KRITIK

Beim ersten Mal

Beim ersten Mal Manchmal berühren sich einander völlig fremde Welten, ohne dass es nennenswerte Folgen hätte. Und manchmal beschliessen diese Welten, für immer zusammen zu bleiben, was man dann Ehe nennt. Frauen stammen von der Venus, Männer vom Mars. Hat man ja schon mal gehört. Dass die beiden Geschlechter eigentlich nicht zusammenpassen, ist wohl das älteste Tragödien- und Komödien-Thema überhaupt. Und es funktioniert immer wieder. In erster Prägnanz hat es tatsählich Loriot auf den Punkt gebracht: beim Likör-Exzess mit der Putzfrau in „Papa ante Portas“.

In Judd Apatows Komödie „Beim ersten Mal“, Originaltitel „Knocked Up“, sind die genetischen Gegensätze dabei schon nicht übersehbar. Alison Scott (Katherine Heigl) ist blond, attraktiv und gerade die Karrieretreppe bei einem Entertainment-Sender hochgefallen, der sie zur Moderatorin befördern möchte. Vorausgesetzt, die ohnehin schlanke Mittzwanzigerin macht eine Diät. Eine Passage im Vorstellungsgespräch, die für den oft hinreissend sarkastischen Witz des Films durchaus typisch ist: „Wir möchten natürlich nicht, dass Sie abnehmen. Wir möhten, dass Sie sich fit halten. Indem Sie weniger essen.“ Sei`s drum, die zielstrebige Alison wird ihre Chance nutzen.

Ben Stone (Seth Rogen) hingegen könnte in der Tat eine Generalüberholung brauchen. Er ist ein Couch-Penner, der in einer bizarren Kumpel-WG haust, wahnsinnig viel kifft und keinen Job hat, nur so eine Art Projekt: Mit seinen Buddies bastelt er an einer Internetseite, die den Interessierten verrät, welche Schauspielerin in welchem Film an welcher Stelle nackt zu sehen ist. Unter normalen Umständen also würde einer wie Ben einer wie Alison an der Supermarktkasse die Einkäufe eintüten, aber ein himmlisches Geschenk namens Alkohol macht es möglich, dass die beiden nach einem Flirt im Club die Nacht miteinander verbringen. Was jene Folgen haben wird, die man auf dem Ultraschall-Monitor erkennt.

Judd Apatow, Filmzitat-Narr und Schöpfer der auch schon recht lustigen Spätberufenen-Komödie „The 40 Year Old Virgin“, reiht sich mit seinem Katz-und-Maus-Paar in eine Screwball-Tradition, der er durchaus gerecht wird. Anders als der Trailer zum Film befürchten liess, beschräkt sich der Humor nicht auf Fäkal- und Kifferwitze – obwohl es die auch in Serie gibt. Im Grunde meint es Apatow ernst. Im Wandel der Screwball-Zeiten scheint hier ein neues Geschlechterbild auf, das seit Sam Mendes` „American Beauty“ immer häufiger zu beobachten ist: das des infantilen Mannes, in dessen Wohnung die pragmatische Frau von heute das Gefühl bekommt, ein Kinderzimmer zu betreten. Von den Geburtswehen einer solchen Verbindung erzählt der Film äusserst unterhaltsam.



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INHALT

Der lebensfrohe Ben ist kein Kind von Traurigkeit. In einer Bar lernt er die bildschöne Amy kennen und nach ein paar gemeinsamen Drinks landen sie zusammen im Bett. Das böse Erwachen folgt acht Wochen später, als Ben das Mädchen erstmals wiedertrifft und von ihr erfährt, dass sie schwanger ist von ihm. Nach anfänglichem Hadern beschliessen die beiden, es dem Baby zuliebe mit einer Beziehung zu versuchen. Und damit gehen die Probleme auch schon los.
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Eure Kritiken zu Beim ersten Mal

  1. Sabs

    Der Film bietet einige Lacher. katherine heigl aus „Grey´s Anatomy“ ist süß. Ansonsten bietet der Film nicht viel. Denn das schlimmste ist: Die beiden Hauptdarsteller passen absolut nicht zusammen.

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