KRITIK

Bandidas

Bandidas Was ist schon der Überfall auf eine Bank, verglichen mit der Gründung einer solchen? Das lässt der selige Bert Brecht in seiner „Dreigroschenoper“ fragen, und die norwegischen Regisseure Joachim Roenning und Espen Sandberg wollen es in ihrem feministischen Spaghetti-Western „Bandidas“ nun noch einmal wissen.

Die von Luc Besson produzierte Parodie aufs genuin maskuline Genre erzählt von den Umtrieben der imperialistischen New Yorker „Bank and Trust“ im Mexiko des Jahres 1880. Heuschrecken-Kapitalist Tyler Jackson, von Dwight Yoakam mit kalter „Spiel mir das Lied vom Tod“-Gemeinheit ausgestattet, geht bei der feindlichen Übernahme der mexikanischen Banken über Leichen und erschießt obendrein für eine Handvoll Dollar mehr wehrlose Farmer, deren Land für eine Eisenbahntrasse benötigt wird.

Sara (Salma Hayek), die gebildete und reiche Tochter des ermordeten mexikanischen Direktors, und Maria (Penélope Cruz), die bauernschlaue und arme Tochter eines schwer verwundeten Landbesitzers, lassen sich das nicht bieten und schreiten unabhängig voneinander zur gerechten Enteignung der nun mit Sternenbanner besetzten Bankfilialen. So stehen sich die ungleichen Ladys bei ihrer ersten Zufallsbegegnung mit gezücktem Colt gegenüber und müssen einsehen, dass man eine Bank nicht zweifach ausrauben kann und sie trotz Zank und Zickerei zusammen mehr erreichen. Nach einem Crash-Kurs für Nachwuchskriminelle beim Safeknacker-Veteranen Bill Buck (Sam Shepard) treten die Korsett-Trägerinnen an, dem amerikanischen Groß-Kapital das Fürchten zu lehren. Die folgenden Robin-Hood-Raubzüge sind nicht gerade originell inszeniert, ebenso wenig, wie die Zungenkuss-Konkurrenz der weiblich bewaffneten Bandidas um einen gutherzigen Kriminologen (Steve Zahn) witzig geraten ist – Ladykracher-Humor im halbwilden Westen.

Auch schäkern die Regisseure zu sehr mit dem stets ironisch inszenierten Sex-Appeal ihrer tiefdekolletierten Bad Girls Cruz und Hayek. Aber unsympathisch oder langweilig ist der Film bei all dem nicht, zumal man ihm seine nett-naive Che-Guevara-Attitüde abnimmt: Viva la revolución!



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INHALT

Um Land für eine Eisenbahntrasse zu erwerben, schickt eine US-Großbank einen Mann mit treffenden Argumenten nach Mexiko. Schnell verlieren dort arme Menschen Grund und Boden sowie zwei Männer ihr Leben. Ihre Töchter stammen aus unterschiedlichen Milieus, finden aber im Hass auf die Großbank eine Gemeinsamkeit. Fortan überfallen sie deren Filialen, reifen zu Profis und echten Freundinnen.
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