KRITIK

Battle of the Sexes

Bild (c) 2017 Twentieth Centry Fox.

Zufall? Oder abgesprochen? Filmemacher haben anscheinend gerade das cineastische Potenzial wichtiger Tennismatches für die große Leinwand entdeckt. Nur wenige Wochen nach dem Kinostart des spannenden Biopics „Borg McEnroe – Duell zweier Gladiatoren„, welches das legendäre Wimbledon-Duell der beiden titelgebenden Tennis-Asse aus dem Jahr 1980 nacherzählte, legt das Regieduo Valerie Faris und Jonathan Dayton („Little Miss Sunshine„) mit dem Film „Battle of the Sexes – Gegen jede Regel“ nach.

Weder das schlagzeilenträchtige Duell auf dem Court noch die beiden Protagonisten selbst dürften heutzutage noch einer breiten Zuschauermasse bekannt sein. Anders als als der Schwede Björn Borg oder der US-Amerikaner John McEnroe sind Billie Jean King und Bobby Riggs – zumindest hierzulande – einigermaßen in Vergessenheit geraten. Dabei hatte ihr legendäres gemischtgeschlechtliches Match im Jahr 1973 durchaus historische Dimensionen, und die dahintersteckende Geschichte hat es allemal verdient, als bewegendes und gleichermaßen komisches Biopic ihren Weg in die Kinos zu finden.

Szene aus dem Film Battle of the Sexes mit Steve Carell und Emma Stone auf einer Spielerbank sitzend. Billie Jean King (exzellent: Emma Stone) ist die Nr. 1 im Frauentennis und hat die Diskriminierungen der Honoratioren ihres Sports satt. Die agieren chauvinistisch-patriarchal und stufen Frauentennis als deutlich weniger wertvoll ein als die männliche Variante. King übt den Widerstand und gründet eine eigene Spielerinnenverbindung, was den Ausschluss aus dem offiziellen Tennisverband mit sich bringt.

Einer sieht in der publicitywirksamen Aktion aber genau für seine exaltierte Art die idealen Voraussetzungen gekommen: Der mittlerweile 55jährige Ex-Profi Bobby Riggs (herrlich: Steve Carell) fordert die Nr. 1 der Damen zu einem gemischtgeschlechtlichen Match heraus. Er macht dabei keinen Hehl aus der Tatsache, dass er Frauen nur im Bett und am Herd ernst nimmt und er das Spiel dazu nutzen möchte, die biologische Überlegenheit des Mannes zu demonstrieren.

Szene aus dem Film Battle of the Sexes mit Emma Stone und Andrea Riseborough am Frisiertisch.Mit „Battle of the Sexes – Gegen jede Regel“ hat das verheiratete Regie-Duo Valerie Faris und Jonathan Dayton nun seinen dritten Spielfilm vorgelegt. Und auch dieser erfüllt die hohen Erwartungen an die exzellenten Filmemacher wieder einmal. Die Geschichte ist gleichermaßen skurril wie bewegend, sowohl komisch als auch tragisch, zumal ihr tatsächliche Ereignisse zugrunde liegen.

Billie Jean King wurde durch ihre Aktionen zu einer Vorreiterin der Emanzipationsbewegung der Frauen. Da sie im Zuge der Ereignisse auch ihre lesbische Ader entdeckte (geschildert in einer liebenswerten Liebesgeschichte mit Kings Friseurin Marilyn, gespielt von Andrea Riseborough), gilt die Tennisspielerin mittlerweile auch als Identifikationsfigur für die Gay Liberation Movement. Mit einem sehenswerten Detailreichtum hat das Regie-Duo die Lebensrealität in den frühen 1970er Jahren eingefangen, was für so manchen Schmunzler und einige Male auch für fassungsloses Augenrollen sorgen dürfte. Sehr unterhaltsam. Ab 23.11. im Kino!

 

Kritikerspiegel Battle Of The Sexes - Gegen jede Regel



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, WAZ
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen des Monats findest Du im Kritikerspiegel.

 

 

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