KRITIK

Batman Begins

Batman Begins Mit der Low-Budget Produktion „Memento“ hatte der Engländer Christopher Nolan Aufsehen erregt. Mit dem von der Kritik gefeierten „Insomnia“ sein Können unter Beweis gestellt. Gelingt ihm mit seinem ersten Blockbuster nun der endgültige Durchbruch?

Zunächst einmal hat der 35-jährige ehemalige Student der englischen Literatur viel Mut bewiesen. Mit seinem dritten Film übernahm er ausgerechnet die Regiearbeit über ein Prequel der Leinwand-Ikonodulie Batman.

„Ich schaute mir die unglaubliche Besetzung von Richard Donners `Superman` von 1978 an“, ließ Nolan vor Drehbeginn verlauten, „er hatte Marlon Brando, Gene Hackman, Ned Beatty und jede Menge weiterer großartiger Schauspieler in den Nebenrollen. So sind wir auch vorgegangen.“.
Und tatsächlich, die Liste der Darsteller von „Batman Begins“ liest sich wie eine `Who is Who`-Liste erfahrener Leinwandikonen.

Regisseur und Drehbuchautor Nolan konnte für sein Batman-Prequel aus dem Vollen schöpfen. Zahlreiche Schauspieler waren neugierig auf den intelligenten Jung-Regisseur und wollten unbedingt mit ihm arbeiten. So sagten für die wichtigen Nebenrollen Darsteller wie Liam Neeson, Gary Oldman, Rutger Hauer, Tom Wilkinson oder sogar der jüngst Oscarprämierte Morgan Freeman zu. Diese Leinwandgrößen begleiten den Werdegang eines 8-jährigen Jungen, anfangs überzeugend verkörpert durch Gus Lewis, der sich von einem ängstlichen Waisenjungen zu einem furchteinflößend dunklen Ritter und Kämpfer für das Gute entwickelt. Nolan, der bereits mit „Memento“ und „Insomnia“ ein untrügliches Gespür für seine Figuren bewiesen hatte, wollte sich auch hier vor allem auf die Figuren konzentrieren. Ein schwieriges Unterfangen in einem Genre, in dem das Fehlen möglichst aufwändiger Abenteuer-Action-Elemente hart bestraft wird.

Diesen Fehler – die Verlagerung des Hauptaugenmerks auf eine intensive Figurenzeichnung zu Lasten der Action-Elemente – hatte schon dem asiatischen Regisseur Ang Lee mit seiner Comicverfilmung „Hulk“ viele Einspiel-Dollars gekostet. Nolan ist hier vorsichtiger. Zudem kann er sich mit Christian Bale auf einen Hauptdarsteller verlassen, der sämtliche Facetten, vom idealistischen Kämpfer für das Gute, über den verhätschelten Playboy bis hin zum furchteinflößenden Racheengel wie aus dem Effeff beherrscht. Zu keiner Sekunde kommt beim Zuschauer das Gefühl auf, Bale könnte ähnlich wie seine Batman-Vorgänger von den Nebenrollen an die Wand gespielt werden. Ein großer Verdienst dieses großartigen Schauspielers. Der Film ist folglich immer dann am besten, wenn sich Bale mit den zahlreichen Leinwandgrößen messen kann. So erinnert beispielsweise die Ausbildung des jungen, ungestümen Bruce Wayne durch einen überzeugend autoritären Liam Neeson im ersten Drittel des Films, der hier den undurchsichtigen Henri Ducard von der Untergrundorganisation „League of Shadows“ gibt, sehr an die Ausbildung eines Hayden Christensen als Anakin Skywalker in Star Wars Episode II.

Kameramann Wally Pfister, der auch schon bei „Memento“ und „Insomnia“ für Nolan hinter der Kamera stand, bleibt gerade in diesen Duellen sehr nah an den Darstellern ohne dabei den Blick für den Ort des Geschehens zu verlieren. Damit zollt er zum einen den herausragenden Leistungen aller Protagonisten Tribut, und lässt zum anderen die Entwicklung, die der junge Bruce Wayne vom ängstlichen Waisenjungen zum dunklen Ritter durchlebt, noch glaubhafter wirken.

