KRITIK

Batman v Superman: Dawn of Justice

Bild(er) (c) Warner Bros. Pictures Germany.

Bild(er) (c) Warner Bros. Pictures Germany.

Für das sogenannte „DC Universe“ soll er den Großangriff auf das erfolgreiche Marvel Universe leiten. Unerklärlicherweise setzt aber US-Regisseur Zack Snyder mit seinem zweiten Film für DC ausgerechnet dort an, wo sein mäßig erfolgreicher Vorgänger „Man of Steel“ endete: In der kunstvollen Zerstörung. Selbstbewußt? Oder einfach nur naiv? Der Aggressor ist zu Beginn einmal mehr General Zod, der Clark Kent alias Superman vor drei Jahren arg zugesetzt hatte. Diesmal wird die 9/11-gleiche Zerstörungs-Arie zu Beginn aus der Perspektive des Gerechtigkeitsfanatikers Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck) zelebriert, der in einem überlangen Werbespot für einen SUV durch die einstürzenden Häuserschluchten von Metropolis kurvt. Natürlich, um eingeschlossenen Menschen zu helfen, und ja …, auch um Leben zu retten. Dieser Zerstörungswut – mit zahlreichen Opfern auch unter seinen Bediensteten – will der Lebensretter jedoch nicht weiter tatenlos zusehen und sieht in Supermans ständigem Kampf gegen das Übermenschliche die alleinige Legitimation, gegen „den anderen“ Superhelden in den Krieg zu ziehen. Noch nie zuvor wurde in einer Comicverfilmung ein Held auf ein derart kindliches Niveau herabgestuft. Und das ist nicht der einzige Grund, diesen Film besser auszulassen.

Bevor es zum Kampf Mann gegen Mann kommt, hat sich das Drehbuch-Duo Chris Terrio („Argo“) und David S. Goyer („The Dark Knight“) ein paar Nebenschauplätze ausgedacht, die so überflüssig sind wie uninspiriert vorgetragen: Durch die großen Kollateralschäden im Kampf gegen Zod muss sich Superman einer ehrgeizigen US-Senatorin (Holly Hunter) stellen, die ihn in einen Ausschuss vorlädt, um ihn an die Regeln einer Demo­kratie zu erinnern. Und der gottgleiche Superheld erscheint tatsächlich vor dem Kongreß. Die öffentliche Sitzung entpuppt sich jedoch als Falle, weil Erzschurke Lex Luthor (Zappelphilipp Jesse Eisenberg) den Kongreß mitsamt Senatorin in die Luft sprengt. Die Politik verliert.

Szene_Bat_v_Super_2 Lex Luthor, Clark Kent, Bruce Wayne, … in der groben Skizzierung der Figuren verliert man als Zuschauer schnell den Überblick. Weitere Figuren (nicht nur aus dem DC Universum) kommen und gehen. Und dass Zack Snyder alles andere als ein guter Schauspiel-Regisseur ist, wird nicht zuletzt dadurch sichtbar, dass seine Figuren führerlos auf das große Chaos zusteuern: Ben Affleck gibt seinen Batman unaufdringlich und wie in Trance, den Wandel von Griesgrämigkeit zu echtem Grimm, mit verklemmtem Kiefer, mehr soll/will Bruce Wayne nicht von sich preißgeben. Ein paar böse Träume vom Tod seiner Eltern müssen reichen.

Dennoch sind die Sympathien klar verteilt, auch weil Henry Cavill mit blassem Teint und gegeltem Haar wie bereits in „Man of Steel“ mehr wie ein Hans-Wurst daherkommt als ein gottgleicher Weltenretter. Nein, in der düsteren Christopher-Nolan-ähnlichen Inszenierung sollen die weiblichen Nebenfiguren für herzerwärmende Ablenkung sorgen: Da wären zum einen Lois Lane (Amy Adams), die stets neugierige Karla Kolumna, der abermals, wie in Snyders „Man of Steel“, die Aufgabe zufällt, in getakteten Abständen wahlweise in Erwartung des gottgleichen Kryptoniers in den Himmel zu blinzeln oder ihm um den Hals zu fallen und ihn für eine weitere Rettungsaktion mit einem Küsschen zu belohnen. Sextistisch? Es kommt noch besser…

Szene_Bat_v_Super_0Ohne zu viel zu verraten, das Böse wird am Ende erst mit Hilfe von „Wonder Woman“, der frisch inthronisierten weib­li­chen Super­heldin (Gal Gadot), besiegt. Sie wird viel zu spät als mysteriöse Femme Fatale vorgestellt, um am Ende vom jeweils anderen unter Verdacht zu geraten, mit dem Gegenüber im Bunde zu sein („Gehört Sie zu Dir?“ – „Nein, ich dachte Sie gehört zu Dir!„). Stets knapp beschürzt ist Wonder Woman ständig bemüht, die Prin­zi­pien „Verantwortung, Menschlichkeit, Konformität und Superheldenkräfte“ im Einklang zu halten, um schließlich noch ein weiteres Prinzip hinzuzufügen: Die Sehnsucht eines Superhelden / einer Superheldin nach Privat­heit. Nun denn.

Während die großen, kleinen Jungs ihr Revier markieren, dürfen die weiblichen Heldinnen brav applaudieren und am Ende ein kleinwenig beim Kampf aushelfen. Und was macht Zack Snyder aus alledem? Ein inkohärentes, CGI-gestütztes Aufeinandertreffen zweier dummer Jungs. Zweieinhalb Stunden Blockbuster-Kino, in dem am Ende eine Perlenkette bleibt, die sich in Slow Motion vom Hals von Martha Wayne (Mutter von Bruce Wayne) gelöst hatte. Zudem vielleicht noch ein amphibienartiges Krümelmonster und eine zwischen Blickfang und Privatheit changierende Wonder Woman. Nein, einige gute Einfälle machen noch keinen Film, unter Zack Snyder fügen sie sich nie wirklich zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Vor den nächsten DC-Projekten („The Justice League“) sollte man die Regisseur-Wahl noch einmal überdenken.

 

 

Kritikerspiegel Batman V Superman: Dawn Of Justice



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Stefan Turiak
WIDESCREEN, triggerfish.de
3/10 ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 


Julius Zunker
kinofans.com
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


 

Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 



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