KRITIK

Bad Moms

Bild (c) 2016 Tobis Filmverleih.

Bild (c) 2016 Tobis Filmverleih.

Mit ihren „Hangover„-Filmen schickten sie ein Männer-Trio unter Alkoholeinfluss auf eine sehr erfolgreiche Fremdschäm-Tour. Doch zehn Jahre später – in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts – trägt das so genannte „starke Geschlecht“ selbst im konservativen Hollywood-Blockbuster-Kino schon lange kein Y-Chromosom mehr im Erbgutfaden. Höchste Zeit also, dass sich das erfolgreiche Autoren-Duo Jon Lucas und Scott Moore möglichst unterhaltsam den typischen „Frauen-Themen“ zuwendet. Nur wie? So „billig“ wie ihre drei Vollpfosten in den „Hangover„-Filmen wollten Lucas/Moore das stärkere Geschlecht nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Ergo dürfen ihre Protagonistinnen im neuen Film „Bad Moms“ ihren Ausbruch selbst bestimmen. Mit einer großen Portion Mut und Selbstbewußtsein – statt mit einer großen Portion Designerdrogen.

Im Zentrum des Geschehens steht Amy (Mila Kunis, „Black Swan„, „Freunde mit gewissen Vorzügen“), eine attraktive 32-jährige Zweifachmutter, die sich jeden Tag ganz schon abstrampelt, um Heim, Kids und Karriere unter einen Hut zu bringen. Ihren Mann Mike (David Walton) bezeichnet sie vielsagend als „ihr drittes Kind“. Und als sie herausfindet, dass sie von diesem auch noch betrogen wird, ist Schluss mit Nettigkeit und Perfektion. Mike wird kurzerhand vor die Tür gesetzt. Womit der Druck des täglichen Alltagswahnsinns jedoch eher zu- als abnimmt.

BAD MOMS

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Am Ende eines wirklich katastrophalen Tages inkl. verschüttetem Kaffee verliert die Working-Class-Vorzeige-Mum Amy auf einem Treffen „Fürsorglicher Mütter“ schließlich die Fassung, kündigt ihre Mitgliedschaft in der Frauenvereinigung, was der Schirmherrin und spießigen Übermutter Gwendolyn James (Christina Appleggate) gar nicht in den Kram passt. Den Rest des Abends verbringt Amy in einer Kneipe, wo sie die brave Kiki (Kristen Bell) sowie die frivole Carla (Kathryn Hahn) kennenlernt. Zusammen gründen die unterschiedlichen Frauen den Club der „Bad Moms“ – mit Regeln, die dazu da sind, um abgeschafft zu werden!

Als der unerwartete Alkohol-Absturz am nächsten Morgen seine Nachwirkung zeigt, ist plötzlich alles anders: Mama Amy verschläft, Frühstück gibt es für die verdutzten Kids keines, die Familienkutsche wird gegen einen Sportwagen getauscht, und zum Kuchen-Basar in der Schule gibt es Fertigkuchen aus der Plastikpackung. Eine neue Freiheit, die Amy sichtlich zu genießen scheint, vor allem zusammen mit ihren neuen Freundinnen beim Ausflug in den Supermarkt, in die Kino-Matinée, in´s Café oder in die Bar.

BAD MOMS

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Eine schlechte Mutter ist Amy dadurch natürlich noch lange nicht, obwohl ihr Chef und vor allem ihre Kids den Ego-Trip der Mutter nur bis zu einem bestimmten Grad in Ordnung finden. Auch Gwendolyn James, die von Amy vor aller Augen düpiert worden war, hält gar nichts von Freiheit und Spaßkultur im Elterdasein und setzt ein böses Intrigenspiel in Gang, was Amy nur noch mehr in Fahrt bringt. Als der Zweifachmutter schließlich der Ego-Tripp zu entgleiten droht, schickt das Drehbuch von Jon Lucas und Scott Moore die stets überzeugend sympathische sowie immer perfekt frisierte Mila Kunis in einen Zweikampf, in einen „Battle of the Moms“.

In Zeiten von Geburtenrückgang, Rekord-Scheidungsquoten und vernachlässigten Kindern haben sich Jon Lucas und Scott Moore für ihre erste weibliche Hauptrolle ausgerechnet die überforderte Mutter ausgesucht. Kann das gutgehen? Es kann. Denn auch wenn das Timing nicht immer stimmt und das ein oder andere Klischee zu viel präsentiert wird, geht das Wagnis „Mama bricht aus“ auf. Die Balance stimmt in „Bad Moms“, weil die beiden Autoren, die auch Regie führten, ihren Figuren mit Respekt begegnen und weil es vor allem Dank der hervorragenden Schauspielerinnen wie Kathryn Hahn und Mila Kunis mit ihrer ganz eigenen Mischung aus beherzter Natürlichkeit und handfestem Spaß immer wieder gelingt, Fehler und lustvoll schlechtes Benehmen glaubhaft als weibliches Selbstverständlichkeit einzufordern. Ein insgesamt recht stimmiger, großer Spaß.

 

Kritikerspiegel Bad Moms



Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Stefan Turiak
Widescreen, dramadandy.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, WAZ
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6.5/10 ★★★★★★½☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 

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