KRITIK

Beim Leben meiner Schwester

Beim Leben meiner Schwester In fast jedem Vorbericht zu diesem Melodram heißt es, Cameron Diaz sei ja so irre mutig, wie sie sich hier in einer Szene das blonde All-American-Girl-Haupthaar abrasiert, um sich in Sachen Glatze mit ihrer krebskranken Filmtochter zu solidarisieren. Wieder macht die Wendung vom „Mut zur Hässlichkeit“ die Runde – obgleich die Diazsche Glatzenblöße im Film kaum länger dauert als eine jener kitschmusikbeschallten Montagesequenzen, die Regisseur Nick Cassavetes („Alpha Dog“) hier gleich im Dutzend zusammenstellt.

Natürlich ist die Glatze nur aufgeklebt (kein Mut, nirgends) und damit symptomatisch für das bisweilen klebrig-pathetische Schindluder, das hier mit einem an sich hochspannenden Thema getrieben wird. Diaz spielt die patente Mutter und Ex-Rechtsanwältin Sara Fitzgerald, deren Tochter bereits im Kleinkindalter an Leukämie erkrankt. Weder Sara noch ihr Mann (hemdsärmelig: Jason Patric) kommen als Knochenmarkspender in Frage, weshalb sie, auf Anraten des Arztes, eine weitere Tochter zeugen – als menschliches Ersatzteillager. Diese Anna spendet schon als Kind Blut und Knochenmark, hat als 14-Jährige dann aber genug, als sie auch noch eine Niere abgeben soll: Sie nimmt sich einen Anwalt und prozessiert gegen die eigene Mutter.

Das moralische Konfliktfeld, das sich in dieser Gemengelage eröffnet, hätte der ideale Nährboden sein können für ein bewegendes, an ethischen Fragen interessiertes Melodram. Doch Cassavetes inszenierte einen Problemfilm auf Fernsehspiel-Level, aufgedonnert mit gefühliger Musik, letzten Strandfahrten und zahllosen Szenen, die wohl nur dazu dienen, La Diaz in Aufruhr und damit oscarheischend fern vom Blondinchen-Liebreiz zu zeigen.

Andere Darsteller überzeugen in diesem Film allerdings deutlich mehr, vor allem die kleine Abigail Breslin („Little Miss Sunshine“) als rebellierende Zweittochter, Alec Baldwin als deren Anwalt und Joan Cusack als verhärmte Richterin. Sie spielen mit jener Komplexität, die Nick Cassavetes wohl für seinen ganzen Film vorgeschwebt war.



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INHALT

Von Geburt an war Anna die Lebensversicherung für ihre krebskranke Schwester Kate. Doch als sie nach Blut, Zellen und Rückenmark auch eine Niere spenden soll, zieht das Mädchen vor Gericht, um Selbstbestimmung für ihren Körper einzuklagen. Damit rüttelt sie ihre ganze Familie auf, der bewusst wird, wie sehr sich Rollen, Bindungen und Gefühle durch die Konzentration auf Kate veränderten. Nur Mutter Sara lässt jedes Verständnis für Annas Widerstand vermissen, ahnt nicht, was wirklich hinter ihrer Weigerung steckt.
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