KRITIK

Berlin Calling

Berlin Calling Berlin, die Techno-Szene, hippe Underground-Clubs – da hat man sofort einen Sound im Ohr und Klischees vor Augen. Und alles, was man an sozialen Kollateralschäden mit diesem Milieu assoziiert, aufputschende Drogen, unverbindliche Beziehungen, Maskeraden von Coolness, kommt auch in Hannes Stöhrs „Berlin Calling“ vor.

Aber der Regisseur schafft es, seine Geschichte vom Absturz eines DJs namens Ickarus trotzdem ganz lebensecht, sehr undramatisch klingen zu lassen. Ickarus wird gespielt von Paul Kalkbrenner, der tatsächlich als DJ unterwegs ist und auch die Musik zum Film geschrieben hat. Einen rastlosen Typen verkörpert er, der mit seiner Freundin und Managerin permanent um die Welt jettet, von Rave zu Rave, der sich mit fast allen Drogen vollpumpt, die auf dem Markt zu haben sind, und dem man dabei doch die Sehnsucht nach Geborgenheit anmerkt, nach einem ruhenden Zentrum. Eines Nachts wirft Ickarus die falsche Pille ein und landet in der Nervenklinik. Alles droht ihm zu entgleiten, Arbeits- und Liebesbeziehungen gehen in die Brüche.

Aber Stöhr („One Day in Europe“) erzählt weder Psychiatrie-Drama noch Junkie-Tragödie. Er beleuchtet nur, mit distanzierter Faszination, eine Szene, in der es keinen Halt gibt. In der die Gymnastikhalle einer Anstalt völlig selbstverständlich als Foto-shooting-Location fürs neue Ickarus-Album herhält.



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INHALT

Elektro-Komponist Martin Karow ist Techno-DJ im Berlin der 90er Jahre. Zwischen wummernden Beats frönt er vor allem dem ausgelassenen Leben mit Groupies und Drogen. Nebenbei plant er noch die Veröffentlichung seines nächsten Albums, den erhofften großen Wurf. Doch eine falsche bunte Pille bringt ihn auf einen Horrortrip und in die Klinik. Erst genießt der Patient noch Privilegien und Freiheiten, bis er unerlaubt abhaut.
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Eure Kritiken zu Berlin Calling

  1. Christian

    Ein großartiger Film! Ein Drama über den Absturz eines Techno-DJs, ohne Klischees, ohne Coolness, ohne falsches Mitgefühl. Dabei stets mit der nötigen Distanz, natürlich einer stimmigen Filmmusik und einem Darsteller, der selbst DJ hier als Darsteller brilliert. Ein echter Geheimtipp!

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