KRITIK

Barneys Version

Filmplakat Barneys VersionBarney ist nicht nett. Linkisch und unflätig ist dieser Zyniker, der zu viel Zigarren raucht und Whiskey säuft. Für einen Schauspieler ist es nicht leicht, einen derart egomanen und wehleidigen Frauen- und Freunde-Verschleißer mit filmtauglicher Sympathie auszustatten. Paul Giamatti allerdings kann das mit links – die Rolle des dicklichen Verlierers ist ihm schließlich seit „Sideways“ von Alexander Payne (USA 2004) auf den Leib geschrieben. Für „Barney´s Version“ erhielt er jetzt den Golden Globe, zu Recht, denn er ist das große Plus dieser sentimental ausufernden Lebenschaos-Komödie.

Es beginnt mit einem Blick zurück: Über Jahrzehnte spannt sich die „Version“, die der windige Billig-TV-Produzent Barney von seinem Leben erzählt: In den 70ern wohnt er als Teil einer Bohème in Rom, heiratet eine suizidale Künstlerin. Später ehelicht er eine überspannte Tochter aus jüdischem Geldadel (Karikatur: Minnie Driver), verliebt sich noch am Tag der Hochzeit in die schöne Miriam (toll: Ex-Bond-Girl Rosamunde Pike), die er fortan obsessiv verfolgt, bis auch sie (vorübergehend) seine Frau wird. Immer dabei ist Barneys kruder Polizisten-Vater, den Dustin Hoffman mit Schnauzbart und ohne Handbremse durch die Szenen poltern lässt.

Szene aus dem Film Barneys VersionRegisseur Richard J. Lewis, sonst u.a. für die Krimiserie „CSI“ tätig, bringt in seinem überlangen Lebenspanorama viele urkomische Fremdscham-Sequenzen unter, profitiert vom starken Ensemble, doch rund wird die Sache nicht. Zumal der Geschichte eine reichlich überflüssige Krimi-Handlung aufgepfropft wird. Vielleicht liegt es an der Perspektive, denn erzählt wird in episodenhaften Rückblenden aus der Sicht des 65-Jährigen Barney. Wo im zugrundeliegenden Roman von Mordecai Richler aber die Alzheimer- Erkrankung Barneys die Erinnerung verzerrt, entwickelt der Film lediglich eine konventionelle Episodenstruktur, die am Ende nahezu in Larmoyanz mündet. Giamatti-Fans können darüber gewiss hinwegsehen, zum schlüssigen Drama aber reicht es nicht.

  

Barney's Version



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Dimitrios Athanassiou
Moviemaze.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Christian Gertz
nadann Wochenschau..., mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, Die Welt, FR
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 





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INHALT

Als sich Fernsehproduzent Barney P. (Paul Giamatti) durch die Memoiren seines Erzfeindes bloßgestellt und sogar als vermeintlicher Mörder dargestellt sieht, entscheidet er sich, seine Version zu erzählen. Zumindest soweit er sich erinnern kann ... Da Barney es aber weder mit Höflichkeit noch Wahrheit allzu genau nimmt, wird daraus eine offenherzige, pikante und einzigartige Lebensbeichte, die vier Jahrzehnte, drei Ehen, zwei Kontinente und eine große Liebe umfasst. Da ist seine erste Frau Clara (Rachelle Lefevre), ein rothaariger Freigeist, mit dem Barney seine Boheme-Zeit in Rom verlebt, da ist seine zweite Gattin (Minnie Driver), eine ebenso reiche wie mitteilsame „jüdische Prinzessin", die nicht merkt, dass er längst nicht mehr zuhört, und da ist seine wahre Liebe Miriam (Rosamund Pike), die er auf seiner zweiten Hochzeitsfeier kennenlernt und nicht mehr loslässt, bis er sie zu seiner dritten Frau und Mutter seiner Kinder machen darf. Und da darf im schonungslosen Blick zurück auch sein eigenwilliger Vater (Dustin Hoffman) nicht fehlen und erst recht nicht sein lasterhafter bester Freund Boogie (Scott Speedman), den er ja schließlich auf dem Gewissen haben soll.
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