KRITIK

Being John Malkovich

Being John Malkovich Reiseveranstalter, die Pauschal-Trips mit Vollpension in fremde Bewusstseins-Gefilde anbieten würden, könnten ein Vermögen verdienen. Weniges erscheint schließlich verlockender, als einmal Urlaub von sich selbst zu machen und ein anderer zu sein, zumal die Begriffsgrenzen dieses ominösen „Ich“ ja immer mehr verwischen. Zwischen Matrix-Paranoia, Medien-Kritik und Soziologie-Seminar den Überblick zu behalten, was eigentlich Realität bedeutet, fällt ja schwer genug, wie soll man da genau wissen, wer man selbst ist? Allzu vertraut fühlt es sich an, das steht fest.

So ergeht es auch Craig, überzeugend verkörpert von dem „Volltreffer“ John Malkovich.
Er begibt sich ganz entspannt in die kreativen Hände von Spike Jonze, ein als wortkarg und verschroben geltender Jungfilmer, der sich seine Meriten und Moneten bislang im Videoclip- und Werbe-Milieu verdient hat. Auf höchst vergnügliche und stilistisch innovative Weise variiert er hier das uralte Fantasy-Thema vom Körper- und Bewusstseins-Tausch. Dabei entfaltet sein Leinwand-Debüt den magisch-versponnenen Surrealismus mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass man bald geneigt ist, jede noch so verstiegene Story-Wendung (von denen es zahlreiche gibt) hinzunehmen. Für den Bau der siebeneinhalbten Etage wird mittels einer putzigen Film-im-Film-Sequenz noch eine verhältnismäßig plausible Erklärung geliefert, doch wenn das Kopf-Karussell der Malkovich-Kurzreisen erst richtig in Schwung gerät und amouröse Verwicklungen hinzukommen, fragt man sich bisweilen schon, wer in diesem Marionetten-Kosmos eigentlich die Fäden zieht.

Zwar drohen Spike Jonze (ein Pseudonym übrigens) und sein Autor Charlie Kaufman ihre Idee des fremdgesteuerten Identitätsverlustes gelegentlich zu überreizen, und frei von einer gewissen Beliebigkeit ist die Geschichte schon gar nicht. Doch allein die Tanz- und Spielfreude des sonst auf Bodenschweres abonnierten John Malkovich entschädigt für manch humoristischen Hänger, und glücklicherweise konnten mit John Cusack, Cameron Diaz und Catherine Keener weitere illustre und experimentierfreudige Darsteller gewonnen werden – ein „Who is who?“ der besonderen Art.



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INHALT

Der sympathische, weltfremde Puppenspieler Craig Schwartz, der auf den Bürgersteigen Manhattans romantische Klapptheater-Tragödien inszeniert, die statt Beifall bestenfalls Befremden ernten, würde bisweilen liebend gern aus seiner erfolglosen Haut fahren. Doch was nützt es? Auf Drängen seiner tiernärrischen Frau Lotte fügt er sich eines Tages in das Los des verkannten Künstlers und bewirbt sich um einen geregelten Bürojob bei der "Lester Corporation", die im siebeneinhalbten Stock eines Hochhauses residiert. Wie seine Kollegen, darunter die kühle Maxine, bewegt er sich fortan gebückt durch die für Zwergwüchsige gebauten Flure. Seltsam genug. Vollends bizarr wird es indes, als er hinter den Aktenschränken seines Dienstkämmerchens einen Tunnel entdeckt, der geradewegs in den Kopf des Filmstars John Malkovich führt. Für eine Viertelstunde sieht man die Welt durch dessen Augen, bis man an einer Highway-Ausfahrt in die eigene Existenz zurückgeschleudert wird.
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Eure Kritiken zu Being John Malkovich

  1. phelipe

    Schräger Humor …… und gute Schauspieler sorgen dafür, dass man selbst diese abgedrehte Geschichte am Ende glaubt. Hinzu kommen eine Fülle liebevoll erzählter Details. Und John Malkovich scheint gar nicht zu spielen, sondern zu sein.

  2. Twickers

    Grenz-schnulzige Tragikomödie mit spannungsgeladener FantasyhandlungDas wäre wohl das Genre des Films, wenn es das denn gäbe. Aber wer will diese Art von Film zum Standardrepertoire der Filmschmiede machen? Das Ungewöhnliche ist hier ja das Reizvolle. Eine 1a Darstellerriege, die sich von einer ganz neuen Seite zeigt, dass man sich auch gleich besser in ihre Charaktere hineinversetzt. Besonders Cameron Diaz beweist hier, dass sie mehr ist als ihr Lächeln.

    Die Geschichte ist gleichermaßen interessant, abstrus, intelligent und auch unterhaltend. Was würden wir tun, wenn wir für einige Stunden den Körper einer berühmten Persönlichkeit übernehmen könnten? Wer träumt nicht von einem Tag als gefeierter Star und all den Möglichkeiten? Zugleich geht es aber auch um die Frage nach den Masken, hinter denen wir uns verstecken und die Suche nach Persönlichkeit. Darüber hinaus bietet der Film auch noch eine handelsunübliche Lovestory und kostet ein paar Hirnwindungen, wenn man die innere Logik nachvollziehen will.

    Ein Film, für den man sich Zeit nehmen sollte.

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