KRITIK

Biber, Der

Filmplakat Der Biber

Biber, Der (Bild: Concorde Filmverleih)

In den Schlagzeilen war Mel Gibson in den letzten Jahren oft – allerdings nicht wegen seiner berauschenden schauspielerischen Leistungen in eigenen oder fremden Filmen, sondern eher nach Amokläufen der äußerst unschönen Art. Als Regisseur drehte er Gewaltopern wie „Apocalypto“ oder auch „Die Passion Christi“, sein letzter Kino-Hit „Was Frauen wollen“ liegt zehn Jahre zurück. Es schien, als wäre Mel Gibson passé. Vielleicht ist er für die Rolle des Walter Black gerade deshalb eine Idealbesetzung. Der Familienvater nämlich, den Gibson hier bemerkenswert differenziert spielt, ist ebenso aus der Spur gefallen. Weltentrückt und schwer depressiv liegt er im Bett, seine Spielzeugfirma schliddert in die Pleite, die Familie zerfällt. Nach Jahren kapituliert seine Frau: Sie wirft ihn raus.

Doch dann, kurz vorm Freitod, findet Walter im Müll sein neues Sprachrohr: einen Stoffbiber. Mit der flauschigen Puppe an der Hand erfindet sich Walter bauchrednerisch neu, als kindlich faselnde Fantasiegestalt. Und was auf die Umwelt zunächst reichlich albern wirkt, scheint zu funktionieren: Allmählich findet Walter ins Leben zurück. Aber die Biberpuppe lässt ihn nicht mehr los.

Jodie Foster, die hier unter eigener Regie auch die Rolle von Walters Ehefrau Meredith spielt, schafft ein Kunststück: Ihr gelingt es, die bisweilen abstruse Story zwischen Komödie und Tragödie geschickt in der Schwebe zu halten. Gibson wiederum vermag es, mit seinem Biber souverän an allen Peinlichkeiten vorbeizumanövrieren, die der Part bereithält. Das öffentlich diskutierte Schicksal wirkt sich hier positiv auf den Australier aus.

Leider geht Foster der Film gegen Ende aus dem Leim. Denn Forsters Drama verläuft sich in eine unnötig ausgewalzte Nebenhandlung um den rebellischen Sohn (dessen Freundin die wunderbare Jennifer Lawrence aus „Winter´s Bone“ spielt), bis alles zwischen Streicher-Kitsch und Thriller-Gedöns überdramatisch kulminiert. Ob dabei nun Substanzielles zum Thema Depression erzählt wird, sei dahingestellt. Doch schon für ihren Mut, ein solch widerständiges Kuriosum von Film dem jahrelangen Gegenwind der Studios entgegenzustemmen, gebührt Jodie Foster höchster Respekt. Sehenswert.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Das Leben von Walter Blacks scheint perfekt: Er leitet eine Spielzeugfirma, hat eine liebevolle Ehefrau und ist Vater zweier Söhne. Doch Walter leidet an einer schweren Depression und kann deshalb keiner dieser Rollen mehr gerecht werden. Sein Leben gerät immer stärker aus den Fugen, bis ihn seine Frau schließlich vor die Tür setzt. Walter ist am Ende, doch durch Zufall entdeckt er eine Biber-Handpuppe im Müll, die sich als wahre Rettung erweist - denn von diesem Zeitpunkt an lässt Walter den Biber für sich sprechen. Zwar reagiert seine Umwelt zunächst höchst irritiert, mit der Zeit akzeptiert sie aber Walters eigenwilliges Verhalten und lernt die Vorzüge der Handpuppe zu schätzen.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*