KRITIK

Baymax – Riesiges Robowabohu

Bild (c) Walt Disney Studios Germany.

Bild (c) Walt Disney Studios Germany.

Veränderungen auch im Bereich Animationsfilm. In den letzten Jahrzehnten blieb die Welt sauber getrennt: Hollywood mit Pixar und DreamWorks auf der einen Seite, der japanische Anime auf der anderen. Nun unternimmt der neue Disney-Trickfilm „Baymax“, jüngst verdient für den Oscar nominiert, einen Schritt in Richtung Verschmelzung. Er integriert inhaltliche und ästhetische Elemente des fernöstlichen Anime in eine traditionell disneyfizierte Superhelden-Geschichte. Und das ziemlich gut.

Schon der Schauplatz der Erzählung gibt die Richtung vor: In einer Großstadt namens San Francoyko, einem amüsant erdachten Amalgam aus San Francisco und Tokio, in der die Golden Gate Bridge an buddhistische Tempel erinnert und gläsern-futuristische Silicon-Valley-Architektur das Bild prägt, tüftelt der 14-jährige Waisenjunge Hiro an kleinen Robotern herum. Diese Mini-Transformer wecken das Interesse seines älteren Bruders, dann das von dessen Institutsleiter an der Uni, schließlich das eines dubiosen Unternehmers. Und dann explodiert das Institut, Hiros Bruder stirbt.

BIG HERO 6„Baymax“ nimmt sich Zeit für die Trauerphase nach diesem traumatischen Vorfall, bis Hiro im Titelhelden Baymax (deutsche Stimme: Bastian Pastewka) die ultimative Ablenkung findet. Baymax war die letzte Erfindung des Verstorbenen: ein stets freundlicher Roboter in aufblasbarer Marshmallow-Optik, programmiert als medizinischer Nothelfer und Seelsorger. Mit ihm, dem Hiro bald weitere Funktionen hinzuprogrammiert, und den anderen Nerds aus dem Uni-Labor wird bald der Kampf gegen einen maskierten Schurken aufgenommen.

Zugegeben, gegen Ende eifert die grundsympathische und animationstechnisch überragend gestaltete Robo-Sause den Superhelden-Actionfilmen aktueller Machart nach: „Baymax“ ist eine freie Adaption der Comic-Reihe „Big Hero 6“ (auch der englische Originaltitel des Films) aus dem Hause Marvel, das längst auch zum Disney-Konzern gehört. Doch der schön selbstironische Fokus auf den töffeligen, stets pflegebereiten Weißballonhelden nimmt allem Kampfestrubel gnädig die Spitze. Sehenswert.

 




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