KRITIK

Best Exotic Marigold Hotel

Plakat zum Film Best Exotic MarigoldIn ihrer Heimat haben sie nichts mehr zu erwarten, die sieben Mittsechziger bis Siebziger, um die es hier geht. Aus dem Erwerbsleben sind sie ausgeschieden, und von dem, was ihnen die Rente für die restlichen Jahre übrig lässt im kalten Britannien, sind sie enttäuscht. Es zieht sie daher ins nordindische Jaipur: Dort verspricht ihnen ein luxuriös-exotisches Hotel einen weitaus angenehmeren Ruhestand. Zehn holprige Minuten braucht Regisseur John Madden („Eine offene Rechnung“), um die pensionierten Protagonisten einzuführen, allesamt von Veteranen des britischen Qualitätskinos gespielt. Dann sind sie plötzlich mittendrin im schwül-hektischen Gewimmel der indischen Großstadt.

Natürlich ist das Hotel eine Bruchbude, und nur dem optimistischen Jungmanager Sonny ist zu verdanken, dass die verknöcherten ­Anglo-Senioren nicht sofort wieder abreisen: „Slumdog Millionär“ Dev Patel bringt als dessen Darsteller ein wenig Bollywood-Schwung in die zunächst eher steife Runde. Die dann aber allmählich nach und nach auftaut. Als da wären, etwa Maggie Smith (Professor McGonagall aus der „Harry Potter“-Reihe) als pikierte Rollstuhlfahrerin, die nur schwer mit der indischen Kultur klarkommt. Oder Tom Wilkinson („Michael Clayton“) als Ex-Richter, der in Indien jenen Mann zu finden sucht, in den er sich früher mal verliebt hat. Szene aus dem Film Best Exotic Marigold HotelOder der grandios schmallippige Bill Nighy (bekannt als Tentakelkopf aus „Fluch der Karibik!), der aus den Fängen seiner depressiven Gattin strebt. Und natürlich die Witwe Evelyn (Dame Judi Dench), die am aufgeschlossensten wirkt und bald neuen Sinn in ihrem Leben entdeckt.

Mit jederzeit komisch grundierter Melancholie folgt Madden seinen Helden durch die Alltagswirren der neuen Heimat. Die atmosphärisch eingestreuten Jaipur-Bilder wirken glücklicherweise nie zu postkartenschön, wie der Film überhaupt erfreulich konsequent auf Kitsch verzichtet. Darüber sind die abgeklärten Brit-Rentner offenbar ganz von selbst erhaben. Ein britisches, wenig kritisches und wohlfühliges Schauspielerfest.

 

Kritikerspiegel Best Exotic Marigold Hotel



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau; mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 





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INHALT

Sieben Engländer im höheren Alter reisen aus den unterschiedlichsten Gründen nach Indien: die frisch verwitwete und finanziell gescheiterte Evelyn (Judi Dench), der desillusionierte Richter Graham (Tom Wilkinson), das streitsüchtige Paar Douglas und Jean (Bill Nighy und Penelope Wilton), Norman (Ronald Pickup) und Madge (Celia Imrie), die beide auf der Suche nach der Liebe ihres Lebens sind, sowie Muriel (Maggie Smith), die ein neues Hüftgelenk bekommen soll und Indien danach eigentlich gleich wieder verlassen will. Sie landen alle im "Best Exotic Marigold Hotel", das seine besten Zeiten schon hinter sich hat. Das Hotel, das von einem hoch-motivierten jungen Inder, Sonny Kapoor, (Dev Patel) aus der Krise wieder zu altem Ruhm geführt werden soll, versprüht dennoch seinen ganz eigenen Charme. Eigentlich hat Sonny nur Chaos zu bieten, aber er macht alles durch seinen Enthusiasmus wett. Und schon bald überträgt sich die magische Wirkung Indiens auf die Gruppe der Reisenden - bei jedem der Sieben auf ganz eigene Art. Alle sind gleichermaßen desorientiert durch ein Indien voller Kontraste, gleichermaßen berauschend und beängstigend, traditionell und modern, schön und absonderlich. Zunächst sind diese sieben Neuankömmlinge unsicher darüber, was ihnen die Zukunft bietet. Aber als sie beginnen, neue Freundschaften zu schließen, machen sie einige unerwartete Entdeckungen und beginnen ihre Vergangenheit loszulassen.
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