KRITIK

Battleship

Plakat zum Film Battleship„Prepare to fire.“ „Sir, which weapons?“ „All of them.“ –

Der dümmste Bauer erntet laut Volksmund die dicksten Kartoffeln: In der Vergangenheit ließ vor allem Regisseur Michael Bay diesem Motto entsprechende Taten in Form seiner Over-The-Top-„Transformers“-Ableger für das Action affine, moderne Blockbusterpublikum folgen. Wer die Mechanismen in Hollywood kennt, der weiß, dass es heutzutage leicht und schnell passieren kann, dass dem Publikum auch die schlimmsten Blockbuster durch gezielte Marketingstrategien als unumstössliche Meisterwerke der Filmkunst verkauft werden können, sollten diese auch irrtümlicherweise so rezipiert werden.

Dachte man vor dem Kinobesuch von „Battleship“, dass mit „Transformers – die Rache“ der bisherige Tiefpunkt der dümmlichen, amerikanischen „Action-Mainstream-Pornographien“ und Reizüberflutungen erreicht sein würde, wird man schon zu Beginn von Peter Bergs Film eines besseren belehrt. Bestanden Michael Bays Actionfilme zu 80% aus Action und zu 20% aus meist inkohärenten Handlungsabschnitten, welche notdürftig zusammengeflickt einen roten Faden an Handlung in den entsprechenden Filmen durchschimmern ließen, so gelingt es Regisseur Peter Berg mühelos, letztere Quote noch einmal deutlich unter die 10% Marke zu drücken. Denn das, womit man sich in „Battleship“ thematisch auseinandersetzen muß, lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Der dümmste Bauer, sprich Alex Hopper alias Taylor Kitsch, erntet am Ende die dicksten Kartoffeln, wenn er als patriotischer Navy-Seal-Held die Tochter seines Vorgesetzten erobern und die Welt vor einer außerirdischen Bedrohung retten darf (Stichwort Chicken Burrito!), welche sich als zunächst technologisch überlegen erweist und unübersehbar einem der phantasielosesten Creature Designs aller Zeiten zum Opfer gefallen ist.

Die dargestellte, außerirdische Bedrohung erinnert außerhalb ihrer überlegenen Technologie bis hin zur mittelmäßigen Effekte-Palette, welche „Transformers“ lediglich in Sachen „Quantität“ beziehungsweise Schlagzahlerhöhung recht blass aussehen lässt, eher an eine Mixtur aus gewolltem, dargestelltem Reptil und an zweit bis drittklassige, aus miesen Fantasyfilmen entliehene, randalierende Orkbanden mit versehenem Stachelschweinebart im Halo Kampfanzug, welche dem heimischen X-Box 360 Videolook entliehen wurden und so jeden Nerd zu ungeahnten Höhenflügen vor der Leinwand inspirieren. Wobei dieser Aspekt noch zum besten gehört, was „Battleship“ in Sachen Qualität zu bieten hat.

Battleship Poster 3„One Chicken Burrito Please.“

Schon in den ersten Minuten von „Battleship“ wird man mit einem der peinlichsten Filmeinführungen der letzten Jahre konfrontiert, in welchem ungeniert ein „Mumbo Jumbo“ Nasa Exo-Planeten Thematik Klau der Extraklasse, garniert mit peinlichsten Dialogen, betrieben wird, in welchem die entsprechenden Darsteller den Eindruck erwecken, als wären sie der John Carpenters „The Thing“ Restverwertungsrampe, inklusive Vollbart und dazugehörigem Alkoholrausch von Darsteller Kurt Russel, entliehen worden. Und weiter geht es im dümmlichen Takt. Taylor Kitsch gibt den besagten Trottel vom Dienst, wenn er daran scheitert, seiner Angebeteten ein „Chicken Burrito“ zu besorgen und mehr Chaos geschweige denn nützliches anrichtet, danach folgt die obligatorische, moralische Ansprache, welche ihn bald den rechten Weg weist. Und des weiteren beweisen sich alle Beteiligten später in klebrig generierter und wirkender „Top Gun“ Army Werbeclip Atmosphäre wieder einmal ihre psychischen und physischen Grenzen, durch die bestimmt werden darf, wer am Ende der größte Held oder der größte Schwachkopf ist. Wobei  „Battleship“ in Hinblick auf diesen Aspekt wie eine schmerzhafte Parodie der ehemals ins Leben gerufenen Top Gun „American Army“ Parodie wirkt, welche auf das Konto von Tony Scott geht. Das muss man erst einmal hinbekommen. Respekt und Anerkennung für diese Leistung von Regisseur Peter Berg. Obendrauf wird dem Betrachter Popsternchen Rihanna mit über kompletter Laufzeit ausdruckslosem Gesicht und nicht existentem schauspielerischen Talent serviert, deren Ego und Wille zur gespielten Härte nun mal tatsächlich größer als ihre Taten als angekündigte „toughe Fighterin“ und austauschbare Baller- und Rennmatrone vom Dienst sind. Die restlichen Armee angehörigen werden im Angesicht des jederzeit vorherrschenden, ernsten Tonfalls in Peter Bergs Film zu Karikaturen degradiert, welche vom Script ab und an schon lange nicht mehr erlebte, von jeglicher Logik befreite „Dialog Klöpse“ in den Mund gelegt bekommen, welche nicht nur unfreiwillig komisch wirken und kaum trashiges Feeling aufkommen lassen, sondern regelrecht zum Fremdschämen einladen. Liam Neeson hingegen kommt in seiner Rolle als Admiral Shane kaum zum Zuge, ja nicht mal die sonst übliche Michael Bay´sche Entwicklung zu einem richtigem Plotdevice durchläuft er. Er wirkt bei seinem sporadischem Auftauchen im Film lediglich lustlos und sichtlich unterfordert.

