KRITIK

Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell

Basic Instinct - Neues Spiel für Catherine Tramell Solo für Catherine

Dieser Film feiert eine Frau. Sie ist über 40 Jahre alt. Und wenn es nach Hollywood ginge, hätte sie (ausgerechnet in der Rolle der Femme Fatale) im Kino nichts mehr zu suchen. Das sagt die Statistik. Doch spätestens seit den Erfolgen der TV-Serien „Desperate Housewifes“ oder „Sex in the City“ sind Gesetze rund um das Thema „Alter“ oder „Sex im Alter“ lediglich dazu da, gebrochen zu werden – nun auch im Kino.

Hier geht es aber nicht um alte Gesetze, hier geht es auch nicht um irgendeine Frau, hier geht es um Sharon Stone, 48 Jahre alt, IQ 153. Das Image der Amerikanerin eilt ihr meilenweit voraus und verwandelt Fotografen in „We love you!“ grölende Fans und Journalisten in Anzüglichkeiten stammelnde Bewunderer.
Vor 14 Jahren hatte sie mit der Rolle der Schriftstellerin Catherine Tramell dieses Image in der Filmgeschichte zementiert; nicht wegen ihrer herausragenden schauspielerischen Leistung, sondern weil sie in einer Verhörszene die Schenkel spreizte und demonstrierte, dass sie kein Höschen unter dem Rock trug. Dieses Image hat sie nie gestört. Gegen dieses Image der Sexgöttin hatte sie nie gekämpft. Nun schlüpft sie erneut in die Rolle, die sie berühmt gemacht hat.

Für die Fortsetzung hat Miss Stone viel trainiert. Schließlich musste sie auch im letzten von vielen schlechten Drehbüchern mehr als einmal lesen, dass sie erfolgreiche Männer um den Verstand bringen muss. Opfer Nummer eins ist ein erfolgreicher Fußballer. Gleich zu Beginn lutscht sie den Finger des schwer angetrunkenen Sportlers und lässt diesen zwischen ihre Beine gleiten. Im Auto natürlich, während einer Fahrt durch London, bei 180 km/h. Im Grunde genommen funktioniert Basic Instinct 2 also wie Basic Instinct 1. Der Film beruft sich auf eine schöne Frau namens Sharon Stone und zeigt sie beim Sex. Die Fortsetzung zeigt eine operierte noch immer schöne Sharon Stone und zeigt sie beim Sex. Zudem beruft sich Teil 2 auf einen Mythos, in diesem Fall auf den der männermordenden Femme Fatale, ohne ihn allerdings zum Leben zu erwecken, geschweige denn, ihm eine übergeordnete oder auch nur zeitgenössische Bezüglichkeit zu verleihen. In Dialogen wird der Mythos erst hochgehalten, dann aus- und schließlich plattgewalzt.

Die Regeln für eine Fortsetzung sind im Filmbusiness klar umrissen: Mehr, größer, schneller oder weiter. Für den Mythos Sharon Stone heißt es somit für Teil 2 noch mehr nackte Haut, noch mehr Sex-Szenen und noch gewagtere Outfits. Doch schon Teil 1 war nicht in erste Linie ein Sharon Stone Film, es war auch ein Film über die Opfer, die einer sexhungrigen Femme Fatale erliegen. Basic Instinct war demnach auch ein Michael Douglas Film, geführt von einer großartigen Spannungsregie Paul Verhoevens. Im „neuen Spiel für Catherine Tramell“, so der Untertitel von Teil zwei, diesmal unter der Regie des Schotten Michael Caton-Jones, werden charismatische Opfer vom Schlage eines Michael Douglas schmerzlich vermisst. Und mehr noch, außer noch ausgefuchster ersonnener Intrigen und fast schon belustigend komischen Dialogzeilen, hat der Film mehr nicht zu bieten. Warum sich die Produzenten Mario Kassar und Andrew Vajna ausgerechnet für das Drehbuch des hoffnungslos erfolglosen Autorenehepaares Bean/Barish entschieden haben, bleibt ein großes Rätsel. Henry Bean hatte nach seinem nunmehr 16 Jahre alten Script zu „Internal Affairs – Trau‘ ihm, er ist ein Cop“ (1990) kein gutes Script mehr abgeliefert. Und seine Frau Leora Barish, mit der er zusammen das Drehbuch zu dem Jessica Alba Mega-Flop „Venus Rising“ (1995) verfasste, hatte mit dem Script zu „Susan… verzweifelt gesucht“ (1985) ihren ersten und letzten großen Erfolg.

Sharon Stone scheint das alles egal zu sein. Ihr bietet sich hier ein schöner Laufsteg für ihren durchtrainierten, operierten Körper. Gegnerinnen geschweige denn adäquate Gegner sind nicht vorhanden. Für einen spannenden Thriller ist das natürlich viel zu wenig.



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INHALT

Romanautorin Catherine Tramell hat San Francisco den Rücken zugekehrt und ist nach London übergesiedelt. Doch auch dort gerät sie in Konflikt mit dem Gesetz. Scotland Yard beauftragt den brillanten Psychiater Dr. Andrew Glass. Er soll ein Profil erstellen, lässt seine kühle Professionalität aber bald fahren und verfällt der kühlen Blonden mit der messerscharfen Intelligenz. Ein Katz und Maus Spiel beginnt.
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Eure Kritiken zu Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell

  1. Nana

    … ohne schlüssige Story funktioniert Kino nu mal leider nicht besonders gut! Der Film ist überflüssig.

  2. Stern

    Erwartungsgemäß ließ sich die Originalversion nicht übertreffen, aber daß wäre auch ein Wunder gewesen. Wer Basic Instinct mochte, kommt auch um die Fortsetzung nicht herum. Trotz einiger Kritikpunkte ein sehenswerter Film, der mit einem überraschenden Ende punktet.

  3. Kintop

    GROTTENSCHLECHT. Punkt.

  4. Keule

    Zwei Filme am Wochenende, zwei mal eine Demontage, Teil 1 hier, Sharon Stone, von der ich eigentlich ein Fan bin (etilche DVDs), demontiert sich mit dieem müden Aufguss selbst, Schade.. schnell vergessen.

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