KRITIK

Bel Ami

Kinoplakat zum Film Bel AmiEs ist die Zeit um 1885. Ein mittelloser Soldat kehrt aus Algerien zurück nach Paris. Er weiß nichts, kann nichts – will aber irgendwas mit Medien machen, auf jeden Fall aber hoch hinaus und wichtig sein. Zum Glück ist er sehr schön, und dieses Talent, sein einziges, das weiß er zu nutzen. Er bezirzt die richtigen, weil wichtigen Frauen im Hintergrund, die ihm die Tür öffnen zur High Society der Belle Époque. Immer weiter kommt er, auch wenn der Preis das eigene Glück ist.

Guy de Maupassants Dauerbrenner ist nicht nur wegen seiner schneidend ironischen Schlaglichter auf ein Blenderei-beseeltes Frankreich im kolonialistischen Furor lesenswert, sondern auch, weil es hier unüblicherweise der Mann ist, der sich hochschläft und nicht klischeegemäß die Frau. An der Neuverfilmung der Regisseure Declan Donnellan und Nick ist folgerichtig die Wahl des Hauptdarstellers das einzig wirklich Interessante: Robert Pattinson nämlich, hauptberuflich blässlicher „Twilight“-Vampir, müht sich seit geraumer Zeit, Rollen zu übernehmen, die ihn nicht nur aufs Äußerliche reduzieren.

Wenn er nun also den Part eines Emporkömmlings übernimmt, der es nur durch sein Aussehen und durch das sozial-vampireske Aussaugen reicher Frauen zu etwas bringt, kann man ihm das durchaus als kühne Selbstironie auslegen. Als Befreiungsschlag jedoch klappt das nicht – das liegt schon an den gestandenen Aktricen, die ihm als Affären zur Seite gestellt werden.

Szene aus dem Film Bel Ami

Uma Thurman, Robert Pattinson in "Bel Ami" (c) Studiocanal

Ob das Kristin Scott Thomas ist, die dem „Bel Ami“ als Verlegergattin einen Job bei der Zeitung verschafft, ob Uma Thurman, die als Schatten-Journalistin seine Artikel schreibt, oder Christina Ricci, die ihn als Gönnerin finanziert: Sie alle bringen schon von Haus aus so viel Charakter mit, dass der 25-jährige Pattinson dagegen – trotz befremdlicher Grimassiererei – gar nicht anders kann als blass zu wirken.

 

Was leider nicht heißt, dass der Film mit den prominenten Damen allzu viel anzufangen wüsste. Brav hakt er die Stationen des Romans ab, lässt er Gewänder rauschen, Dessous knistern und Champagner fließen, ohne dass je eine neue Sicht auf den Roman oder auch die in ihm porträtierte Zeit aufblitzte. Entstanden ist ein biederer, anlasslos anmutender Kostümschinken, dem es entschieden an Esprit mangelt.

  

Kritikerspiegel Bel Ami



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
3.5/10 ★★★½☆☆☆☆☆☆ 



 



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INHALT

Paris um 1890. Ohne Beruf oder Vermögen kommt der junge Georges Duroy in die Hauptstadt des Savoir Vivre. Georges verfolgt nur ein Ziel: Reichtum, Ruhm und Einfluss zu erlangen – und das um jeden Preis. Schnell steigt der attraktive Verführer mit seinem unwiderstehlichen Charme und Sexappeal vom mittellosen Außenseiter zum umschwärmten Liebling der feinen Pariser Gesellschaft auf. Sein Schlüssel zum Erfolg sind die Ehefrauen einflussreicher Gentlemen, die ihrem "Bel Ami" Tür und Tor öffnen. Tatsächlich macht der ebenso smarte wie skrupellose Galan in Rekordzeit Karriere als Journalist und begibt sich dadurch auf glattes, politisches Parkett. Doch der berechnende Georges treibt sein äußerst riskantes Spiel um Sex und Macht unbeirrt weiter – und setzt dafür alles aufs Spiel.
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