Battleship Poster 8

„Can you hear me?“ „We have to prewarn you.“ –

Seit wann sprechen Außerirdische und Menschen die selbe Sprache?  Hat sich Peter Berg in Sachen Inszenierung kurzerhand vom „Star Trek“ Universum inspirieren lassen? Über solche Momente, welche in Battleship des öfteren an der Tagesordnung sind und jeder Logik entbehren, hüllt man am besten den Mantel des Schweigens. Ebenso darüber, das Peter Bergs Film „Battleship“ im Verlaufe durch die einzelnen, zusammengefügten Actionabschnitte, welche ab und mit entliehenem ACDC Score unterlegt werden, nun einmal runder und progressiver wirkt, als als es durch das sonstige Fehlen wie zumindest einem akzeptablem Schauspiel, einer entsprechenden Spannungskurve / Dramaturgie und dem Genre angemessenen Handlung im Grunde genommen der Fall ist. Als Höhepunkte der peinlichen Scharade in „Battle Ship“ erweisen sich zum einen Geschmacklosigkeiten wie eine Ü-60 Navy Altherren Riege als entlaufene Karikatur aus dem ansässigem Seniorenstift, welcher der jungen Garde nochmal richtig zeigt, was man in Sachen Action zu bieten haben sollte und einige unmögliche Momenten, in welchem dem Gegner in unfreiwillig komischer Manier auch mal die Zähne ausgeschlagen werden(!). Leider rechtfertigen die in der Gesamtzahl zu wenig vorhandenen, trashigen und leidlich witzigen Momente und das Bedienen zahlloser, einfältiger Klischees noch keinen Anspruch, als Genre-Parodie auf Michael Bay „Transformers” geschweige denn als „richtiger”, voluminöser Actionspaß durchzugehen.

Als Höhepunkte der peinlichen Scharade in „Battleship“ erweisen sich zum einen Geschmacklosigkeiten wie eine Ü-60 Navy Altherren Riege als entlaufene Karikatur aus dem ansässigem Seniorenstift, der der jungen Garde noch einmal richtig zeigt, was man in Sachen Action zu bieten haben sollte und einige unmögliche Momente, in denen dem Gegner in unfreiwillig komischer Manier auch mal die Zähne ausgeschlagen werden(!). Leider rechtfertigen die in der Gesamtzahl zu wenig vorhandenen, trashigen und leidlich witzigen Momente und das Bedienen zahlloser, einfältiger Klischees noch keinen Anspruch, als Genre-Parodie auf Michael Bay „Transformers“ geschweige denn als „richtiger“, voluminöser Actionspaß durchzugehen.

Battleship Poster 4„Mahalo motherf**ker.“ „I am an idiot.“

Regisseur Peter Berg spielt in „Battleship“ aktuell auch mit dem deutschen Publikum folgendes Spiel: er zelebriert eine „Dick und Doof“ wie auch „Bud Spencer“ Nummer, wobei die ehemaligen Darsteller dieser Ikonen durch das ehemals virtuose „Einprügeln“ auf den Gegner zu bestimmten Zeiten noch eine entsprechende Agenda verfolgten beziehungsweise dem Publikum eine entsprechende, moralische Botschaft hinterließen. Heute hingegen heißt es : warum schlägt man rein technisch virtuos auf seinen Gegner auf der Leinwand und auf das Publikum ein? Die Antwort: man weiß es ehrlich gesagt nicht, denn das „Ganze“, das man in „Battleship“ zu Gesicht bekommt, ergibt ja keinen Sinn… Aber alleine die Technik im Kino bereitet ja soviel Freude, deswegen darf man folglich um noch mehr bitten. Reaktionär-dumme Filme haben somit weiterhin Hochkonjunktur. Warum benötigen wir eigentlich noch Schauspieler und Drehbücher?

Battleship Poster 7

Kawooom, Rooooom, Booooom.“ –

Peter Bergs „Battleship“ gehört durch die  Vermischung des gewollten Trashappeals, der narrativen Reduktion von „Tele5“ Gute Nacht Filmchen und der dazu gehörigen handwerklichen A-Blockbuster Qualität schon jetzt zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten, markiert den aktuellen Tiefpunkt der Blockbusterentwicklung Hollywoods, eröffnet ein neues, bisher nicht für mögliches Panoptikum des Blödsinns und dürfte in Anbetracht der dargebotenen Qualität als „Trittbrett Film“ einen Stammeintrag in Roger Eberts „Your Movie Sucks“ aus parodistischen Gründen sicher haben. „Battleship“ erweist sich, neben „The Devil Inside“ zum Beispiel, als einer der Filmflops des Kinojahres 2012.

 

 



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INHALT

Kaum ein Offizier hat je in der US-Navy derart schnell Karriere gemacht wie Alex Hopper (Taylor Kitsch). Aber dann begeht er einen Fehler, der ihn die Laufbahn kosten könnte: Er verliebt sich ausgerechnet in Sam (Brooklyn Decker), die Tochter seines Admirals (Liam Neeson). Ein Problem, bei dem ihm auch sein älterer Bruder Stone (Alexander Skarsgard), Kommandeur der USS Samson, nicht helfen kann. Alex bleibt allerding wenig Zeit, über sein Schicksal nachzugrübeln, denn bei einem internationalen Seemanöver im Pazifik gerät seine Einheit in eine Situation, auf die sie auch die beste Militärschuls nicht vorbereiten konnte: Mitten auf dem Ozean wird die Flotte von den gigantischen Kampfmaschinen einer außerirdischen Macht angegriffen.
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