KRITIK

Beastly

Beastly Ein Pamphlet gegen jugendliche Oberflächlichkeiten im Gewand einer antiseptisch sterilen High-School-Romanze? Wie passt das zusammen? Kurze Antwort: Gar nicht. Keine leichte Aufgabe also für einen Regisseur, bei dem man so wenig Fingerspitzengefühl nicht vermutet hätte. Denn nach seinem Abschluss in Yale hat der in Philadelphia aufgewachsene Theaterfan Daniel Barnz einige Spielzeiten am weltbekannten Williamstown Theatre Festival verbracht, bevor ihn der Hollywood-Schauspieler Tim Robbins für sein Theater „Actor´s Gang“ nach Los Angeles holte. Hier schrieb sich Barnz an der University of Southern California School of Cinema-Television ein, die er ebenso erfolgreich abschloss.

Das erste Drehbuch, das Daniel Barnz schrieb, war „Phoebe in Wonderland“. Die Geschichte vom jungen Mädchen, das sich an keine Regeln halten will oder kann, wurde 2007 mit Elle Fanning in der Hauptrolle verfilmt, 2008 auf dem Sundance Film Festival uraufgeführt, kam 2009 in die US-Kinos und spielte über 70 Mio. Dollar ein. In Deutschland ist der Film nicht einmal auf DVD erschienen.

Bei der amerikanischen Kritik war „Phoebe in Wonderland“ durchgefallen, genauso wie „Beastly“. Und der Schlüssel soll – wie in zahlreichen Kritiken zu lesen – der falsche Ansatz gewesen sein. Dabei basiert Barnz´ zweites, selbst inszeniertes Drehbuch nicht auf einer eigenen, sondern auf einer literarischen Vorlage. Zum einen auf Alex Flinns gleichnamigem Jugendroman, aber eher noch auf der französischen Geschichte „La Belle et la bete“ aus dem Jahr 1756. Viele Figuren aus Jeanne Marie Leprince Geschichte, dessen deutscher Titel „Die Schöne und das Biest“ sehr viel bekannter sein dürfte, tauchen auch in „Beastly“ auf. Die schöne Tochter mit dem großen Herzen, der liebende Vater, der eine Schuld einzulösen hat und das großzügige „Tier“, das sich aus Liebe verändert.

Wie beschrieben, sind Daniel Barnz´ Wurzeln fest mit dem Theater verknüpft. Er hätte seinen Figuren so viel mehr Tiefe mitgeben können. Doch Fehlanzeige. „In jeder der traditionellen Interpretationen dieses Mythos` hat das Biest animalische Züge“, erklärt Barnz. „Diesen erwarteten Weg wollten wir aber nicht einschlagen. Für mich ist der Kern der Handlung von BEASTLY dieser unwiderstehlich attraktive Mann, der hässlich gemacht wird. Deshalb versuchte ich darüber nachzudenken, was Kyle als hässlich empfindet. Und das war dann der Ausgangspunkt für den Look des Biests. So habe ich mich konzeptuell dem finalen Look angenähert.“

Genau aus diesem Grund bleibt bei Barnz zielgruppengerecht alles außen vor, was die Geschichte im Grunde ausmacht. Das Ungefähre und auch Wilde des Biest ist domestiziert und gehörig romantisiert. Das Gefährlichste ist die permanent böse dreinblickende Hexe Kendra (Mary-Kate Olsen), die in Mephisto-Manier die Welt durch zeitweises Verderben zu einem besseren Ort machen will, inklusive Rückkopplungseffekt zu Fernsehserien wie „Gossip Girl“ und Co.. Die Intention der Geschichte sowohl von Leprince als auch von Alex Flinn wird durch die antiseptische Inszenierung der Liebesgeschichte konterkariert. Thema verfehlt, sechs, setzen!



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INHALT

Kyle hat alles, was man sich als Junge auf der Highschool wünschen kann: ein grandioses Aussehen, Popularität nicht zuletzt bei den Mädchen und dank seinem Daddy jede Menge Geld. Doch als er das Goth-Mädchen Kendra abblitzen lässt, belegt diese den Schönling mit einem Fluch. Fortan bedecken hässliche Narben und Tattoos seinen gestählten Körper. Die wird er nur wieder los, wenn er bis Jahresende ein Mädchen davon überzeugt, sich in ihn zu verlieben.
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