Bei so viel darstellerischer Finesse, geführt vom Schauspieler-Regisseur Christopher Nolan, müssen an einigen Punkten Abstriche gemacht werden. Leider gingen dem Drehbuch-Dreamteam Nolan/David Goyer an manchen Stellen schlichtweg die Ideen aus. Gerade bei den Action-Elementen kommt dem Zuschauer mehr als einmal der Satz in den Sinn: „Oh, das habe ich doch irgendwo schon einmal gesehen?!“ Eine rasante Zugfahrt durch Gotham-City beispielsweise erinnert sehr stark an „Spider-Man 2“ oder eine eindrucksvoll bebilderte Auto-Verfolgungsjagd mit dem ebenso beeindruckenden Batmobil an eine Verfolgungsjagd in „Matrix-Reloaded“.

Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan hatte viele Freiheiten, um seine Entwicklungsgeschichte des jungen Bruce Wayne hin zu einem furchteinflößenden Batman glaubhaft zu inszenieren. Er hat diese, getragen von einem herausragenden Ensemble, eindrucksvoll genutzt. Auch wenn ihm im Actionteil die Ideen ausgingen und einige wenige Dialogzeilen wie eine Aufzählung plumper Erziehungsweisheiten klingen, ist der Film in seiner atmosphärischen Dichte und düsteren Stimmung sehr sehenswert.



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INHALT

Nachdem er als kleiner Junge die Ermordung seiner Eltern mitansehen musste, führte das Schicksal den seither vor Rachedurst überquellenden Bruce Wayne bis nach Ostasien. Dort macht ihn ein weiser Ninja-Häuptling mit dem kleinen Einmaleins des One-Man-Guerillakriegs vertraut. Zum Kampf fertig ausgebildet kehrt Wayne zurück ans familiäre Anwesen in der Nähe von Gotham City und sucht die Konfrontation mit den profiliertesten Schwarzwesten der Stadt.
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Eure Kritiken zu Batman Begins

  1. Cineast

    Von Christopher Nolan durfte man einiges erwarten. Und diese Erwartungen wurden erfüllt. Batman ist keine zweidimensionale Comic-Adaption, Batman ist eine ernst zu nehmenes Charakterzeichnung. Ein Verdienst von Nolan. Dank der herausragenden Darsteller ein gelungenes Prequel. Klasse!

  2. Udo

    Auch ich bin begeistert. Christopher Nolan gelingt ein sehenswertes Batman-Prequel, das einen würdigen Einstieg in die Reihe findet. Ich frage mich nur, was dieses Ungetüm an Auto in dem Film zu suchen hatte? Und wer hat die Besetzung vorgenommen? Katie Holmes als Staatsanwältin? Das passt doch wohl gar nicht. Da hole ich mir doch lieber meine alten Dawsons Creek Folgen wieder aus dem Keller.

  3. Detlef74

    Hallo, der Film ist cool! Und nicht nur was für Batman-Fans. Mir hat aber auch nicht Katie Holmes gefallen. Da wäre eine andere, reifere Schauspielerin sicherlich besser gewesen.

  4. CarJacker

    Hallo, zum Auto muss ich nur kurz sagen, dass der Zuschauer nciht vergessen sollte , dass dies ein Prequel ist und somit rein chronologisch das Auto nur als Prototyp gesehen werden muss. Ist klar, dass dieses Auto nicht so „stylisch“ daherkommt wie in dnen anderen Teilen.

  5. Joker

    Jetzt heit es schon, die drehen eine Fortsetzung des Prequels aber ohne Katie Holmes. Als ein Prequel teil 2.. Da wurden die Kritieken von hier ja erhört… 🙂

  6. Hitmanski

    „Legend, Mr. Wayne“ –

    Es ist ein bemühter Auftakt, den Christopher Nolan den vor sich dahindarbenden Fans der Nachtkreatur aus dem Hause DC mit „Batman Begins“ nach fast zehn Jahren Abstinenz serviert:

    Mit einer ebenso infantilen, wie doch notwendigen Trotzreaktion auf die grellen Camp-Spekatkel aus dem Hause Schumacher, eröffnet der dritte Regisseur innerhalb der Fledermaus-Reihe, seine Adaption des Comicstoffes: Sein Bruce Wayne muss noch während des Intros durch den Schlamm robben, und sich in unwirtlichen Gefängnissen am Ende der Welt herumprügeln.

    Es ist ein schwieriges Unterfangen, in welches sich der fünfte Batman-Film dabei an manchen Stellen gerade zu manisch hineinsteigert: Er möchte als modernes und integratives Werk seiner Dekade gelten, peinlichst darum bemüht, jeglichen Bruch mit der Ernsthaftigkeit im Keim zu negieren, um sich als klare Antipode zu den konturlosen, aber selbstironischen Schumacher-Werken zu positionieren, und pendelt in der Frage, wie er dem burton‘schen Erbe begegnen soll, trotzalledem ziellos umher: So stark Nolans Faszination für die ausführlichen Charakterisierungen und die Figurenzeichnung in „Batman Returns“ sein mag, so sehr zeigt er sich von der verspielten Ästhetik in Burtons‘ Gotham City abgestoßen.

