Krebs. Vor seinem Tod will er noch alles in Ordnung bringen – und lädt sich stattdessen grauenvolle Schuld auf.

In seinen bewährt kraftvollen, impressionistischen, mitunter auch geschmackvollen Bildern erzählt Inárritu diesen Marsch in den Abgrund. Die Kühnheit seines Erstlings „Amores Perros“ ist dabei zwar nicht mehr spürbar, doch Bardem auf der Via Dolorosa, ein Star unter Laiendarstellern, ausgezeichnet in Cannes, macht das Drama zu einem Ereignis. Sehenswert.



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INHALT

Uxbal schlägt sich in Barcelonas Untergrund mit unsauberen Jobs durch. Er hat dabei aber immer das Wohlergehen seiner beiden Kinder Ana und Mateo im Sinn, die er mit unendlicher Zuneigung großzieht. Ihre Mutter Marambra liebt er zwar immer noch, ein Zusammenleben scheint jedoch unmöglich. Wie ein Wanderer bewegt sich Uxbal zwischen den Welten, auf der Suche nach Versöhnung mit seiner Frau, seinen Kindern und doch letztendlich mit sich selbst.
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