KRITIK

Baywatch

Bild (c) 2017 Paramount Pictures.

Komm, Du guckst das doch nur wegen der gut aussehenden Frauen in den engen Badeanzügen!“ – Stimmt. Wie viele Millionen Zuschauer an den Bildschirmen der Republik mit mir auch – zu Beginn der 90er. Ich war 18. In der Oberstufe analysierten wir die Deutsch-Deutsche-Wiedervereinigung. Und später am Abend im TV retteten knapp beschürzte Damen und irgendwelche namenlosen Herren unbedeutende Touristen aus See- oder sonst welchen Nöten. Oder deckten einen Drogenring auf. Am Traumstrand von Malibu. Die ideale Ablenkung vom Oberstufen-Stress. Die Bezeichnung „Chauvinist“ oder das Adjektiv chauvinistisch fiel damals in dem Zusammenhang nicht. Weder in der Oberstufe unter Mitschülern noch in den zahlreichen TV-Kritiken der ebenso erfolgreichen Fernsehzeitungen.

Zehn Jahre später, nach über 200 Folgen war Schluss. Der Ober-Rettungsschwimmer Mitch Buchannon im Körper von David Hasselhoff hatte nach 11 Staffeln keine Lust mehr. Weitere 15 Jahre später, in Zeiten, in denen Fernsehzeitungen, TV-Serien ohne Cliffhanger – und vor allem dem Chauvinismus – eine ganz andere Rolle beigemessen werden, wie sollte da das Erfolgsrezept von „Baywatch“ komprimiert auf 120 Minuten auf der großen Leinwand funktionieren? – Um es vorweg zu nehmen, das tut es nicht. Nicht nur hinsichtlich der geänderten Vorzeichen. Verständlich, dass das Experiment scheitern musste. Zudem kommen noch ganz andere Fehler hinzu.

Dabei wurde das Projekt sehr ambitioniert immer wieder voran getrieben: Als das Erfolgsduo Beau Flynn (Produzent) / Dwayne Jonson (Schauspieler/Produzent) nach einigen gemeinsamen Projekten („Hercules“, „San Andreas“) davon hörte, dass der TV-erprobte Autor Robert Ben Garant („Nachts im Museum 1+2“) ein Drehbuch zur Kinoversion der bekannten TV-Serie vorgelegt hatte, zögerten beide nicht lange und nahmen als verantwortlicher Produzent (Flynn) bzw. als ausführender Produzent und Hauptdarsteller das Reboot in die Hand. 2015 bekam Seth Gordon („Kill the Boss„) von Paramount den Zuschlag als Regisseur.

Neben Robert Ben Garant nahmen sich fünf (!) weitere Autoren des Projektes an, darunter das lange Jahre erfolglose Horror-Duo Mark Swift und Damian Shannon („Freitag der 13.“, „Freddy vs. Jason“). In erster Linie sollte die neue Generation von Rettungsschwimmern mit einer großen Portion Selbstironie ausgestattet werden, zusammen mit einer völlig neuen Art von Strandfeminismus. Die dünne Rahmenhandlung bildet neben einem testosterongesteuerten Aufnahmecontest, ein Drogenfund, der mit einer neuen Immobilien-Königin von Malibu (stets in jeglicher Einstellung „ge-push-uped“: Pryanka Chopra) in Verbindung gebracht wird.

Im ersten Erzählstrang, der Aufnahme neuer Mitglieder im Rettungsschwimmer-Team, in dem sich „High-School-Musical“-Star Zac Efron als Ex-Weltklasse-Schwimmer Matt Brody (in der Original-Serie von David Charvet verkörpert) als eine Art widerspenstige James-Dean-mit-Motorrad-Figur versucht, kommt es mit dem verantwortlichen Strandabschnittsleiter Mitch Buchannon (Dwayne Johnson) immer wieder zu Reibereien. Doch so klar, wie sich daraus eine ungleiche Freundschaft entwickelt, ist auch, dass der zweite Erzählstrang, der Drogenfund am Strand, am Ende schnell und uninspiriert in der wunderschönen Bucht von Malibu unter lautem Feuerwerk baden geht.

Waren es zu viele Handlungsstränge? Waren die Witze zu flach? Die Seitenhiebe zu aufgesetzt? Ein Beispiel: Als das etablierte Baywatch-Team den Neuankömmlingen beim gemeinsamen Mittagessen erzählt, welche (Kriminal-)Fälle es in den vergangenen Monaten gelöst hat, kommentiert Matt Brody trocken: „Das klingt nach einer unterhaltsamen, aber ziemlich weit hergeholten TV-Serie.“ Noch Fragen?

Nein, auch bei diesem TV-Leinwand-Reboot bestätigt sich wieder einmal die alte Weisheit von den vielen Köchen und dem Brei, gepaart mit überflüssigen Muskelspielchen und zahlreichen „unter-der-Gürtellinie-Gags“ von eingeklemmten Penissen bis hin zu chauvinistischen Blicken auf Frauenbrüste. Entstanden ist ein Film, der gleichzeitig spannend sein will und einen lockeren Witz erzählen möchte. Und das alles vor einer Rettungsschwimmer-Kulisse. Kein Wunder, dass diese Akrobatik nicht gelingen will. Nicht einmal in engen roten Badeanzügen oder mit Sixpack auf dem Bauch.

 




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