KRITIK

Beweis – Liebe zwischen Genie und Wahnsinn, Der

Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn, Der Wieso sind Mathematiker im Film eigentlich immer irre? Schon Matt Damon hatte als Schulputzboy und Zahlengenie in „Good Will Hunting“ einen sozialen Hau, dann kam Russell Crowe, der sich durch forcierte Verschrobenheit und historisches Faktenfälschen in der schizophrenen Mathematiker-Bio „A Beautiful Mind“ einen Oscar erspielte, und jetzt treten der olle Anthony Hopkins und die dauerzerbrechliche Gwyneth Paltrow auf den Plan, um ebenfalls verrrückte bzw. vermeintlich verrückte Nummernjongleure zu verkörpern. Regisseur John Madden („Corellis Mandoline“) und Hauptdarstellerin Paltrow hatten das zugrundeliegende Bühnenstück von David Auburn („Proof“) bereits in London auf die Bretter gebracht und es nun also für die Leinwand umgesetzt. Das Ergebnis ist zwiespältig.

Denn eigentlich handelt es sich hier um ein abgefilmtes Bühnenstück: Zweierszene auf Zweierszene folgt, man spricht in einem Zimmer, man dialogisiert draußen vor der Tür und ergeht sich gegen Ende in flammenden Plädoyers für (Selbst-)Verantwortung und Vertrauen. Madden hat das Geschehen im Zeitablauf etwas durcheinandergewirbelt, was wohl filmisch wirken soll, aber eher etwas gewollt daherkommt. Geblieben ist natürlich das Drama: Die 27-jährige Catherine, abgebrochene Mathe-Studentin, lebt depressiv in den Tag hinein und kommt nicht mit sich klar. Sie steht im Schatten ihres berühmten und soeben verstorbenen Vaters, eines legendären Mathe-Professors (Hopkins in überschaubar wenigen Auftritten), den sie fünf Jahre lang pflegen musste, nachdem er an Demenz erkrankt war und nur noch wirres Zeug schrieb und redete. Am Tag der Beerdigung, den eine rauschende Party beschließt, kommt es zu Entscheidungen: Wird der 26-jährige Hal, Ex-Student des Papas und mittlerweile bereits renommierter Dozent und obendrein gespielt von „Brokeback Mountain“-Star Jake Gyllenhaal, die Liebe der Verschlossenen gewinnen? Wird die dominante Schwester aus New York (Hope Davis aus „Mord und Margaritas“) das autistische Mädchen in den Big Apple entführen? Viel wichtiger jedoch: Hal findet auf dem Dachboden inmitten der 103 vom mental derangierten Daddy sinnlos vollgekritzelten Kladden ein Heft, in dem Geniales steht, ein ultimativer Beweis, der offenbar sämtliches bisher in der Mathematik Gedachtes über den Haufen wirft. Worum es da genau geht, bleibt unerwähnt, wahrscheinlich würde es auch niemand verstehen, aber das ist auch egal. Denn die zentrale Frage besteht darin, ob der gerechnete Geniestreich dem Hirn des verblichenen Alten entstammt oder seiner verhuschten Tochter – was diese behauptet. Allerdings steht sie im Ruch, die Demenzkrankheit des Vaters geerbt zu haben, wodurch ihr Verfasseranspruch an der brillanten Kladde sowohl von sexy Hal als auch von Schwester Claire angezweifelt wird. Ist Catherine verrückt?

„Der Beweis“, solide inszeniert und engagiert gespielt, interessiert sich leider weder für geistige Krankheiten noch für Mathematik – womit er es „Good Will Hunting“ und „A Beautiful Mind“ gleich tut. Es geht hier einzig ums Gefühl. Wer vertraut wem nicht und warum nicht? Es geht ums Annehmen seiner selbst. Gwyneth Paltrow (letzter Auftritt: „Sky Captain and the World of Tomorrow“) glaubt man zwar ihre Mathematikerrolle zu keiner Sekunde, auch nicht im Strickpullover und ungeschminkt, aber ihres bewährten Tränendrüsendrückerarsenals bedient sie sich souverän. Anthony Hopkins, der mittlerweile ja fast nur noch leicht angedickt und altväterlich in Gastrollen vorbeischaut („Alexander“), spult Routine ab. Der Rest ist gepflegt in jeder Hinsicht, aber wenig außergewöhnlich. Den Erfolg, den Paltrow und Madden mit „Shakespeare in Love“ feierten, werden sie hiermit wohl kaum wiederholen können.



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INHALT

Catherine ist jung und hochbegabt. Nach dem Tod ihres Vaters, eines brillanten Mathematikprofessors, durchforscht die 27-jährige dessen Aufzeichnungen, um auf Spuren seiner früheren Genialität zu stoßen. Denn mit zunehmendem Alter ihres Vaters wurde sein Genie immer mehr von geistiger Umnachtung beeinträchtigt. Ein ehemaliger Student ihres Vaters verliebt sich in sie und unterstützt sie bei der Reise in ihre Vergangenheit. Im Verlauf der Suche muss sich die junge Frau mehr und mehr ihren eigenen Ängsten stellen: Hat sie womöglich nicht nur die Genialität ihres Vaters geerbt, sondern auch seine Krankheit?
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Eure Kritiken zu Beweis – Liebe zwischen Genie und Wahnsinn, Der

  1. Karina

    Besser als erwartet. Das Zusammenspiel aller Bedteiligten funktioniert, eine spannenden geschichte. Ist sehenswert.

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