    Sein Ansatz, grundlegenden Charakterfäden aufzugreifen, sie im Rahmen einer neuen Geschichte zu variieren, und in die eigene Inszenierung zu implementieren, ist nun ein ebenso ambitionierter, wie in letzter Konsequenz gescheiterter:

    Jene Szenen, die in „Batman“ beiläufig eingeflochten wurden, werden zur Introduktion der Titelfigur ausgebaut, was in Hinblick auf die geplante Trilogie sicherlich notwendig ist, dem Film jedoch einen vergleichsweise zähen Einstieg beschert, den man nach über sechzig Minuten, nicht wirklich zu legitimieren weiß: Nolans Film erzählt viel, und doch wenig, er konstruiert einen banalen Kampf gegen die Schatten der Vergangenheit – erst in Form eines Kindheitstrauma, dann in der Konfrontation mit seinem „Erschaffer“ – als Motivation hinter der Kunstidentität der „Batman“-Figur, und außer dem immerwiederkehrenden Aufgreifen des Furcht-Motivs im weiteren Filmverlauf, weiß er erstaunlich wenig substantiell Neues zu berichten.

    Natürlich ist es ein charmanter Script-Einfall, dass die Rahmenhandlung die gleichen moralischen Fragestellungen für den Makrokosmos aufwirft, die auch Bruce Wayne mit sich selbst ausficht, aber es ist nur eine mäßig clevere Vertuschung der Tatsache, dass sich die Handlung mit zunehmender Zeit dem ominösen Masterplan eines Schurken verschreibt, und sowohl narrativ, als auch in der Inszenierung, in ein elendig oft durchdekliniertes Bösewichter-ABC abrutscht.

    So sehr „Batman Begins“ in der ersten Hälfte seinen Finger nach bedeutsamer Größe ausstreckt, und sich sichtlich in all den pathetischen Gesten und theatralischen Dialogen gefällt, so sehr entlarvt er sich beim verzückten Zerlegen ganzer Stadtviertel gegen Ende selbst: Es ist mehr Schein als Sein; den Bruch mit den Konventionen des Actionkinos möchte Nolan zu keiner Zeit so konsequent vollziehen, wie es Burton in „Batman Returns“ tat.

    Es sind die Geister, die er rief, die Christopher Nolan das Leben bisweilen schwer machen:
    Wer Fantasie gegen Technik ausspielt, und behände versucht, einem klinisch reinen Perfektionismus zu huldigen, der wird sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob über Dächer hüpfende Panzerwagen und ein Yuppie im Flattermann-Anzug eigentlich überhaupt noch in ein so charakterisiertes Setting passen.
    Insgeheim scheint man sich dieses Problems bewusst zu sein, umgeht man allzu überzeichnete, und deshalb inhomogene – Gegenspieler doch einfach damit, dass man sie in die pure Bedeutungslosigkeit degradiert: Scarecrow ist eine Randnotiz und Aufhänger einiger CGI-Sperenzchen, Ra’s al Ghul als Antagonist viel zu abstrakt und unpräsent, um als Final-Part glaubwürdig zu funktionieren.

    Natürlich wird auch „Batman Begins“ seiner Rolle als Nolan-Blockbuster insofern gerecht, als das sich alles Dargestellte auf technisch durchwegs hohem Niveau bewegt, und vorallem in den Nebenrollen durch ebenso bewährte, wie auch verschenkte Gesichter zu gefallen vermag.
    Bales desinteressierte Wayne-Interpretation ist nach Keaton und Kilmer jedoch nahezu unverzeihlich; entwickelt sein Wandel vom komplett underactenden Milliardär in einen grunzenden Rächer doch eine seltsame Eigendynamik, die mitunter die Grenze zur unfreiwilligen Komik überschreitet.

    Obwohl die Variablen andere sind, sind es doch die gleichen Punkte mit umgedrehten Vorzeichen, an denen nach Burtons Erstling, nun auch Nolans Startversuch scheitert: „Batman Begins“ fehlt der Wille zur allumfassenden Eigenständigkeit, er ist in seinen Ansätzen und Intentionen zwischen Tiefgang und Popcorn schlicht überladen und inkohärent – auch hier sollte sich der Nachfolger in seinem bedingungslosem Bekenntnis zum Sommerblockbuster, als der bessere Film erweisen.

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