KRITIK

Beasts of the Southern Wild

Plakat zum Film Beasts of the Southern WildWenn das Jahresende naht und mit ihm die „Holiday Season“, die der deutschen Weihnachtszeit nur ungefähr ähnelt, wird in Hollywood zusammengerechnet und auseinander dividiert: Was hat als Oscar-Kandidat Bestand? Mögliche Kandidaten werden mit sanftem Druck „for your consideration“ ins millionenschwere Rennen geschickt. Neben den Last-Minute-Schwergewichten wie Steven Spielbergs „Lincoln“, Kathryn Bigelows Bin-Laden-Hatz „Zero Dark Thirty“ und der opulenten Musical-Adaption „Les Miserables“ hält sich ein kleines Independentjuwel seit dem Sundance Festival im vergangenen Januar dauerhaft im Gespräch: „Beasts of the Southern Wild“ des Newcomers Benh Zeitlin. Und seit dem Preis fürs beste Debüt in Cannes steigen seine Chancen kontinuierlich.

Das Wunderwerk des magischen Realismus folgt keinen herkömmlichen narrativen Strukturen, vielmehr lässt es sich treiben wie seine sechsjährige Hauptfigur Hushpuppy und übernimmt fraglos ihre Perspektive einer wundersamen Welt. Einer Welt im Umbruch, wie es scheint, denn ein Unwetter zieht auf über dem mutmaßlichen Süden der USA – konkret verortet wird der Schauplatz nie, doch die Anklänge an den Hurrikan Katrina sind augenfällig. Hushpuppy und ihr kranker Vater erwarten nicht nur den Sturm, das kleine Energiebündel erahnt zudem die Ankunft der Aurochs, prähistorischer Monster, die die schmelzenden Polkappen nun wieder freigegeben haben.

Szene aus dem Film Beasts of the Southern WildEs empfiehlt sich, „Beasts of the Southern Wild“ im Zustand des Halbschlafs zu sehen oder den Verstand möglichst freizuräumen für eine Erfahrung zwischen Imagination und harter Realität, zwischen Traum und einer ganz eigenen, keiner Logik oder Gesetzen folgenden Wirklichkeit. Wer sich darauf einlassen kann, erlebt einen sinnlichen Rausch exaltierter Bilder einer entfesselten Kamera, einer fast greifbaren Atmosphäre überbordender Lebenslust im Angesicht der drohenden Katastrophe sowie in Quvenzhané Wallis eine phänomenale Hauptdarstellerin – ebenso Laie wie alle anderen Akteure – die man augenblicklich ins Herz schließt und nicht mehr loslassen möchte.

Nach dem formidablen „Winter’s Bone“, der vor zwei Jahren insbesondere seine Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence in die Umlaufbahn schoss, und dem furiosen „Bellflower“, dem hierzulande ein Kinostart verwehrt blieb, zeugt auch „Beasts of the Southern Wild“ von einer neuen Vitalität und Leidenschaft im amerikanischen Independent-Kino, die weit mehr überwältigt und verzückt, als alle Superhelden und Bösewichter Hollywoods zusammen. Nicht verpassen!


Kritikerspiegel Beasts of the Southern Wild



Lida Bach
u.a. film-zeit.de, kino-zeit.de, titel-magazin
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Carsten Happe
Der Schnitt, filmgazette
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Durchschnitt
7.5/10 ★★★★★★★½☆☆ 


 



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