KRITIK

Batman und Robin

Batman und Robin Ausgerechnet der Regisseur Joel Schumacher, der nach Burtons Abgang für den furchtbar flügellahmen Batman Forever verantwortlich zeichnete, hat nun einen berauschenden Pop-Art-Reigen vorgelegt, den man ihm kaum zutrauen durfte – ein Aufstieg vom blassen Nachlassverwalter zum respektablen Stadthalter von Gotham City.

Unter der Maske der Law-and-Order-Maus steckt nach dem zweimaligen Ausflug von Michael Keaton und dem einmaligen Gastspiel von Val Kilmer nun George Clooney. In Gotham City weht nicht nur ein eisiges Lüftchen, sondern auch ein frischer Wind. Fast zehn Jahre und Welten liegen zwischen Tim Burtons Batman-Erstling und dieser dritten Fortsetzung der Kultcomic-Saga, die sich überraschenderweise als die bisher beste und konsequenteste Verfilmung des Flattermann-Stoffes entpuppt.

Der wirrhaarige Hollywood-Phantast Burton, der auch Batmans Rückkehr inszenierte, lieferte zwar recht ansehnliche Impressionen aus dem futuristischen Neu-Metropolis, und mit Jack Nicholson als breitgrinsendem Joker hatte er einen genialen Bösewicht zur Verfügung. Aber sein eigentliches Talent entfaltet sich eben dann, wenn er detailverliebte, hübsch-spinnerte Außenseiter-Stories erzählen kann, und nicht, wenn er durch gigantisch-seelenlose Dekors wandert.



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INHALT

In Gotham City ist der große Frost ausgebrochen. Die bizarr-mondäne Neon-Metropole, Heimatort der schlagfertigsten Fledermaus aller Zeiten und Sammelstätte der zukünftigen Sünderschaft, liegt erstarrt darnieder. Ein gewisser Mr. Freeze hat der pulsierenden Mega-Stadt das Blut in den architektonischen Adern gefrieren lassen und aus ihren Bewohnern kunstvolle Eisskulpturen geformt. Doch das reicht dem blauglitzernden Kaltmacher noch lange nicht: Im Verbund mit der giftig-erotischen Efeulady Poison Ivy (Uma Thurman) will Freeze die ganze Welt in einen gigantischen Kühlschrank verwandeln. Da hat er die Rechnung allerdings ohne den spitzohrigen Vorzeige-Beschützer Batman und seinen juvenilen Nachflügler Robin gemacht. Zumal die beiden weibliche Unterstützung in Gestalt des blonden Batgirls Barbara bekommen.
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Eure Kritiken zu Batman und Robin

  1. Hitmanski

    „Jetzt weiß ich, warum Superman immer alleine unterwegs ist“ –

    Auch nach über 13 Jahren und zwei weiteren Neuauflagen bleibt „Batman & Robin“ wohl der unumstritten umstrittenste Teil des DC-Franchises: Dass erscheint einerseits zwar verständlich, schafft es der vierte Aufguss der Fledermaus-Saga doch in keinem einzigen Moment, sich über dem Mittelmaß zu positionieren, auf der anderen Seite schwebt stets der Schatten der Vorgänger über solchen Produktionen, an denen schon mehrere Filme zerbrochen sind: Denn in der Tat scheitert auch Schumacher abermals weniger an handwerklichen Unzulänglichkeiten, als vielmehr an der Erwartungshaltung seiner Rezipienten hinsichtlich der Weiterführung des durch Burton diktierten Kosmos, sowie der Tatsache, seine Herangehensweise an den Batman-Mythos konsequent genug zu artikulieren:

    „Batman & Robin“ findet sein Potential nicht, wenn man ihn im Kontext der burton‘schen Vorgängerwerken, oder Nolans Epigonen betrachtet, aber es gibt durchaus Momente, in der sich der Film durch eine satirische Lesart in eine bonbonfarbene Lightversion von Moores „Watchmen“ verwandelt: Wenn Schumacher seine Kontrahenten vor bombastischer Museumskulisse gegeneinander Eishockey spielen lässt, während sie sich mit grotesken Onelinern bombadieren, oder den Masken- und Latexfetish seiner Figuren durch Bodybuilder-Suits und Closeups der Heldenhintern einfängt, dann ist das eine zugegebenermaßen plumpe, aber vorausschauende und treffende Überspitzung auf die over-the-top-Attitüde und den latent (homo-)sexuellen Subtext anderer Comicverfilmungen.

    Auch in der Inszenierung beschreitet Joel Schumacher andere Wege, als die sonst mit dem Stoff betrauten Regisseure: Schon in der, mit schmieriger Dudelmusik unterlegten Einführung von Alfreds Nichte, wird klar, dass der Regisseur die großen Gesten liebt; etwas was in der Charakterisierung seiner Gegenspieler ihren Klimax findet: „Batman & Robin“ ergeht sich nicht in der fatalistischen Vergangenheitsdeutung seiner Schurken, er bringt ihnen keine Verehrung entgegen, vielmehr sieht er in ihrer Manie nichts melancholisches oder nachvollziehbares – er überspitzt und stilisiert sie zu grün und blau leuchtenden Knallchargen, die eher aus Effektgier, denn aus narrativer Verankerung handeln.

    Das darin enthaltene parodistische Potential – darüber muss man nicht streiten – mag dem Batman-Franchise nicht gerecht werden, trifft aber auch in diesen Fall einen wunden Punkt vieler anderer Vigilanten-Exkurse auf der Leinwand.

    Überhaupt wäre „Batman & Robin“ besser, wenn er jene Konsequenz der obigen Szenerien zu jeder Zeit durchgehalten hätte: Aber insbesonders die leisen Töne in den Sequenzen mit Alfred passen nicht in die Gesamtkonzeption, und fallen durch ihre – zum sonstigen Neonlook konträre – Seriosität, peinlich auf. Hier patzt der sonst weitestgehend solide Handerwerker auf dem Registuhl.

    Übrig bleibt somit eine etwas unrunde, aber doch nicht gänzlich uncharmante Trash-Satire, an der sich manch einer stoßen, aber auch manch einer ordentlich unterhalten wird. Unterbewertet!

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